10 Dinge, die Sie über Gas noch nicht wussten

Erdgas ist einer der wichtigsten Energieträger überhaupt und wird seine Bedeutung in den kommenden Jahrzehnten nochmals deutlich steigern. Das hat auch einen guten Grund, denn Gas ist im Vergleich zu Braun- und Steinkohle deutlich umweltfreundlicher und leichter in der Handhabung.

Gasgeruch! Was muss ich tun?
Bild: Nor Gal / stock.adobe.com
Darüber hinaus trägt Gas auch einen entscheidenden Teil zur Energiewende bei. Und dies nicht nur in Form von Biogas, denn durch diverse Power-to-Gas-Verfahren kann überschüssiger Ökostrom bereits in Form von Gas gespeichert und zeitunabhängig genutzt werden. Wie die folgenden 10 Umstände beweisen, sind das aber nicht die einzigen interessanten Fakten zum Thema Gas.

Warum heißt Gas eigentlich Gas?

Haben Sie sich schon einmal gefragt, woher der Name Gas kommt? Der Name stammt ursprünglich von dem flämischen Chemiker Johann Baptista van Helmont aus dem 16. Jahrhundert, der den Begriff zwischen 1650 und 1660 prägte. „Gas“ leitet sich demnach vom griechischen Begriff „cháos“ ab, was offensichtlicherweise so viel wie Chaos bedeutet.

Der typische Gasgeruch

Von Natur aus ist Erdgas eigentlich völlig geruchlos. Das ist allerdings ein großes Problem, da austretendes Gas ab einer bestimmten Konzentration nicht nur tödlich, sondern auch hochexplosiv ist. Damit austretendes Gas so schnell wie möglich bemerkt wird, parfümiert man Gas seit langem mit sogenannten Odoriermitteln, die früher nach faulen Eiern rochen. Heute (seit 2001) kommt hierzulande ein schwefelfreies Acrylatgemisch zum Einsatz, das einen Lösungsmittelgeruch verströmt.

Es gibt nicht „das“ Erdgas

Eigentlich gibt es zwei Erdgasarten. Auf der einen Seite das sogenannte H-Gas, mit dem wir auch unsere Wohnungen heizen, und auf der anderen Seite das sogenannte L-Gas. Der Unterschied liegt in der Zusammensetzung. Während H-Gas zu 87 bis 99 Prozent aus Methan besteht und lediglich geringe Mengen anderer Gase aufweist, liegt der Methananteil bei L-Gas nur zwischen 80 und 87 Prozent. Im Umkehrschluss ist dabei der Anteil der Gase Kohlenstoffdioxid und Stickstoff höher. Diese Verunreinigung hat allerdings auch einen niedrigeren Energiegehalt zur Folge.

Deutschland heizt mit Gas

Nach offiziellen Statistiken heizen in Deutschland gut 19 Millionen der knapp 40 Millionen Haushalte mit Gas. Damit ist Gas noch vor Energieträgern wie Heizöl (11 Millionen Haushalte) und Fernwärme (5 Millionen Haushalte) mit Abstand der Spitzenreiter unter den Energieträgern. Solarthermie und Pelletheizungen kommen jeweils auf knapp 1 bis 2 Millionen Haushalte.

Woher kommt unser Gas?

Im vergangenen Jahr (2017) wurden in Deutschland insgesamt 985 Milliarden Kilowattstunden Gas verbraucht. Rund 11 Prozent des Erdgases stammten dabei aus heimischer Produktion. Der größte Lieferant war Russland mit einem Anteil von gut 31 Prozent. Auf dem zweiten Rang folgt Norwegen mit 28 Prozent. Auf dem dritten Platz der Lieferanten befinden sich die Niederlande bzw. die Staaten des Nahen Ostens, deren Erdgaslieferungen in Rotterdam angelandet werden.

Wie lang ist das Gasnetz?

Um 19 Millionen Haushalte in Deutschland beständig mit Gas zu versorgen, muss das Gasnetz eine gewaltige Länge haben. Und so erstreckt sich das Gasnetz auf satten 511.000 km Länge quer durch die Republik. Zum Vergleich: Die Entfernung zwischen der Erde und dem Mond beträgt „nur“ 384.400 km.

Der erste Gasunternehmer war ein Deutscher

Der Kaufmann Friedrich Alber Winzer ist sozusagen der Urvater der modernen Energieversorger. Dieser war es nämlich, der im Jahr 1804 von der Londoner Stadtregierung das Patent erhielt, um die Straßen der Hauptstadt und anderer britischer Städte mit Hilfe von Gas zu beleuchten. Im Jahr 1812 gründete er mit der „Gaslight and Coke Company“ in London den ersten Gasversorger der Welt.

Hier wird Erdgas verbraucht

Die im Jahr 2017 angefallenen 985 Milliarden Kilowattstunden Erdgas wurden natürlich nicht nur von Privathaushalten verbraucht, auch wenn deren Anteil bei immerhin 26 Prozent liegt. Den Löwenanteil steuert tatsächlich die Industrie bei, denn bei vielen energieintensiven Prozessen setzt man heute zu Recht auf einen schadstoffärmeren, günstigeren und leichter zu handhaben Energieträger wie Gas. Der dritte Großverbraucher in Deutschland sind Gewerbe-, Handels- und Dienstleistungsbetriebe mit einem Anteil von knapp 13 Prozent.

Wir sind weniger abhängig, als wir denken

Auch wenn in den Medien immer wieder die Rede davon ist, dass bei uns die Wohnungen kalt bleiben, wenn Russland die Gaspipelines zudreht oder ein Embargo gegen diverse Staaten aus dem Nahen Osten verhängt wird, ist dies bei weitem nicht der Fall. Deutschland verfügt nämlich über gut 50 unterirdische Gasspeicher, die rund 20 Milliarden Kubikmeter Gas fassen. Das entspricht derzeit gut einem Viertel des Jahresverbrauchs an Gas. Aktuell befinden sich weitere 23 Untergrundspeicher im Bau oder in der Planungsphase, sodass die Speicherreserve mittelfristig auf mindestens 40 Prozent des Jahresverbrauchs ansteigt.

Europa könnte sich unabhängiger von Gasimporten aus Nahost machen

Erdgas lagert in großen Mengen nicht nur in Russland und im Nahen Osten, sondern auch im Mittelmeer vor den Küsten von EU-Staaten wie Italien, Griechenland, Zypern und Spanien bzw. den Kanarischen Inseln. Alleine direkt vor der Südküste Zyperns lagern ersten Expertenschätzungen zufolge mindestens 1,8 Billionen Kubikmeter Gas. Nur mit diesen bisher vermuteten Mengen könnte Zypern Europa mehrere Jahre alleine mit Gas versorgen und ganz nebenbei seine Staatsschulden innerhalb kürzester Zeit komplett tilgen. Ähnliches stünde künftig damit auch Ländern wie Griechenland, Italien und Spanien offen.