10 Mythen über E-Autos

Früher wurden sie als Ökoschleudern belächelt, heute sind sie vielerorts schon ein gewohnter Anblick im Straßenbild – Elektroautos. Auch wenn die mobile Revolution langsam an Fahrt aufnimmt, so ist in der Bevölkerung noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten. Und das insbesondere bei eingefleischten Verbrennerfahrern.

10 Mythen über E-Autos
Quelle: istockphoto.com/FooTToo
Nicht ganz unschuldig an der Skepsis, die der Elektromobilität entgegenschlägt, sind zweifellos einige hartnäckige E-Auto-Mythen, die wir hier näher beleuchten wollen.

1. Elektroautos sind nur etwas für Reiche

Tatsächlich sind viele Elektroautos auf den ersten Blick in der Anschaffung teurer als heutige Verbrenner. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit, denn im Unterhalt sind Elektrofahrzeuge über ihre gesamte Nutzungsdauer hinweg deutlich günstiger als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Dies liegt unter anderem daran, dass ein Elektroantrieb mit sehr wenigen beweglichen Teilen auskommt, die durch die Nutzung verschleißen. Rußpartikelfilter, Ölfilter, kaputte Kolbenringe, verschlissene Getriebe – mit all diesen Dingen hat ein E-Auto-Fahrer nichts zu tun.
Auch die Bremsbeläge müssen weniger oft gewechselt werden, da der Elektromotor dazu in der Lage ist zu rekuperieren und so nicht nur zu bremsen, sondern auch Energie zurück zu gewinnen. Hinzu kommen Steuervergünstigungen, günstigere Versicherungsprämien sowie geringere Verbrauchskosten. Viele E-Auto-Modelle sind heute sogar für unter 20.000 Euro erhältlich und spielen damit in einer Riege mit klassischen Verbrennern. Künftig wird die Kostensenkung bei der Batterieproduktion zudem dafür sorgen, dass die Preise weiter zurückgehen werden. Alleine in den vergangenen Jahren sind die Akkumulatoren bereits um 80 Prozent günstiger geworden.

2. Der Betrieb bei Regen und Nässe ist gefährlich

Strom und Wasser sind keine gute Kombination, das wissen wir schon seit dem Kindergarten. Aber ist es dann nicht gefährlich, mit einem Elektrofahrzeug durch Pfützen zu fahren oder im strömenden Regen Strom zu tanken? Dieser Mythos hält sich tatsächlich hartnäckig, ist aber völlig unbegründet. Widmen wir uns zunächst dem Fahren bei Nässe. Anders als Verbrennungsmotoren sind Elektromotoren sehr einfach gebaut und bestehen aus nur wenigen Teilen, die in einem vergleichsweise kleinen Gehäuse Platz haben.
Die Motoreinheit ist dementsprechend sicher konstruiert und so installiert, dass selbst Spritzwasser und tiefe Pfützen unproblematisch sind. Überraschenderweise ist gerade bei Verbrennungsmotoren Vorsicht angebracht. Wer nämlich durch zu tiefe Pfützen fährt, der riskiert, dass der Motor statt Luft Wasser ansaugt, das im Brennraum für Schäden sorgen kann. Aber zurück zum „Strom tanken“. Auch das ist selbst im strömenden Regen völlig unproblematisch, da der Strom zwischen Ladesäule und Akku erst dann fließt, wenn der Steckkontakt vollständig hergestellt ist.

3. Elektroautos fangen schnell Feuer und explodieren

Natürlich ist es in den Medien immer eine Nachricht wert, wenn ein E-Golf, ein Renault Zoe oder ein Tesla irgendwo auf der Autobahn brennt. Die Akkus moderner Fahrzeuge sind jedoch in korrosionsbeständigen Metallgehäusen untergebracht und crashsicher installiert. Ein Blick auf die Statistik zeigt sogar, dass Verbrenner im objektiven Vergleich auf Basis der zurückgelegten Kilometer deutlich häufiger brennen. Während auf eine Milliarde gefahrener Kilometern mit Elektroautos gerade einmal zwei Brände kommen, sind es bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ganze 90 Brände. Im Schnitt brennen damit allein auf Deutschlands Straßen 40-45 Verbrenner pro Tag. Eine Zahl also, die wohl keine Nachricht mehr wert ist.

4. Das Aufladen dauert viel zu lange

Das Laden ist bei vielen Modellen tatsächlich ein Problem, denn bis der Akku am Hausnetz oder an einer Ladesäule mit geringer Stromstärke geladen ist, können sechs bis acht Stunden vergehen. Allerdings wächst auch das Schnellladenetz hierzulande mit großer Geschwindigkeit. Elektrofahrzeuge der neuen Generation können so oftmals schon in 30-60 Minuten aufgeladen werden. Allerdings ist die Ladezeit für den weit überwiegenden Teil der Autofahrer auch gar kein Problem.
Das Elektrofahrzeug kann schließlich während der Standzeit nach Feierabend oder beim Arbeitgeber aufgeladen werden, ohne dass dies den Fahrer beeinträchtigt. Und selbst wenn auf einer Langstreckenfahrt zwischendurch aufgeladen werden muss, dauert dies an Schnellladestationen lediglich 30 Minuten. Und das auch nur dann, wenn das Auto komplett vollgeladen wird. Selbst das ist eigentlich eine hervorragende Gelegenheit, um in der Zwischenzeit einen Kaffee trinken zu gehen.

5. E-Autos haben eine zu geringe Reichweite

Wo wir schon einmal beim Thema Reichweite sind. Den Elektroautos wird immer wieder vorgeworfen, dass diese nicht für Langstrecken ausgelegt sind, ohne aufzutanken. Und tatsächlich reicht die Akkukapazität der meisten aktuell auf dem Markt befindlichen Modelle nur für etwa 150 bis 400 Kilometer. Nur hochpreisige Modelle liefern Reichweiten jenseits der 500 Kilometer, was sich mit dem Stand der Batterietechnik in Zukunft allerdings ändern wird.
Unabhängig davon ist das Reichweitenargument für die meisten Autofahrer völlig irrelevant. Laut Kraftfahrtbundesamt bewegt sich der durchschnittliche Pkw in Deutschland pro Tag lediglich 50 Kilometer weit. Auch Tagesstrecken von über 100 Kilometern sind vergleichsweise selten. Durch die Tatsache, dass ein E-Auto während der Standzeit zuhause oder beim Arbeitgeber aufgeladen werden kann, ist das Reichweitenargument entkräftet, da jedes E-Auto diese Strecken problemlos zurücklegt.

6. Elektroautos sind nur etwas für den Stadtverkehr

Der E-Mobilität hängt aus den Anfangstagen immer noch das Image des knuffigen Stadtflitzers an, der weder für den Wocheneinkauf, einen Familienausflug oder den Fahrspaß auf der Autobahn taugt. Das ist allerdings schon lange nicht mehr der Fall. Ebenso wie es Stadtflitzer mit Verbrennungsmotor gibt, gibt es aktuell auch SUVs, Limousinen und sogar Sportwagen mit Elektroantrieb, die in weniger als fünf Sekunden Tempo 100 erreichen. Darüber hinaus sorgt in der Sportwelt aktuell auch die Rennserie Formel E für Aufmerksamkeit.

7. Der CO2-Ausstoß ist höher als bei Verbrennern

Um eine objektive Bewertung des Schadstoffausstoßes vornehmen zu können, müssen die Emissionen von der „Quelle“ bis zum „Rad“ betrachtet werden. Die sogenannte „Well-to-Wheel“-Methode kommt zu dem eindeutigen Schluss, dass der Energieaufwand für die Batterieproduktion zwar sehr hoch ist, die Gesamtemissionen aber deutlich niedriger liegen. Neben dem CO2-Ausstoß des Brennstoffs kommen auch Emissionen durch den Transport des Sprits auf Tankschiffen und in Lastwagen hinzu.
Selbst ein Elektroauto, das mit konventionellem Strom betrieben wird, steht unter dem Strich in der Schadstoffbilanz langfristig deutlich besser da als jeder Verbrenner. Nochmals deutlich niedriger fällt der CO2-Ausstoß aus, wenn das Fahrzeug mit Ökostrom geladen wird. Zudem können die Akkus nach ihrem Fahrzeugleben für viele Jahre als Haus-Akkus verwendet werden, bevor man sie endgültig umweltfreundlich recycelt.

8. Elektrofahrzeuge sind hässlich

Dass umweltfreundliche Dinge hässlich sind, ist eine Feststellung, die wohl viele Menschen an den aus den 1970er-Jahren bekannten Jute-Ponchos und anderer Kleidung aus Sackleinen festmachen. In Bezug auf die E-Mobilität ist der Mythos aber durchaus fundiert, auch wenn Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt. Immerhin waren und sind viele Prototypen von E-Fahrzeugen renommierter Autohersteller durch ihre futuristischen Designs nicht wirklich massenkompatibel, um es objektiv auszudrücken.
Da diese groß angekündigten Modelle das mediale Bild in der breiten Öffentlichkeit geprägt haben, ist die Annahme zumindest nachvollziehbar. Allerdings haben die meisten Hersteller neben exklusiven Designs mittlerweile auch elektrische Varianten ihrer Standardmodelle im Programm. Dementsprechend ist für jeden vom Kleinwagen über den SUV bis hin zur Limousine etwas dabei.

9. E-Autos sind eine Gefahr für Menschen

Was die meisten Menschen wohl als sehr angenehm empfinden, sehen andere wiederum als Gefahr. Die Rede ist natürlich davon, dass E-Fahrzeuge ohne Motorendröhnen über die Straße gleiten. Dies gefährdet dem Mythos nach angeblich in großem Stil Kinder und Sehbehinderte. Nun, wer schon einmal mit hoher Geschwindigkeit mit einem Fahrrad gefahren ist, dem wird sicherlich aufgefallen sein, wie oft Passanten ohne zu schauen die Straße überqueren möchten, da sie kein Fahrzeug heranrauschen hören. Ein Fünkchen Wahrheit könnte an diesem Mythos also durchaus dran sein.
Dieses Problem ist den Konstrukteuren allerdings schon lange bewusst. Deshalb sind die meisten E-Autos bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h mit einem künstlichen Fahrgeräusch ausgestattet, das laut genug ist, um deutlich wahrgenommen zu werden. Ab 30 km/h sind die Abrollgeräusche der Reifen hingegen so laut, dass das Fahrgeräusch abgeschaltet wird. Dementsprechend sind E-Autos gut wahrnehmbar aber dennoch leise. Eine Umgewöhnung des Gehörs von unangenehm laut zu deutlich hörbar ist aber nicht zu leugnen.

10. Es gibt nicht genügend Ladesäulen für E-Autos

Nun, E-Mobilität funktioniert ein wenig anders als unsere aktuelle Verkehrsinfrastruktur. Ein Verbrenner „muss“ schließlich zur Tankstelle. Ein E-Auto kann hingegen bequem in der Hofeinfahrt oder auf dem Gelände des Arbeitgebers geladen werden, während das Fahrzeug ohnehin nicht genutzt wird. Wer beide Möglichkeiten nicht hat, ist auf das Ladesäulennetz angewiesen. Und dieses wächst Jahr für Jahr in großen Schritten. Bereits heute existieren hierzulande rund 10.000 Ladesäulen, die natürlich nicht ausreichen, um einen komplett elektrifizierten Verkehr zu versorgen. Aktuell werden aber auch bereits Straßenlaternen mit Ladepunkten ausgerüstet, um die E-Mobilität auch in der Masse zu fördern, ohne die Kosten zu stark ansteigen zu lassen.

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