2038 wird das letzte Kohlekraftwerk abgeschaltet – Wie es dazu kam und was es bedeutet

Dass die Kohle ein energetisches Auslaufmodell ist, ist schon seit Jahrzehnten klar. Nun gibt es für den Ausstieg aus der Kohle in Deutschland ein klares Datum. Nach monatelangen Verhandlungen hat die Kohlekommission jetzt eine Entscheidung getroffen.

2038 wird das letzte Kohlekraftwerk abgeschaltet – Wie es dazu kam und was es bedeutet
Quelle: adobe.stock.com/MACLEG
Der 336-seitige Abschlussbericht empfiehlt für das Jahr 2038 die Abschaltung des letzten deutschen Kohlekraftwerks. Was genau bedeutet das? Wie soll die Umsetzung aussehen? Und welche Folgen wird dies haben?

Wie kam es zum Kohleausstieg?

Kohlekraftwerke sind noch immer ein elementarer Bestandteil der Energieversorgung. Und das aus gutem Grund. Die Energie aus Kohle ist nicht nur vergleichsweise günstig, sondern auch sicher. Und das gleich in zweifacher Hinsicht. Einerseits bestehen keine vergleichbaren Gefahren wie in der Kernkraft. Zweitens lässt sich Kohlestrom zuverlässig und unabhängig von Wind und Wetter erzeugen, was aktuell für die Versorgungssicherheit enorm wichtig ist.
Da Kohle trotz effizienter Verbrennung eine Menge CO2 in die Luft entlässt, ist der langfristige Ausstieg für den Klimaschutz notwendig. Schon im Jahr 1990 hat Deutschland beschlossen, seinen CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent zu senken. Da wir dem Plan trotz zahlreicher Maßnahmen hinterherhinken, soll die definitive Abschaltung der Kohlekraftwerke dies ändern. Deutschland ist nach dem Beschluss der Kohlekommission der erste große Industriestaat, der für den Kohleausstieg ein konkretes Datum nennt. Von aktuell 42,6 Gigawatt Stromerzeugung soll der Anteil der Kohle bis spätestens 2038 auf null sinken.

Schrittweiser Ausstieg aus der Kohle

Da noch keine abschließenden Zahlen für das Jahr 2018 vorliegen, basiert der Stufenplan des Kohleausstiegs auf den Zahlen von 2017. Demnach soll die Nettoleistung der Braun- und Steinkohle in drei Schritten bis auf 0,0 Gigawatt sinken. .


Quelle: Eigene Darstellung auf Datenbasis von orange.handelsblatt.com

Nach der Abschaltung wird die Kapazität der Kohlekraftwerke von nachhaltigen Wind-, Wasser-, Solar- und Gaskraftwerken übernommen. Immerhin fällt bis 2022 auch die Energieerzeugung durch die Kernenergie weg. Darüber hinaus soll bereits im Jahr 2032 geprüft werden, ob sich das Datum für den Kohleausstieg noch weiter vorziehen lässt. Im Gespräch ist dabei aktuell das Jahr 2035.
Vor allem Gaskraftwerke sollen nach dem Kohleausstieg wohl eine wichtige Rolle einnehmen, da sie sich nach Bedarf an- und abschalten lassen. So ist die Versorgungssicherheit auch dann gegeben, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Zudem lässt sich Ökostrom in Zeiten des Überschusses per Power-to-Gas-Verfahren in Ökogas umwandeln . Dieses wiederum ist über die Gaskraftwerke jederzeit rückverstrombar.

Welche Folgen hat der Kohleausstieg?

Der Kohleausstieg führt langfristig zu einigen positiven Effekten für die Umwelt. Neben der Reduktion des CO2-Ausstoßes führt insbesondere der Stopp des Braunkohletagebaus zur Schonung großer Landstriche. Höchstwahrscheinlich bleibt auch ein Großteil des Hambacher Forsts erhalten. Damit ist der Kohleausstieg prinzipiell eine gute Sache. Die Kehrseite der Medaille sind allerdings hohe Kosten.
Die Kohlekommission schätzt die Kosten für die tiefgreifende Umstrukturierung auf mindestens 40 Milliarden Euro. Dieses Geld fließt unter anderem in Infrastruktur-, Fortbildungs- und Kompensationsmaßnahmen in den betroffenen Regionen. Denn ganz ohne Spuren geht der Strukturwandel nicht an den Kohlerevieren in Mitteldeutschland, dem Rheinland und der Lausitz vorbei.
Experten wie der Wirtschaftswissenschaftler Bert Rürup gehen davon aus, dass bis zu 20.000 Arbeitsplätze in den kommenden 20 Jahren verlorengehen. Um dies abzufedern, hilft der Bund den Betroffenen unter anderem mit Umschulungsmaßnahmen und Ausgleichszahlungen für Gehalts- und Rentenlücken. Hinzu kommen Investitionen in neue Wirtschaftsbereiche sowie Entschädigungszahlungen an die geschädigten Kraftwerksbetreiber.

Wird der Strompreis steigen?

Da Kohlestrom vergleichsweise billig ist, wird der Strompreis auch in Zukunft vermutlich weiter steigen. Jedenfalls solange, bis der umfassende Strukturwandel in der Energiewirtschaft stattgefunden hat. Und das wird noch eine Weile dauern: Immerhin braucht es dazu noch eine ganze Menge an Wind-, Solar- und Wasserkraftwerken nebst Hochspannungsleitungen für den Stromtransport. Auch fehlt es aktuell noch an großflächig einsetzbaren Speichertechnologien, mit denen sich Ökostrom zuverlässig speichern lässt.
All diese Investitionen kosten viel Geld, das unter anderem in Form der EEG-Umlage und Netzentgelten auf den Strompreis aufgeschlagen wird. Mit einem nachhaltigen Sinken der Strompreise rechnen Experten erst ab ca. 2030. Bis dahin heißt es clever handeln und im Zweifelsfall zu einem günstigeren Stromanbieter wechseln. Auch die Investition in energieeffiziente Geräte und unsere Stromspartipps für die Küche und das Büro helfen Ihnen beim Stromsparen.

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