Achtung Lauschangriff – Hört Ihr Smartphone mit?

Kommt Ihnen die folgende Situation bekannt vor? An einem gemütlichen Abend im Freundeskreis plaudern Sie bei einer Flasche Wein angeregt über Ihren nächsten gemeinsamen Urlaub auf Kreta. Der Abend wird länger und die Anzahl der geleerten Weingläser größer. Am nächsten Morgen ist die Erinnerung an die Urlaubsplanung schließlich verblasst. Netterweise erscheint beim Browsen auf Ihrem Smartphone eine Anzeige für günstige Flüge nach Kreta.

Achtung Lauschangriff – Hört Ihr Smartphone mit?
Quelle: adobe.stock.com/Tomasz Zajda
Moment mal, Sie haben auf Ihrem Smartphone doch gar nicht über Kreta recherchiert. Wie kann das sein?

Agent 007 in der Hosentasche

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haben Sie eine solche Situation bereits erlebt. Ob es nun um den Urlaub oder den Kauf eines bestimmten Produkts ging, spielt keine Rolle. Fakt ist, Ihr Smartphone scheint Ihnen Werbung für Dinge anzuzeigen, von denen es nichts wissen kann. Aluhüte haben es schon immer gewusst: Das Smartphone überwacht Sie und hört mit, auch wenn es sich nur auf dem Tisch oder in der Hosentasche befindet. Alles nur eine Verschwörungstheorie? Nein, an der Sache ist tatsächlich etwas dran. Der Hintergrund ist allerdings deutlich weniger geheimnisvoll, als es uns so mancher Kassandrarufer weismachen möchte.

Das Smartphone hört unter Umständen mit

Smartphone Apps werden sowohl in der oberflächlichen Funktionalität für den Nutzer als auch im Backend immer komplexer. Entwicklern steht mittlerweile eine große Bibliothek an integrierbaren Bausteinen zur Verfügung. Darunter auch eine Software des Start-ups „Alphonso“. Und bei diesem Baustein handelt es sich um nicht anderes, als eine Software, die auf das Mikrofon zugreift.
Laut einem Bericht der New York Times und Aussagen des Entwicklers sei der Baustein derzeit in über 1.000 Apps integriert. Was der Baustein „Alphonso automated content recognition (ACR)“ des kalifornischen Unternehmens tut? Nun, das Modul zeichnet Hintergrundgeräusche auf. Und das selbst dann, wenn die App, in der der Baustein integriert ist, nur im Hintergrund läuft.

Was zeichnet ACR auf und was passiert mit den Daten?

Wer hinter ACR eine böswillige Kampagne der NSA vermutet, liegt falsch. Vielmehr ist das Modul ein neuer Ansatz, die Werbung noch genauer auf die Nutzerbedürfnisse zuzuschneiden. Laut Entwicklerangaben nutzt das Modul das Smartphone-Mikrofon, um Hintergrundgeräusche zu analysieren. So zum Beispiel, was gerade im Fernsehen läuft.
So soll es beispielsweise möglich sein, eine Verbindung zwischen im Fernsehen oder Kino geschalteten Werbespots und dem direkten Kaufverhalten der Nutzer mittels Smartphone herzustellen. Durch die Kombination mit anderen Daten – wie unter anderem dem Standort – ergeben sich so gänzlich neue Möglichkeiten. Für die Erkennung spezifischer Soundschnipsel arbeitet Alphonso mit den großen TV- und Filmstudios sowie mit dem Musik-Dienst Shazam zusammen.
Nach offiziellen Aussagen soll das Modul aber keine menschliche Sprache aufnehmen und deren Inhalt auswerten. Im Angesicht zahlreicher Berichte über die scheinbar telepathischen Fähigkeiten von Smartphones, unausgesprochene Wünsche zu erkennen, melden IT-Experten jedoch Zweifel an. Ein konkreter Nachweis wurde bis jetzt jedoch noch nicht erbracht.

Keine heimliche Spionage durch die Hintertür

Wer an dieser Stelle einen Skandal wittert und Böswilligkeit unterstellt, liegt abermals daneben. Denn weder das Unternehmen noch die App-Entwickler betroffener Applikationen machen einen Hehl aus der Verwendung von ACR. Der Knackpunkt ist wie so oft der User. Entwickler sind datenschutzrechtlich verpflichtet, die Verwendung solcher Module in der Beschreibung der App darzulegen und eine Erlaubnis einzuholen. Diese Erlaubnis geben User bei den meisten Apps gleich doppelt per „Double-Opt-in“-Verfahren.
Rechtlich bewegen sich Entwickler damit auf dem Boden der DSGVO und sind so auf der sicheren Seite. Immerhin gibt ein Nutzer beim Double-Opt-In-Verfahren gleich zweimal sein Einverständnis. Zum ersten Mal während der Installation und zum zweiten Mal kurz nach dem ersten Start der App. Wer sich die AGBs und Nutzungsbedingungen durchliest und bestätigt, weiß also Bescheid. Da die User das natürlich im Normalfall nicht tun, ist die Überraschung durch entsprechende Berichte, wie jenen von der New York Times, groß. Nun haben wir den Salat. Wie also sieht die Lösung aus?

So stoppen Sie den „Lauschangriff“

Den rechtstreuen App-Entwicklern können wir keine mangelnde Transparenz oder Böswilligkeit unterstellen. Diesen Schuh müssen wir uns schon selbst anziehen. Die Entwickler sind verpflichtet, Hinweise auf die Nutzung von „Alphonso“ und ähnlichen Modulen in der App-Beschreibung zu veröffentlichen. Nach Angaben des Start-ups soll die Software beispielsweise nicht in Apps verwendet werden, die sich überwiegend an Kinder richten. Stichproben zeigen jedoch, dass es vor allem Spieleentwickler oft nicht so genau nehmen.
Umso verwunderlicher ist dies, da die meisten Spiele anders als etwa Shazam überhaupt keinen Mikrofonzugriff benötigen. Mit ein paar Handgriffen können Sie den „Lauschangriff“ aber beenden, indem Sie der betreffenden App nachträglich die Erlaubnis entziehen. Alphonso selbst geht erfreulich offen mit der Thematik um und erklärt im Detail, welche Informationen man zu welchem Zweck erhebt. Zudem finden Sie auf der Entwicklerhomepage ebenfalls eine Anleitung, wie Sie den Zugriff auf das Mikrofon verhindern können.

Den Zugriff auf das Mikrofon verhindern

Das funktioniert ganz einfach: Gehen Sie dazu einfach in die Einstellungen Ihres Smartphones und rufen Sie den Reiter „Apps“ auf. Wählen Sie die gewünschte App aus und deaktivieren Sie unter „Berechtigungen“ den Punkt „Mikrofon“. Allgemein raten wir dennoch dazu, App-Beschreibungen im Vorfeld genau zu lesen und nicht jeden „Unsinn“ auf dem Smartphone zu installieren.

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