Aus welchen Ländern kommt unser Erdgas?

Auch wenn regenerative Energiequellen im Rahmen der Energiewende immer wichtiger werden, oder gerade deswegen, gewinnt Erdgas zunehmend an Bedeutung.

Aus welchen Ländern kommt unser Erdgas?
Bild: Marcel Wenk / stock.adobe.com
Alleine im Jahr 2017 verbrauchte die Bundesrepublik Deutschland rund 90 Milliarden Standardkubikmeter Erdgas. Eine Zahl, die bis 2020 wohl auf 95 Standardkubikmeter anwachsen wird. Gerade im Angesicht von Krisen in vielen Erzeugerländern und der damit vorherrschenden Unsicherheit lohnt sich ein Blick darauf, aus welchen Ländern wir eigentlich unser Erdgas beziehen.

Erdgas aus Deutschland

Laut aktuellen Statistiken der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e.V. (AEGB) stammen nur rund zehn Prozent des hierzulande benötigten Erdgases auch aus deutscher Förderung. Der Großteil wird dabei in Niedersachsen zutage gefördert. Ursächlich ist in erster Linie die Tatsache, dass die konventionellen Gaslagerstätten im Bundesgebiet bereits in den vergangenen Jahrzehnten ausgebeutet wurden und sich die weitere Förderung wirtschaftlich nicht mehr lohnt.
Zudem sind viele Lagerstätten so klein, dass sich die Förderung erst ab einem deutlich höheren Erdgaspreis rechnet. Hinzu kommt die Fracking-Problematik, denn das Verfahren ist aufgrund der starken Umwelteinflüsse sehr umstritten. Nichtsdestotrotz bestünde für den Fall schwerer internationaler Verwerfungen mit Hilfe dieser Förderungstechnik eine ausreichende Lagerstättenkapazität, um einen Teil der internationalen Lieferausfälle zu kompensieren.

Russland ist der wichtigste Gaslieferant

Als rohstoffreichstes Land der Erde nimmt Russland natürlich auch bei der Versorgung Deutschlands und Europas eine exponierte Rolle ein. Derzeit stammen knapp 40 Prozent des importierten Erdgases aus Russland. Das ist natürlich nicht unproblematisch, denn die dazu notwendigen Erdgaspipelines verlaufen unter anderem durch Krisengebiete in der Ukraine, was immer wieder zu Problemen bei der Durchleitung und zu potentiellen Unsicherheiten in Sachen Versorgungssicherheit führt.
Auch in Zukunft wird Russland weiterhin ein wichtiger Partner für die europäische und deutsche Energieversorgung bleiben. Dies bekräftigt unter anderem der Bau der Nord Stream Pipeline. Diese liefert Gas direkt aus Russland und umgeht dabei Länder wie die Ukraine, was für eine höhere Versorgungssicherheit sorgt.

Und wer deckt den Rest unseres Erdgasbedarfs?

Während Deutschland zehn Prozent seines Bedarfs also selbst deckt und gut 40 Prozent der Importe aus Russland stammen, stellt sich die Frage, woher der Rest kommt. Auch wenn der erste Gedanke dabei sicherlich in Richtung der Länder des Nahen Ostens geht, ist dieser Gedankengang falsch. Ganz im Gegenteil, denn gut 20 Prozent des Erdgases stammen direkt von unseren Nachbarn aus den Niederlanden. Dabei handelt es sich ebenso wie beim hierzulande geförderten Erdgas um sogenanntes L-Gas mit einem etwas geringeren Energiegehalt.
Allerdings wird sich der niederländische Anteil an der Erdgasversorgung künftig deutlich reduzieren, da auch die niederländischen Lagerstätten schwinden und dieses Gas für den heimischen Markt genutzt werden soll. Dementsprechend wird aktuell auch das vor allem im Westen der Republik vorhandene L-Gas-Netz Schritt für Schritt auf das energetisch höherwertige H-Gas umgestellt. Erdgas mit einem deutlich höheren Energiegehalt stammt sowohl aus Russland als auch Norwegen. Alleine die Lieferungen aus dem nordeuropäischen Land machen bereits 24 Prozent des gesamten Erdgasimports aus. Die verbleibende Importmenge von sechs Prozent teilt sich auf Länder wie Dänemark und Großbritannien auf.

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