Carsharing als Chance für die Elektromobilität?

Die langfristige Vorteilhaftigkeit der Elektromobilität liegt auf der Hand. Allerdings hat das Mobilitätskonzept der Zukunft noch einige Probleme, die gelöst werden müssen.

Photovoltaikanlage - Der Ökostromlieferant auf dem eigenen Dach
Bild: E.ON
Darunter etwa das Henne-Ei-Problem der Ladeinfrastruktur, die Organisation des Stadtverkehrs und die allgemeine Akzeptanz der Elektromobilität in weiten Teilen der Bevölkerung. Ausgerechnet das Carsharing, das bereits einen Teil des Stadtverkehrs umgekrempelt hat, könnte ein wichtiger Türöffner für die Elektromobilität sein.

Die Lösung für das Henne-Ei-Problem der Ladeinfrastruktur

Gerade in Großstädten und Ballungsgebieten könnte der Ausbau des Carsharing-Netzes der entscheidende Funke für die Elektromobilität sein. Carsharing wird in erster Linie für kurze Strecken von weniger als 50 Kilometern in Anspruch genommen. Diesen Anspruch können selbst günstige Elektrofahrzeuge mit kleinen Akkus hervorragend erfüllen.
All diese Elektrofahrzeuge benötigen natürlich auch eine entsprechende Ladeinfrastruktur, damit diese zwischen den Einsätzen wieder aufgeladen werden können. Während die öffentliche Hand nicht die finanziellen Mittel und auch nicht unbedingt den eigennützigen Antrieb für die Investition in ein flächendeckendes Ladenetz hat, ist das bei privaten Carsharing-Unternehmen wie DriveNow, car2go und Co. natürlich anders.
In Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand könnte hier beispielsweise ein Joint-Venture gestartet werden, im Rahmen dessen die Anbieter einen Zuschuss erhalten, wenn an jeder Ladesäule eine zusätzliche öffentliche Ladedose installiert wird. Denn: Je mehr Ladesäulen vorhanden sind, desto eher sind die Verbraucher dazu bereit, ein Elektroauto zu kaufen. Und je mehr Elektroautos auf der Straße sind, desto größer ist der Druck, dass Unternehmen und die öffentliche Hand in die Ladeinfrastruktur investieren. Auf diese Weise profitiert nicht nur die Ladeinfrastruktur in der Stadt, sondern auch auf dem Land.

Saubere Luft als Argument für E-Mobilität

In vielen deutschen Städten werden die Feinstaubgrenzwerte regelmäßig deutlich überschritten, was unter anderem die Ursache für die jüngsten Dieselfahrverbote ist. Auch in dieser Hinsicht ist das elektrische Carsharing ein möglicher Treiber für die E-Mobilität. Während Verbrennungsmotoren über Rußpartikel, CO2 und Katalysatorpartikel nämlich die Luftqualität in eng besiedelten Gebieten deutlich verschlechtern, stoßen Elektromotoren keinerlei Feinstäube aus. Der Ausbau des Carsharings auf elektronischer Basis ist also auch aus dieser Perspektive eine wirksame Sofortmaßnahme und durch den „Henne-Ei-Mechanismus“ ein Treiber für die allgemeine E-Mobilität.

Elektrisches Carsharing als großer Testballon

Einer der Hauptgründe, warum viele Menschen der Elektromobilität skeptisch gegenüberstehen, lässt sich etwas lapidar unter dem Volksmotto „was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht“ einordnen. Diese Schwelle gilt es zu überschreiten. In der Praxis stellt es sich überraschenderweise nämlich etwas anders dar. Die meisten Menschen, die einmal hinter dem Steuer eines hochwertigen Elektrofahrzeugs saßen, wollen den Wagen eigentlich nicht mehr eintauschen.
So sehr überzeugt neben der direkten Beschleunigung und dem flüsterleisen Fahrgeräusch auch die unkomplizierte Handhabung ganz ohne Kuppeln und Gangwechsel. Und wer hat nicht schon immer davon geträumt, sein Auto bequem im eigenen Carport zu laden, anstatt jedes Mal zur Tankstelle zu müssen? Leider hat nicht jeder die Möglichkeit, einmal unkompliziert eine Testrunde mit einem BMW i3, einem Nissan Leaf oder einem Tesla zu drehen oder die Fahrzeuge gar im Alltag zu testen.
Das Carsharing ist hier eine wunderbare Möglichkeit, wie sich Menschen für wenig Geld im Alltag mit dem Thema Elektromobilität bekannt machen können. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich viele Autofahrer von den Vorteilen überzeugen lassen. Sinkende Preise und eine sich stetig vergrößernde Modellpalette mit Marken aus Europa, China, Japan und den USA tun ihr Übriges dazu.