Der große Ländervergleich – Wer verbraucht am meisten Strom?

Der Fortschritt schreitet auf der gesamten Erde unverändert voran. Auch immer mehr abgelegene und arme Regionen erhalten Zugang zu Elektrizität und damit zu einem besseren Leben. Im Umkehrschluss führt dies jedoch auch dazu, dass der Stromverbrauch auf dem Globus zunimmt.

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Aktuell sind es rund 21 Billionen Kilowattstunden Strom, die jährlich verbraucht werden. Interessant ist hier natürlich die Frage, welches Land am meisten Strom verbraucht. Der Stromverbrauch ist aber nicht der einzige interessante Fakt. Viel spannender ist doch, aus welchen Quellen der Strom stammt und wofür er genutzt wird. Ein Blick hinter die Kulissen führt zu durchaus interessanten und bisweilen überraschenden Ergebnissen.

Der gefräßige „Rote Drache“ führt das Ranking an

Fangen wir mit den offensichtlichen Tatsachen an: China ist mit derzeit rund 1,4 Milliarden Einwohnern nicht nur das bevölkerungsreichste Land der Erde, sondern auch das Land mit dem höchsten Stromverbrauch weltweit. Allein im Jahr 2016 verbrauchte das Riesenreich 5,9 Billionen Kilowattstunden Strom, was in etwa 28 Prozent des globalen Strombedarfs entspricht. Ein Großteil entfällt dabei auf die boomende Industrie im Reich der Mitte, die dafür sorgt, dass sich in China eine immer größere Mittelschicht herausbildet. Allerdings stammt derzeit noch ein Großteil des erzeugten Stroms aus Kohlekraftwerken. Diese jedoch sollen nach der Zielsetzung der Klimakonferenz von Paris langfristig abgeschaltet werden, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Insgesamt liegt China mit 5,9 Billionen kWh in Sachen Gesamtstromverbrauch unangefochten auf Platz 1 vor Nationen wie: USA, Indien und Japan.

Stromverbrauch: die top 10 im Ländervergleich
      China (5,9 Bio. kWh)
      USA (3,9 Bio. kWh)
      Indien (1 Bio. kWh)
      Japan (933 Mrd. kWh)
      Russland (890 Mrd. kWh)
      Kanada (516 Mrd. kWh)
      Deutschland (514 Mrd. kWh)
      Brasilien (500 Mrd. kWh)
      Südkorea (497 Mrd. kWh)
      Frankreich (436 Mrd. kWh)
Diese Zahlen sind insofern kein Wunder, als dass es sich bei diesen Ländern um Staaten handelt, die sowohl über eine hohe Bevölkerungszahl als auch über eine starke Wirtschaft verfügen. Ein wenig anders fällt das Ranking jedoch aus, wenn wir den jährlichen Prokopfstromverbrauch betrachten.

Island – Ein Zwergstaat ganz groß

Nein, es sind weder die Chinesen, noch die US-Amerikaner und auch nicht die Deutschen, die pro Kopf am meisten Strom verbrauchen. Überraschenderweise sind es die Isländer. Insgesamt liegen die Wikinger mit rund 18 Mrd. kWh zwar nur auf Platz 73 zwischen Puerto Rico und Jordanien, in puncto Prokopfverbrauch schießen sie mit wahnsinnigen 52.921 kWh aber den Vogel ab. Zum Vergleich: In China sind es 4.292 kWh.
Die Ursache ist nicht etwa eine ausufernde Verschwendungssucht der Isländer, sondern die Ansiedlung der sehr energieintensiven Aluminiumindustrie. Aber warum siedelt man die Aluminiumindustrie auf einer Vulkaninsel mitten im Atlantik an? Ganz einfach, in Island lässt sich Energie besonders günstig durch Geothermie und Wasserkraft gewinnen. Und damit ist Island kein Problemfall in Sachen Stromverbrauch, sondern ein absolutes Vorbild, denn 100 Prozent des dort verbrauchten Stroms wird aus Wasserkraft und Erdwärme gewonnen. Ähnlich ist die Situation in Norwegen mit einem Prokopfverbrauch von immerhin noch 25.018 kWh pro Jahr.

Katar, Bahrain und VAE – Klimaanlagen für die Wüste

Bevölkerungstechnisch und wirtschaftlich ebenfalls eher zwergenhaft denn riesig präsentieren sich Staaten wie Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate. Mit einem Prokopfverbrauch von 15.784 kWh, 18.491 kWh und 18.213 kWh liegt der Stromhunger weit über dem europäischen Durchschnitt. Verantwortlich dafür sind in erster Linie die unzähligen Klimaanlagen, die in den Wüstenstaaten sowohl im Sommer als auch in den Wintermonaten auf Hochtouren laufen.
Hinzu kommen Skihallen in der Wüste und nicht zuletzt auch klimatisierte Fußballstadien für die anstehende Fußballweltmeisterschaft 2022. Aufgrund eines Mangels an Platz sowie der hervorragenden Verfügbarkeit von Öl setzt man dort derzeit noch vor allem auf Atomkraft und Ölkraftwerke. Nichtsdestotrotz sind vor allem in Dubai und Abu Dhabi derzeit zahlreiche Photovoltaikprojekte in Planung.

Kanada und die USA – Zwei unterschiedliche Brüder

Ja, auch in den USA und Kanada wird viel Strom verbraucht. Während es in den USA immerhin 11.973 kWh pro Kopf und Jahr sind, kommen die Kanadier auf ca. 14.501 kWh. In den USA fußt der hohe Energieverbrauch auf der dort tätigen Industrie, jedoch natürlich auch auf dem hohen Privatverbrauch durch die weit verbreiteten Klimaanlagen sowie zahlreiche relativ ineffiziente Großgeräte. In Sachen Energiemix präsentieren sich die USA vielseitig, denn während im Mittleren Westen vor allem Öl- und Kohlekraftwerke dominieren, sind es in Kalifornien und Nevada Solarenergie und Wasserkraft.
Etwas anders sieht es beim nördlichen Nachbarn in Kanada aus. Ähnlich wie in Island setzt das Land aufgrund des günstig verfügbaren Stroms aus regenerativen Quellen vor allem auf energieintensive Industrien. Aktuell schwindet auch der Anteil fossiler Brennstoff am Energiemix Kanadas zunehmend. Anstelle der primär für den Export vorgesehenen Öl- und Gasvorkommen, tritt zunehmend die Wasserkraft, die bereits für 60 Prozent der Stromproduktion verantwortlich ist.

Indien, Indonesien und Bangladesch – Riesen ganz klein

Im Angesicht von Bevölkerungszahlen im dreistelligen Millionen- bzw. im Fall von Indien sogar im Milliardenbereich, überrascht der vergleichsweise geringe Stromverbrauch der drei Bevölkerungsriesen. Insbesondere der Prokopfverbrauch gestaltet sich mit 817 kWh in Indien, 764 kWh in Indonesien sowie 310 kWh in Bangladesch sehr niedrig. Verantwortlich ist hier natürlich die Tatsache, dass große Teile der Bevölkerung noch gar nicht oder nur zeitweise an das Stromnetz angeschlossen sind. Ähnlich sieht es im Übrigen in weiten Teilen Afrikas aus, wo die erhobenen Verbrauchszahlen allerdings nicht unbedingt verlässlich sind. Es ist aber nicht verwunderlich, dass der Prokopfverbrauch in vielen afrikanischen Staaten wie Somalia, Ruanda oder dem Kongo deutlich unter 100 kWh pro Jahr liegt.

Und wo steht Deutschland?

Ja, was macht eigentlich Deutschland? Deutschland gehört als eine der weltweit führenden Industrienationen zu den größten Stromverbrauchern der Welt. In Sachen Prokopfverbrauch präsentiert sich das Land allerdings sehr moderat. Insbesondere zu den Spitzenverbrauchern ist bei jährlich ca. 7.140 kWh pro Kopf noch eine Menge Luft nach oben. Als besonders sparsam gelten im internationalen Vergleich im Übrigen die Privathaushalte, die nur einen Viertel des Gesamtverbrauchs verantworten.
Es zeigt sich also, dass energieeffiziente Geräte und moderne LED-Beleuchtung langsam ihre Wirkung entfalten. Besonders erfreulich ist an dieser Stelle auch, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix jährlich zunimmt. Schon im Jahr 2017 lag der Anteil regenerativer Energien am Bruttostromverbrauch bei 36,2 Prozent. Bis zum Jahr 2035 soll der Anteil laut Plänen der Bundesregierung sogar auf 55 bis 60 Prozent klettern.