Der Strommarkt der Zukunft – So sieht er aus!

Kein Markt hat sich in den letzten Jahren so sehr verändert wie der Strommarkt. Von knapp zwei Prozent regenerativen Energien ist der Anteil binnen nicht einmal 30 Jahren auf über 35 Prozent explodiert.

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Quelle: stock.adobe.com/mintra
Mittelfristig soll der Anteil noch deutlich weiter steigen, um das Fernziel einer komplett regenerativen Energieversorgung zu realisieren.
Doch eine solche Vision bringt auch tiefgreifende Veränderungen und Herausforderungen mit sich. Grund genug, einmal einen Blick auf den Strommarkt der Zukunft zu werfen. Immerhin müssen Faktoren wie die Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und eine kostengünstige Stromversorgung unter einem Hut Platz finden.

Aus der Zentralisierung in die Fläche

Früher war der Aufbau des Strommarkts vergleichsweise einfach. Einige wenige Großkraftwerke fungierten als zentrale Knotenpunkte der Energieversorgung. Diese mit nuklearen und fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftwerke lieferten den Strom über weite Distanzen zu den privaten und gewerblichen Verbrauchern.
Einige flexible Gaskraftwerke hatten dabei die Aufgabe, bei kurzfristigen Nachfragespitzen schnell in die Bresche zu springen. Mit dem Ausbau der Energiewende und der Kostensenkung für den Betrieb von Solar- und Windkraftanlagen ändert sich die Situation dramatisch. Vor allem der massive Ausbau der Windkraftanlagen großer Energieunternehmen hat bereits für einen massiven Anstieg der Stromerzeuger gesorgt.
Dabei hat sich aber nicht nur die Anzahl erhöht, sondern auch die Verteilung in der Fläche. Sowohl an den windreichen Küsten als auch auf hoher See und auf den Mittelgebirgsrücken finden sich mittlerweile Windparks. Gleiches gilt für die wachsende Anzahl an kleinen und großen Photovoltaikkraftwerken.

Private Haushalte werden zu Stromerzeugern

Auch die private Stromerzeugung nimmt in Zukunft einen immer höheren Stellenwert ein. Bereits jetzt sind auf deutschen Dächern weit über 800.000 Photovoltaikanlagen installiert. Vor allem im ländlichen Raum erfreuen sich auch sogenannte Kleinwindkraftanlagen (KWK) zunehmender Beliebtheit. Allerdings bieten nicht nur Ein- und Zweifamilienhäuser in Vorstädten und auf dem Land großes Potenzial für die Stromversorgung. Gerade in unseren Städten befinden sich Millionen Quadratmeter ungenutzter Dachflächen, auf denen sich Photovoltaikanlagen installieren lassen.
( Lesetipp: „ Photovoltaikanlage – Der Ökostromlieferant auf dem eigenen Dach“)
Mittlerweile existieren auch bereits Prototypen von transparenten Solarzellen. Damit ist es nicht unwahrscheinlich, dass in Zukunft auch Fenster und Häuserfronten als dezentrale Stromerzeuger fungieren. Der Trend ist deutlich: Im Strommarkt der Zukunft verlagert sich die Energieproduktion zunehmend in die Nähe der Verbraucher. Das verkürzt die Transportwege und eröffnet neuen Geschäftsmodellen wie beispielsweise dem Strom-Sharing den Weg.

Entwicklung des Anteils erneuerbarer Energien seit 2014

Allein seit 2014 hat sich bereits eine Menge auf dem Strommarkt getan. Dabei zeichnen sich einige klare Trends ab, die sich auf dem Strommarkt der Zukunft weiter verstärken werden. Neben der Abnahme der Braun- und Steinkohle sowie der Kernenergie betrifft dies vor allem die Bedeutung von Erdgas- bzw. allgemein Gaskraftwerken. Immerhin hat der Anteil von Erdgas von 9,7 Prozent (2014) auf 12,9 Prozent im Jahr 2018 zugelegt.

Abbildung 1: Quelle: Eigene Darstellung auf Datenbasis von „ BMWi“.

Hier kommt eine entscheidende Eigenschaft von Gaskraftwerken zum Tragen: Sie können binnen kürzester Zeit an- und abgeschaltet werden. Das wiederum ist bei Kohle- oder Nuklearkraftwerken nicht möglich. Damit werden Gaskraftwerke ein zentrales Element des Strommarkts von Morgen.

Gaskraftwerke werden elementarer Bestandteil des Strommarkts

Eines der größten Probleme der Energiewende ist nach wie vor die Unbeständigkeit von Sonne und Wind. Dementsprechend braucht der Strommarkt der Zukunft funktionierende Speichertechnologien und Backup-Kraftwerke. Gaskraftwerke sind in dieser Hinsicht aus mehreren Gründen ideal. Es geht vor allem um die Versorgungssicherheit, da ein Gaskraftwerk immer dann einspringen kann, wenn Solar- und Windstrom knapp werden. Schon aus der Schadstoffperspektive ist Erdgas im Vergleich zu Kohle der deutlich umweltfreundlichere und effizientere Brennstoff. Langfristig wäre damit Erdgas der einzige fossile Energieträger im Strommarkt.

Power-to-Gas als zentrale Speichertechnologie

Wesentlich interessanter ist aber, dass Gaskraftwerke natürlich nicht nur Erdgas verstromen können, sondern auch Bio- bzw. Ökogas. Dieses Gas lässt sich einerseits in Biogasanlagen erzeugen. Andererseits lässt sich auch überschüssiger Ökostrom per Power-to-Gas-Verfahren in Gasform speichern und später in Gaskraftwerken rückverstromen. Bio- bzw. Ökogas könnten im Strommarkt der Zukunft damit eine Lösung für die Speicherproblematik von Ökostrom sein.
( Lesetipp: „Power-to-Gas – Wie aus überschüssigem Ökostrom Gas wird“)
Immerhin ist diese Speicherform aktuell effizienter und günstiger als alle klassischen Akku-Technologien. Wird also künftig in einer windstillen und sonnenarmen Phase Strom benötigt, springen Gaskraftwerke in die Bresche und verbrennen das aus dem Ökostrom gewonnene Gas. Und das völlig CO2-neutral.

Dezentralisierung braucht intelligente Stromnetze

Die Verlagerung der Stromproduktion näher zu den Verbrauchern lässt sich durchaus als Demokratisierung des Strommarkts bezeichnen. Immerhin können so auch kleine Energieunternehmen und Privathaushalte im Markt mitmischen. Das wiederum schwächt durch den intensiven Preiswettbewerb das Oligopol der großen Stromkonzerne. Und dort, wo Wettbewerb herrscht, profitieren Verbraucher durch günstigere Preise, neue Geschäftsmodelle und Produktinnovationen.
Im Gegenzug wird der Strommarkt durch die steigende Anzahl an Verbrauchern aber auch komplexer. Somit müssen unsere Stromnetze intelligenter werden, sodass Erzeuger- und Verbraucherkomponenten dynamisch miteinander kommunizieren. Nur so lassen sich Bedarf und Produktion gezielt aufeinander abstimmen. Ein erster Schritt in diese Richtung ist die flächendeckende Einführung intelligenter Stromzähler. Mehr zum Thema intelligente Stromnetze und intelligente Stromzähler erfahren Sie in unserem Artikel: „ Smart Meter – Wie intelligente Stromzähler beim Stromsparen helfen“.

Angebot und Nachfrage entscheiden über den Preis

Eine ganz praktische Entwicklung auf dem Strommarkt der Zukunft ist dabei die Preisbildung nach Angebot und Nachfrage. Steht etwa viel Strom zur Verfügung, sinkt der Preis. Verbraucher, die zu diesen Zeiten Strom abnehmen, sparen dementsprechend Geld. Im Gegenzug wiederum steigt der Strompreis bei einem Nachfrageüberhang. Zudem nimmt der Stellenwert des europäischen Stromhandels zu. Somit wächst der ohnehin bereits vernetzte europäische Strommarkt noch weiter zusammen.
Damit die Transformation des Strommarkts gelingt, müssen wir jedoch alle unseren Teil beitragen. Sei es nun durch eigene Ideen für neue technologische Lösungen oder den Einsatz für einen effizienteren Umgang mit unserem Strom. Dass letzteres auch ohne unnötigen Verzicht und Wohlstandsverlust geht, zeigen unsere zahlreichen „ Magazin-Beiträge zum Thema Strom sparen.“

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