Vor- und Nachteile von E-Scooter

Haben Sie sich in den vergangenen Monaten auch häufiger darüber gewundert, dass erwachsene Menschen scheinbar den Tretroller wiederentdecken? Vor allem in unseren Städten flitzen überall Menschen in einem Affenzahn mit Tretrollern durch die Gegend. Die Rede ist natürlich von E-Scootern, die mittlerweile auch die Bundesregierung beschäftigen.

E-Scooter
Quelle: stock.adobe.com/Andriy
Nach der Entscheidung des Bundesrats für die Straßenzulassung der City-Flitzer können wir davon ausgehen, dass die Zahl der E-Scooter im Straßenbild weiter zunimmt. Dabei stellen sich natürlich einige Fragen. Welche Vorteile bieten E-Scooter? Leisten sie wirklich einen wertvollen Beitrag zur Elektromobilität? Und wie ist es überhaupt um die Sicherheit bestellt? Wir haben die Antworten.

1. Was sind E-Scooter überhaupt?

E-Scooter erinnern stark an die klassischen Tretroller aus Kindertagen, mit denen der eine oder andere zur Grundschule gefahren ist. Mit den einfachen Tretrollern haben E-Scooter aber nicht mehr viel gemeinsam. Am Lenker befinden sich Knöpfe zum Gas geben und Bremsen, vorne ist ein Licht eingebaut und rundherum befinden sich Reflektorflächen.
Betrieben wird der E-Scooter mittels Elektromotor, der die Hauptarbeit für den „Fahrzeugführer“ übernimmt – ja, streng genommen ist der E-Scooter ein Fahrzeug. Ein bis zwei Antritte mit dem Fuß und schon greift der Motor ein. Je nach Modell liegt die Maximalgeschwindigkeit zwischen 6 und bis zu 20 km/h. Während Modelle, die maximal 12 km/h schaffen, ab 12 Jahren freigegeben sind, bleiben schnellere E-Scooter über 14-Jährigen vorbehalten.

2. Wozu sollen E-Scooter gut sein?

E-Scooter sind ein Teil der sogenannten Micro-Mobility. Dabei handelt es sich um ein Mobilitätskonzept für kürzeste Strecken innerhalb von Städten. Hintergrund ist die Entlastung der Straße, indem Menschen beispielsweise statt dem Auto für kurze Strecken den E-Scooter nehmen. Vor allem aber soll der E-Scooter das Transportgefährt für die letzte Meile sein. Also etwa für den Weg von der Haustür bis zur U-Bahn-Station oder von der Bushaltestelle bis zum Arbeitsplatz. Auf kurzen Entfernungen sollen sie zudem die öffentlichen Verkehrsmittel entlasten. Unter dem Strich ergeben sich aus der Nutzung auf dem Papier einige Vorteile:

  • Einsparung von CO2-Emissionen in Innenstädten
  • Entlastung der Straßen und des ÖPNV
  • Verringerung der Parkraumproblematik
  • Senkung der Feinstaubbelastung in Innenstädten
  • Zeitersparnis gegenüber dem zu Fuß gehen

3. E-Scooter – Die flexible Mobilitätslösung

Dank ihrer geringen Größe und des geringen Gewichts sind E-Scooter kompakt. Dementsprechend können Sie einen E-Scooter leicht mit im Bus oder der Bahn transportieren, um danach den Rest des Weges zurückzulegen. Manko: Wer will das teure Gefährt schon unbeaufsichtigt im ÖPNV stehen lassen oder dort alternativ auf einen Sitzplatz verzichten?
Ferner können Sie die kleinen Flitzer aber auch problemlos in den Kofferraum Ihres Autos packen, um von dort aus die letzte Meile anzutreten. Auch das Aufladen des Akkus am Arbeitsplatz ist kein Problem. Sofern das Gerät dann auch noch mit Ökostrom herumflitzt, gibt es auch in dieser Hinsicht nichts zu meckern.

4. Bloß keinen Schritt zu viel – Fragwürdiges Mobilitätskonzept

Eines ist Fakt: Wir Zivilisationsmenschen bewegen uns in unserem Alltag bereits jetzt viel zu wenig. Die Folgen sind bekannt: Herz-Kreislauf-Beschwerden, Übergewicht, Diabetes und daraus resultierende Folgeerkrankungen sowie eine niedrige körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Vor diesem Hintergrund dürfen wir doch ernsthaft die Frage stellen, ob wir auch noch das letzte bisschen Bewegung aus unserem Alltag verbannen sollten.
Der Fußmarsch zur U-Bahn ist für so manchen Städter immerhin die einzige nennenswerte Strecke, die er am Tag zu Fuß zurücklegt. Und einmal ganz ehrlich, 10 bis 15 Minuten für ein wenig Bewegung zu opfern, sollten drin sein. Ein Gefährt für die absolute Kurzstrecke ist vor diesem Hintergrund weder clever noch nachhaltig. Das gilt sowohl im Hinblick auf die Gesundheit als auch bezüglich der für Produktion und Betrieb notwendigen Ressourcen.
Wir dürfen also durchaus am Sinn der E-Scooter zweifeln. Immerhin bezeichnen selbst die Hersteller ihre E-Scooter als nicht für längere Strecken geeignet. Hier gibt es deutlich bessere Alternativen. Sei es nun das gute alte Fahrrad, das E-Bike, der E-Roller, der ÖPNV oder auf langen Strecken ein sparsames Auto.

5. E-Scooter machen Spaß – Aber nur bei schönem Wetter

Wer schon einmal eine Runde mit einem E-Scooter gedreht hat, der weiß, wie viel Laune die kleinen Flitzer machen. Und das ist ein riesiger Pluspunkt. Wie Fahrräder haben aber auch E-Scooter einen entscheidenden Nachteil: Ist das Wetter schlecht, macht das Fahren nicht mehr unbedingt Spaß. Bei Regen wird es nicht nur von oben nass. Durch die Nähe zum Asphalt spritzt auch hier deutlich mehr Wasser auf Schuhe und Hose. Einmal ganz davon abgesehen, dass die E-Scooter-Reifen bei rutschigen Bedingungen nicht mit Fahrradreifen mithalten können. Dementsprechend hoch ist das Sturzrisiko auf nassem, schmierigem Untergrund.

6. Quirlig aber nicht ganz ungefährlich

Das direkte Ansprechverhalten, ein guter „Antritt“ und eine agile Lenkung machen den E-Scooter zu einem extrem quirligen Gefährt. Mit einem solchen Gerät kommen Sie leicht durch Engpässe und schlängeln sich zwischen langsamen Radfahrern, Fußgängern und im Stau stehenden Autos hindurch. Diese Quirligkeit verlangt jedoch eine Menge fahrerisches Können und Aufmerksamkeit von Fahrern und Passanten. Mit bis zu 20 km/h auf einem motorbetriebenen Gerät Slalom in der Innenstadt zu fahren, birgt schon eine enorme Unfallgefahr in sich. Zahlen aus Frankreich belegen diese Tatsache. Bei unseren Nachbarn sind die Scooter schon etwas länger en vogue.
Allein im Jahr 2017 wurden dort aber bereits 284 Menschen bei Unfällen mit E-Scootern verletzt. Fünf Menschen kamen sogar ums Leben. Weitere Sicherheitsprobleme ergeben sich etwa daraus, dass die Lampe sehr weit unten angebracht ist. Auch die Reflektorflächen sind bei vielen Modellen schlecht zu sehen. Das erhöht die Unfallgefahr insbesondere in der Dunkelheit, zumal die E-Scooter nach einem Beschluss des Bundesrats künftig eine Straßenzulassung bekommen sollen.

7. Straßenzulassung hat Vor- und Nachteile

Durch die Zulassung der E-Scooter auf der Straße entschärft sich ein wenig die Unfallproblematik auf Gehwegen. Im Gegenzug verlagert sich das Gefahrenpotenzial jedoch auf die Straße. Anders als etwa E-Bikes, mit denen selbst ungeübte Radler leicht mit 25 km/h oder schneller fahren können, sind E-Scooter mit maximal 20 km/h echte Verkehrshindernisse. Unfälle mit schweren Verletzungen sind hier vorprogrammiert. Auf Straßen und Radstreifen sind E-Scooter aufgrund der geringen Geschwindigkeit aber nicht nur Hindernisse für den motorisierten Verkehr, sondern auch für die meisten Radfahrer. Immerhin fahren nur die wenigsten E-Scooter überhaupt 20 km/h.

8.Versicherung dringend anzuraten – Privathaftpflicht reicht nicht

Als sogenanntes Kleinstfahrzeug ist ein E-Scooter nicht über Ihre private Haftpflichtversicherung abgedeckt. Das bedeutet, bauen Sie schuldhaft einen Unfall, kommen Sie in unbegrenzter Höhe persönlich für alle Schäden auf. Hintergrund ist, dass es sich anders als bei einem E-Bike um ein rein motorbetriebenes Fahrzeug mit mehr als 6 km/h Geschwindigkeit handelt.
Die sogenannte Benzinklausel schließt solche Fahrzeuge kategorisch aus dem Schutzmantel der privaten Haftpflichtversicherung aus. Einige Versicherungen bieten bereits entsprechende Haftpflichttarife für E-Scooter an. Ob es wie bei Kraftfahrzeugen eine wirkliche Pflicht zum Abschluss einer Haftpflichtversicherung geben wird, steht bisher noch nicht fest.

9. Fazit – Eher überbewerteter Hype als echte E-Alternative

Aus eigener Erfahrung können wir sagen, dass das Herumcruisen mit dem E-Scooter einen Heidenspaß macht. Auf Geh- und Radwegen sowie auf der Straße selbst ist das Gefahrenpotenzial für E-Scooter-Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer ehrlicherweise jedoch sehr hoch.
Auch der Sinn, für einen oder eineinhalb Kilometer unbedingt ein elektrisches Fahrzeug nutzen zu müssen, ist doch arg beschränkt. Zu Fuß gehen, Fahrrad fahren oder ein analoger Roller sind hier doch deutlich nachhaltiger – auch für die Gesundheit. Unter dem Strich ist der E-Scooter damit eher ein Spaßgefährt als eine ernsthafte Transportalternative. In welche Kategorie der E-Scooter für Sie fällt, können Sie anhand unserer aufgeführten Vor- und Nachteile aber selbst bewerten.

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