Faltbare Smartphones in Sicht – Funktionsweise und Vorteile von Samsung Fold und Co.

Schon zu Beginn der 2000er-Jahre lagen Klapphandys voll im Trend. Kaum jemand, der nicht mit einer geschickten Daumenbewegung sein Telefon aufklappte und munter drauf losschnatterte. Heute, kaum 15 Jahre später, erlebt der Trend zum „Falten“ eine Wiedergeburt. Technik-Nerds wissen freilich schon lange um die Bemühungen diverser Hersteller, faltbare Smartphones zu entwickeln.

Faltbares Smartphone
Quelle: adobe.stock.com/Oleksandr
In der Öffentlichkeit angekommen ist das Thema aber erst mit Samsungs letzter Keynote, im Rahmen derer die Galaxy S10-Serie vorgestellt wurde. Was also können Smartphones wie das Samsung Galaxy Fold? Wie funktioniert die Technik hinter den Faltdisplays? Und welche Modelle sind bereits in der Pipeline? Wir haben die Antworten.

1. Faltbares Smartphone – Was soll das bringen?

Wenn sich in den letzten Jahren eines gezeigt hat, dann, dass Smartphone-Displays immer größer werden. Hatte Apples iPhone bis zum Jahr 2011 fast mickrige 3,5 Zoll, sind heute 5 bis 5,5 Zoll bereits der Standard. Auch an größeren Displays mit 6 und 6,5 Zoll, die bereits an der Grenze zum Phablet sind, mangelt es nicht. Und im Angesicht immer größerer Displays verlieren Smartphones ihre wichtigste Eigenschaft – die Kompaktheit. Da aber niemand auf die Vorteile von großen scharfen Displays verzichten möchte, sind andere Lösungen gefragt.
Faltbare Smartphones sind also eine folgerichtige Entwicklung. Auf diese Weise ließe sich immerhin auch ein Telefon mit einem 8 oder 8,5 Zoll großen Display vergleichsweise kompakt zusammenfalten. Auf der Gegenseite entstehen durch das Falten neue Display-Formate, die bei gleicher Bildschirmdiagonale deutlich mehr Fläche bieten. So erinnert das 4,3:3-Format von Samsungs Galaxy Fold enorm an das alte PC- und TV-Bildschirm-Format 4:3. Die Älteren unter Ihnen erinnern sich mit Sicherheit noch daran.

2. Großes Potential für Falt-Displays

Ein so großes Display bietet dabei einen erweiterten Funktionsumfang, der das Smartphone im Handumdrehen zum Tablet macht. Möglich sind so vor allem Multi-Screen-Anwendungen, bei denen innerhalb einer App mehrere Funktionen gleichzeitig nutzbar sind. So etwa das Aufrufen einer Karte bei Google-Maps und die gleichzeitige Informationssuche zum Zielort. Auch die parallele Nutzung mehrerer Apps birgt ähnliches Potential wie die Nutzung mehrere Bildschirme am Computer.
Immerhin belegen Studien bereits seit Jahren, dass mehrere parallel genutzte Bildschirme die Produktivität um bis zu 35 Prozent erhöhen. Interessant ist dies vor allem für alle, die das Smartphone unterwegs beruflich nutzen. Gleichzeitig eine Skype-Konferenz abhalten und parallel die Daten eines Excel-Sheets abfragen oder E-Mails lesen – kein Problem. Auch im Privaten erweist sich die Multi-Screen-Funktion als nützlich. Einfach einen Link zur neuesten Staffel der Lieblings-Netflix-Serie per Drag-and-Drop in den Messenger ziehen, statt aufwendiges Copy & Paste.

3. So funktioniert die Technik

Rein technisch betrachtet stehen wir in Sachen faltbarer Displays und damit auch faltbarer Smartphones noch am Anfang. Die ersten Geräte der Gerätegeneration zeigen daher unterschiedlichste Lösungen für das gleiche Problem auf. Einige Hersteller nutzen altbewährte Technik und kombinieren zwei separate Displays über ein Klappscharnier. Wird das Display aufgefaltet, sorgt die Software dafür, dass das Bild von einem Display auf das zweite erweitert wird.

Eben genau so, wie es aktuell auch beim Anschluss mehrerer Monitore an Ihren Computer funktioniert. Das Problem ist eine meist deutlich sichtbare Kante zwischen beiden Bildschirmen, die bei der Nutzung stört. Andere Hersteller hingegen setzen auf ein einziges flexibles Display aus Kunststoff, das in der Mitte tatsächlich nach innen oder außen gefaltet wird. Dank winziger Bauteile ist das Falten des Innenlebens hier möglich. Insbesondere bei dieser Variante ergibt sich aber ein zentrales Problem.

4. Faltbare Smartphones bringen Probleme mit sich

Nehmen Sie einmal ein Blatt Papier oder einen Draht zur Hand und falten bzw. knicken Sie diesen Gegenstand ein paar Mal in der Mitte. Was passiert? Richtig, der Draht bricht nach einer Weile und das Blatt weißt eine deutliche Faltmarke auf. Letztere ist umso deutlicher, desto geringer der Faltradius wird. Und vor genau diesen Problemen stehen auch die Smartphone-Hersteller.
Ein Beispiel: Wie wir bereits in unserem Artikel zur explodierenden Bildschirmzeit berichtet haben, greifen wir täglich durchschnittlich 30 Mal zum Smartphone. Das wären bei einem Falt-Smartphone 30 Faltvorgänge pro Tag. In einem Jahr kämen so bereits 10.950 Faltungen und Entfaltungen zusammen. Das ist selbst für Hightech-Materialien eine enorme Belastung und hinterlässt im Displays irgendwann Spuren in Form deutlicher Faltmarken. Auch die verbauten Drähte könnten irgendwann brechen.

5. Samsung ist sich des Problems bewusst

Die Südkoreaner von Samsung scheinen für dieses Problem noch keine Lösung gefunden zu haben. Immerhin zeigte sich beim Ausstellungsstück des Galaxy Fold auf dem Mobile World Congress (MWC) 2019 bereits ein deutlicher Knick in der Mitte. Pragmatisch wie Samsung ist, erwägt das Unternehmen bis zur Lösung des Problems einen kostenfreien Display-Austausch für Käufer des Galaxy Fold. Dieser soll laut Informationen von Bloomberg nach 10.000 Faltvorgängen möglich sein.
Ein weiteres Problem, das sich derzeit noch aus den faltbaren Displays ergibt, ist die hohe Anfälligkeit für Kratzer. Schließlich kommt noch flexibler Kunststoff, statt Glas zum Einsatz. Der Kabel- und Glashersteller Corning arbeitet derzeit aktuell allerdings an einem zugleich biegsamen, kratzfesten und widerstandsfähigen Displayglas. Dabei soll es sich um eine Kombination aus Gorilla Glas und Willow Glas handeln.

6. Diese Modelle stehen bereits in den Startlöchern

Samsung ist nicht der einzige Hersteller, der bereits Falt-Smartphones präsentiert hat. Vorreiter auf diesem Gebiet war ZTE mit seinem Axon M, das mit zwei getrennten Full HD-Displays daherkommt. Größter Samsung-Konkurrent ist aktuell aber das chinesische Unternehmen Huawei mit seinem Mate X. Hier lässt sich das 8-Zoll-Display nach außen umknicken.
Das größte Angebot stellt derzeit der Hersteller TLC in Aussicht, der mit der patentierten DragonHinge-AMOLED-Technik gleich fünf Faltkonzepte etablieren will. Genauere Angaben zu den Telefonen, die wohl 2020 erscheinen sollen, gibt es jedoch nicht. Gerüchten zufolge könnten die Geräte unter dem Label „BlackBerry“ erscheinen.
Auch Samsung plant wohl bereits zwei weitere Faltmodelle. Unter dem Strich dürfen wir uns also auf eine spannende Zeit einstellen. Bis zur Massenmarkttauglichkeit wird es allerdings noch eine Weile dauern. Mit rund 2.000 Euro (Samsung Galaxy Fold) und ca. 2.300 Euro (Huawei Mate X) sind die beiden vielversprechendsten Kandidaten der ersten Generation jedenfalls noch ziemlich kostspielig.

7. Und was macht eigentlich Apple?

Übrigens: Apple hat sich bisher noch gar nicht zum Thema Falthandy geäußert. Eine kürzlich auf einem Aktionärstreffen getätigte Äußerung von Apple-Chef Tim Cook lässt allerdings aufhorchen. „Unsere neuen Produkte werden euch umhauen“, sagte Cook vieldeutig. Ob damit bereits gerüchteweise bekannte Neuerungen im Bereich von MacBook, AirPods und Co. gemeint sind oder mehr dahinter steckt, bleibt offen. Womöglich stellt Apple auch in Kürze ein faltbares iPhone vor oder verzichtet ganz auf den Trend.

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