Fernsehen schauen bei Gewitter: Ist das gefährlich?

Draußen blitzt und kracht es. So manchem schießen dabei einige Dinge durch den Kopf, die dort seit der Kindheit verankert sind.

Fernsehen schauen bei Gewitter: Ist das gefährlich?
Bild: aapsky / stock.adobe.com
Neben dem Ratschlag der Eltern, sich niemals unter einem Baum unterzustellen, betrifft dies natürlich auch den absoluten Klassiker: Fernsehen schauen bei Gewitter. Ist das Ganze denn nun wirklich gefährlich oder kann man sich trotz Gewitter ganz entspannt die Zeit mit seiner Lieblingsserie vertreiben?

„Ein eingeschalteter Fernseher zieht den Blitz an!“

Diese Aussage klingt so manchem noch nach Jahrzehnten in den Ohren. Allerdings werden Aussagen dadurch, dass sie ständig wiederholt und von Generation zu Generation übertragen werden, noch lange nicht wahr. Dass also ein eingeschalteter Fernseher den Blitz magisch anzieht, ist schlicht falsch und gehört in das Reich der Mythen. Nichtsdestotrotz muss man dem Erfinder dieses Mythos im Nachhinein gratulieren, denn zugegebenermaßen gibt es bis heute kein wirkungsvolleres Instrument, um den Nachwuchs zumindest während eines Sommergewitters von der Mattscheibe loszueisen.

Schäden durch direkten Blitzschlag

Ein eingeschaltetes Fernsehgerät zieht zwar ebenso wenig den Blitz an wie ein laufender Kühlschrank oder die Umwälzpumpe der Heiztherme, ganz gefahrlos ist das Fernsehen bei Gewitter allerdings nicht. Das gilt vor allem für alte Röhren-TV-Geräte. Schlägt der Blitz direkt in ein Haus bzw. in das betreffende Röhrengerät ein, kann dieses durch die extreme Überspannung explodieren und die Bewohner des Hauses im schlimmsten Fall verletzen. Moderne LED-Flachbildschirme sind von diesem Phänomen allerdings nicht betroffen. Nichtsdestotrotz ist das TV-Gerät dennoch irreparabel zerstört. Das ist bei einem direkten Blitztreffer allerdings das geringste Problem, da auch Steckdosen und Stromleitungen im ganzen Haus schwer beschädigt werden können.

Überspannungsschäden gefährden die Hauselektronik

Viel häufiger als direkte Blitzeinschläge sind jedoch sogenannte Überspannungsschäden. Dabei reicht es aus, wenn der Blitz einige Kilometer weit entfernt einschlägt, da sich die elektrische Ladung über Strom-, Wasser- und Telefonleitungen über bis zu drei Kilometer bis zum eigenen Haus ausbreiten kann. Erreichen diese elektromagnetischen Felder Elektrogeräte, steigt die Gefahr dafür, dass diese schwer beschädigt werden. Das gilt auch für ausgeschaltete TV-Geräte sowie für andere Geräte wie Computer und Router.

Schutz vor Überspannungs- und Blitzschlagschäden

Kommt es zu einer solchen Überspannungsentladung, ohne dass spezielle Sicherungsmaßnahmen vorgenommen wurden, sind Schäden unvermeidbar. Schutz ist nur durch entsprechende Sicherungsmaßnahmen im Sicherungskasten gewährleistet. Im Fall der Fälle wenden die Sicherungen den Schaden ab. Allerdings kann eine solche Sicherheitsschaltung auch nicht alle Schäden abwenden, schließlich sind viele Geräte nicht nur über das Stromnetz mit der Außenwelt verbunden. Gerade Smart-TVs verfügen neben einem Kabel- bzw. Antennenanschluss auch über einen Internetanschluss via Ethernet-Kabel. Damit bestehen weitere Einfallstore für Überspannungsschäden. Der wirksamste Schutz bei Gewitter ist also tatsächlich, alle Stecker zu ziehen. Selbst Überspannungsschutzstecker bieten nur begrenzten Schutz, da sie zwar gegen Überspannungsschäden schützen, einem Blitzeinschlag aber nichts entgegenzusetzen haben.

Serien schauen trotz Gewitter

Das bedeutet aber noch lange nicht, dass bei Gewitter die große Langeweile einkehren muss, denn gefährlich ist das Fernsehen bei Gewitter heute nur noch für den Fernseher selbst. Schließlich sind wir gar nicht mehr so sehr auf den Fernseher angewiesen wie früher. Dank Mobilgeräten wie Smartphones, Tablets und Notebooks sowie mobilen Internetverbindungen können wir unsere Lieblingsserien auch ohne kabelgebundene Verbindung zur Außenwelt genießen. Immerhin solange der Akku durchhält, was aber bei einem durchschnittlichen Sommergewitter kein Problem sein sollte.