Fliegen Flugzeuge bald elektrisch?

Elektrofahrzeuge gehören vielerorts bereits zum Alltag und erfreuen sich dank sinkender Preise und schicker Designs immer größerer Beliebtheit. Damit leisten die Elektromotoren einen wertvollen Teil zu einer ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Gesellschaft.

Fliegen Flugzeuge bald elektrisch?
Bild: Thomas Söllner / stock.adobe.com
Hinter den Kulissen beschäftigen sich die großen Technologieunternehmen allerdings schon mit dem nächsten Coup, der Konstruktion von Elektroflugzeugen. Aber wie realistisch ist dieses Szenario? Wo liegen die Vorteile? Und wann ist es so weit?

Funktioniert das überhaupt?

Kritiker führen immer wieder das Argument ins Feld, dass elektrisch betriebene Flugzeuge nicht realisierbar seien. Entweder wegen zu geringer Leistung, zu schwerer Batterien oder zu langer Ladezeiten. Das ist allerdings ein Trugschluss, denn was mit Modellflugzeugen schon seit Jahrzehnten funktioniert, funktioniert auch bei großen Maschinen. Unternehmen wie Siemens und Airbus haben bereits hervorragend funktionierende Maschinen wie die „Extra 300LE“ im Programm. Die gut 1.000 Kilogramm schwere Propellermaschine wird derzeit als Schul- und Kunstflugmaschine eingesetzt, und stellte erst kürzlich mit einer Geschwindigkeit von 337,5 km/h einen Geschwindigkeitsrekord in ihrer Klasse auf.

Norwegen will Elektroflugzeuge

Im vergangenen Jahr hat Norwegen mit der Ankündigung Schlagzeilen gemacht, bis 2025 alle Verbrennungsmotoren von den Straßen des Landes zu verbannen. Nun dehnt Norwegen seine ambitionierten Pläne auch auf die Luftfahrt aus. Im Detail sollen bis zum Jahr 2040 alle inländischen Kurzstreckenflüge rein elektrisch erfolgen. Aktuell plant Norwegen eine Ausschreibung für die Beschaffung von Kurzstreckenelektroflugzeugen mit 12 bis 40 Sitzplätzen. Anhand des Landes mit seinen zahlreichen kleinen Flughäfen zeigen sich die Vorteile, die kleine Elektroflugzeuge auch im Kurzstreckenverkehr in Deutschland haben können.
Denn ähnlich wie E-Autos beschleunigen auch E-Flugzeuge schneller und benötigen dadurch eine kürzere Startbahn. Überträgt man dieses Konzept auf Deutschland, könnte dies dazu führen, dass die vielen kleinen Flugplätze von beinahe reinen Sportflughäfen zu wichtigen Puzzleteilen im Kurzstreckenverkehr von 500 bis 800 km werden. Das wiederum würde die Straßen massiv entlasten und darüber hinaus Energie und CO2 einsparen. Und deutlich leiser als die Turbinen herkömmlicher Maschinen sind elektrisch betriebene Flugzeuge ohnehin.

Hybridflugzeuge sind bereits in der Pipeline

Neben rein elektrischen Flugzeugen entwickeln die Flugzeugbauer Airbus und Boeing auch Modelle mit Hybridantrieb, die vor allem Kurz- und Mittelstrecken bedienen sollen. Ein besonders vielversprechendes Projekt läuft unter dem Namen „E-Fan X“. Dabei handelt es sich um ein Antriebskonzept, das aus drei herkömmlichen Turbinen, einem von Siemens entwickelten 2 Megawatt Elektromotor sowie einer im Rumpf integrierten Rolls-Royce Gasturbine besteht.
Letztere soll den Strom für den Elektromotor erzeugen, der in einer Batterie an Bord zwischengespeichert und schließlich für den Antrieb verwendet wird. Im Jahr 2020 soll der erste Prototyp mit seinen 90 bis 100 Sitzplätzen erstmals abheben. Ein weiteres Modellprojekt läuft unter dem Namen „E-Thrust“, dessen Hybridantrieb die sechs Propeller der 90 Passagiere fassenden Maschine antreibt. Serienreife sollen die Modelle nach Angaben der beteiligten Unternehmen Boeing und JetBlue Airways bis spätestens 2030 erreichen.

Kleinere Zubringerflugzeuge mit Elektro-Hybridmotor aus dem Hause Airbus sind hingegen schon für das Jahr 2022 angekündigt. Auch wenn bis zur vollständig elektrifizierten Luftfahrt noch ein weiter Weg zu gehen ist, sind E-Flugzeuge alles andere als unrealistisch. In nicht einmal 20 Jahren wird also höchstwahrscheinlich bereits ein großer Teil aller Kurz- und Mittelstreckenflüge von voll elektrisch oder hybrid-elektrisch betrieben Flugzeugen durchgeführt werden.

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