Tipps und Tricks: Wie kann ich nachhaltig leben?

Das Konzept der Nachhaltigkeit verkommt in letzter Zeit leider immer mehr zum ideologischen Kampfbegriff. Durch die inflationäre und häufig falsche Verwendung geht dabei der eigentliche Sinn verloren. Nachhaltig bedeutet nämlich keinesfalls Askese und Verzicht nach dem Motto: „Wir schlafen wieder mit der Hängematte im Wald und verzichten auf zivilisatorische Errungenschaften.“

Leider gehen viele Tipps und Tricks für ein angeblich „nachhaltiges“ Leben aber genau in diese Richtung. Vielmehr geht es bei der Nachhaltigkeit um ein langfristig orientiertes und verantwortungsbewusstes Handeln. Ein Handeln, das auf Kompromissen, Kompensationen und smarten Lösungen basiert und damit möglichst viele Win-win-Situationen für uns Menschen und die Umwelt generiert. Die folgenden Tipps basieren auf dieser Philosophie und sind der Beweis, dass nachhaltiges Leben auch ohne unnötigen Verzicht möglich ist.

Es gibt (fast) immer eine smarte und nachhaltige Alternative

Reflexartige Verbote zu fordern oder in einen Askese-Modus zu verfallen, scheint zunächst einfach. Es ist aber keine zufriedenstellende und damit auch keine nachhaltige Lösung. Immerhin gehören auch unsere Lebensqualität und die langfristige ökonomische Tragbarkeit zu einer optimalen und damit nachhaltigen Lösung. Die folgenden Tipps funktionieren daher nach einem einfachen Muster: Wenn es auf lange Sicht eine vernünftige Alternative bzw. generell eine Alternative gibt, durch die langfristig niemand einen Nachteil hat, dann sollten wir diesen Weg beschreiten.
Ganz nebenbei bemerkt: So oft, wie wir in den letzten Zeilen das Wort langfristig erwähnt haben, wird eines klar: Das langfristige Denken ist der Schlüssel zur Nachhaltigkeit. Das gilt sowohl hinsichtlich der Ökologie als auch im Bereich der Ökonomie. Es handelt sich also keinesfalls um zwei entgegengesetzte Bereiche, die sich unversöhnlich gegenüberstehen.

1. Verschwende keine Ressourcen

Das ist die Regel Nummer eins für ein nachhaltiges Leben. An dieser Stelle ist aber nicht der allgemeine Konsumverzicht gemeint. Vielmehr geht es darum, den Verbrauch von Ressourcen zu vermeiden, wo durch den Verbrauch kein Mehrwert entsteht. Ob wir nun das Wasser beim Zähneputzen minutenlang laufen lassen, unsere Wohnung im Winter auf 25 Grad Celsius aufheizen, um dort mit Shorts und Schlappen herumzulaufen, oder im gesamten Haus die Festbeleuchtung brennen lassen.
Das sind nur einige Beispiele für schlechte Angewohnheiten, die keinen Nutzen stiften, sondern ausschließlich Ressourcen verschwenden. Wenn wir nur an dieser Stellschraube drehen, wäre unserem Planeten bereits viel geholfen. Und natürlich auch unseren Geldbeuteln.

2. Steige auf LED-Leuchtmittel um

Die Beleuchtung gehört zu den großen Stromverbrauchern im Haushalt. Wer hier konsequent auf LED-Leuchtmittel umsteigt, spart eine Menge Strom und schont damit Ressourcen. Selbst gegenüber der Verwendung von klassischen Energiesparlampen reduziert sich der Stromverbrauch leicht um zwei Drittel. Hinzu kommt die deutlich längere Lebensdauer von bis zu 50.000 Stunden. Letzteres entspricht etwa 2.083 Tagen bzw. 5,7 Jahren im 24/7 Dauerbetrieb.
Dank dem niedrigeren Energieverbrauch und der längeren Lebensdauer rechnet sich der Aufpreis für die Anschaffung schon innerhalb von einem Jahr. Und wer dann durch eine fachgerechte Entsorgung noch das Recycling der Materialien erleichtert, kann das Licht ruhigen Gewissens auch einmal eine Stunde länger brennen lassen.

3. Lass das Auto auf kurzen Strecken stehen

Zahlreiche Menschen nehmen selbst für kürzeste Strecken das Auto. Kurzstreckenfahrten verbrauchen aber nicht nur unnötig Sprit und erhöhen den Verschleiß. Sie verstopfen die Straßen auch für die Menschen, die wirklich auf ihr Auto angewiesen sind. Das Ergebnis: Zeitverlust, Stress und Staus.
Insbesondere Letztere verursachen in Innenstädten durch das Fahren in ungünstigen Bereichen des Motorkennfelds einen hohen Schadstoffausstoß und Spritverbrauch. Darüber hinaus verringern solche Kurzstreckenfahrten das ohnehin bereits geringe Bewegungspensum von uns Zivilisationsmenschen. Immerhin ist Bewegungsmangel einer der Risikofaktoren für Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkbeschwerden und Diabetes.
Letztlich sind Fahrten von wenigen Kilometern, die aufgrund des Wetters oder dem Lastentransport nicht unbedingt notwendig sind, überflüssig. Wenn nur jeder Zweite Strecken von bis zu zehn Kilometern zumindest teilweise zu Fuß oder per Fahrrad zurücklegen würde, hätte das bereits einen enormen Effekt. Und zwar auf den Schadstoffausstoß, auf unsere Geldbeutel, auf unsere Gesundheit und damit letzten Endes auch auf die Wirtschaft. Eine Win-win-win-win-Situation also.

4. Lassen Sie Plastiktüten links liegen

Plastikverpackungen, die keinen tieferen Sinn für die Produktqualität erfüllen, sind nichts weiter als Ressourcenverschwendung. Für die Produktion von Wegwerfprodukten Energie und wertvolles Öl zu verschwenden, ist einfach Wahnsinn. Umso besser, dass viele Geschäfte Plastiktüten nach und nach verbannen. Ein mitgebrachter Leinenbeutel, ein großer Rucksack oder eine geräumige Tragetasche aus recycelten PET-Flaschen ist hier die deutlich nachhaltigere Alternative. Die Transportbehältnisse erfüllen den gleichen Zweck, halten mitunter Jahre und sind dennoch günstig.

5. Vermeiden Sie Plastik, wo es eine sinnvolle Alternative gibt

Es gibt Bereiche, in denen sind klassische Kunststoffe aufgrund ihrer einzigartigen Materialeigenschaften (noch) unersetzlich. In vielen anderen Bereichen gibt es jedoch Alternativen aus nachhaltigeren Materialien. Diese erfüllen dabei nicht nur den gleichen Zweck, sondern bewegen sich meist auch noch in einem ähnlichen Preisrahmen. So etwa Trinkbecher, Teller und Strohalme aus Bambus oder Cellulose-Fasern. Alternativ verzichten Sie ganz auf diese Wegwerfprodukte und setzen auf Mehrwegartikel. Der Apell des Plastikverzichts geht aber auch an unsere Unternehmen.
Wer hat eigentlich gesagt, dass wir Kunden beim Bäcker unsere Teilchen in großen durchsichtigen Kunststoffboxen kaufen möchten? Früher hat es die klassische Bäckertüte doch auch getan. Oder warum müssen Produkte, die bereits in einer Umverpackung aus luftdichter Folie stecken wie eine Matroschka nochmals in Folie verpackt werden? Diese Müllberge sind schlicht unnötig – selbst wenn es sich um organische Kunststoffe handelt.

6. Setzen Sie auf nachhaltige Kaffeekapseln

Natürlich ist das Aufbrühen von Filterkaffee die günstigste und nachhaltigste Form des Kaffeegenusses. Das gilt aber nur, wenn das Heißgetränk schnell geleert wird. Wenn nur wenig Kaffee getrunken oder der Konsum über einen langen Zeitraum verteilt wird, ist das nicht mehr der Fall. Wer möchte schon kalten oder sauren Filterkaffee trinken? So landet das nachhaltige Gebräu schnell im Ausguss und es wird eine neue Maschine angestellt. Das Resultat: Wasser-, Energie- und Kaffeeverschwendung.
Hier spielen Kapselmaschinen ihre Vorteile aus. Wenn Kapseln, dann aber bitte nachhaltige. Kapseln aus Aluminium sind ein No-Go. Sie halten das Aroma zwar am längsten, sind jedoch nicht nachhaltig. Ein Haufen Energieaufwand für die Verarbeitung von Aluminium, das an anderer Stelle besser aufgehoben ist, ist ein schlechter Tausch gegen eine potenziell längere Haltbarkeit. Kunststoffkapseln sind in energetischer Sicht zwar besser, produzieren aber immer noch Müllberge. Ideal sind Kaffeekapseln aus Papier. Diese gibt es mittlerweile für nahezu jedes Kapselsystem.

7. Weniger ist mehr

In vielen Teilen der Welt produziert man große Mengen Biokraftstoffe aus Mais und anderen energiereichen Nahrungspflanzen. Das ist auch logisch, zumal sich diese Pflanzen am besten zur Gewinnung von Bioethanol eignen. Damit ist ein Großteil des Biokraftstoffs aber alles andere als nachhaltig, denn Nahrungspflanzen gehören auf den Teller und nicht in den Tank.
Zudem werden so Ackerflächen blockiert und in den Tropen sogar Regenwälder gerodet. Unsere Aufgabe ist es also, die Biokraftstoffproduktion auf ein nachhaltiges Fundament zu stellen. Hierzu müssen wir die Verfahren verbessern, um Biokraftstoffe aus Abfällen und Cellulose zu gewinnen.

8. Achten Sie auf Langlebigkeit

Was bei Nahrungsmittel gilt, gilt auch für Elektrogeräte. Ein hochwertigeres Gerät kostet vielleicht mehr in der Anschaffung. Durch eine längere Lebensdauer, eine höhere Zukunftssicherheit, mehr Leistung und einen geringeren Energieverbrauch ist das aber die langfristig nachhaltigere Investition. Das gilt vor allem im Bereich von Medien und Unterhaltungselektronik. Muss es denn wirklich alle drei Jahre ein neuer Fernseher sein, auf dem das ohnehin flache TV-Programm noch schärfer zu sehen ist?
Oder reicht es nicht aus, einmal in ein zukunftssicheres Gerät zu investieren und dieses für sechs, sieben oder acht Jahre zu nutzen? Ähnlich ist es bei der jährlichen Jagd nach den neuesten Smartphones. So groß sind die technischen Quantensprünge innerhalb kürzester Zeit ohnehin nicht. Alles, was Sie durch dieses kurzfristige Denken erreichen, ist eine Menge Elektroschrott und ein Loch im Geldbeutel.

Wie kann ich Ihnen helfen?×

lifestrom ChatBot starten