Haben wir unsere Erdöl-Ressourcen bereits verbraucht?

Erdöl hält die Welt seit nunmehr einem guten Jahrhundert am Laufen. Der Verbrauch steigt, denn auch in den aufstrebenden Nationen Asiens haben die Menschen ein Recht darauf, in Wohlstand zu leben. Erdöl ist überall, ganz gleich, ob im Transportsektor, bei der Energiegewinnung oder im Rahmen der Kunststoffherstellung.

Haben wir unsere Erdöl-Ressourcen bereits verbraucht?
Quelle: adobe.stock.com/Ded Pixto
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage danach, ob wir Peak Oil bereits erreicht haben, fast automatisch. Die Frage ist aber nicht so monokausal beantwortbar, wie es einst der Club of Rome mit seinen Horrorvisionen getan hat. Vielmehr bedarf es einem objektiven Blick auf das Gesamtbild. Also, haben wir Peak Oil bereits erreicht? Und wie lange reichen die Ölreserven noch?

Der Status quo im Erdöl-Zeitalter

Am besten beginnen wir mit dem aktuellen Status quo, nämlich der Förderung und dem Verbrauch von Erdöl. Hier zeigt sich, dass der Verbrauch in den vergangenen Dekaden deutlich zugelegt hat. Allein der Spitzenreiter USA verbrauchte im Jahr 2016 863,1 Millionen Tonnen Erdöl. Das entspricht immerhin 19,5 Prozent der globalen Förderung. Top-10 Länder nach ihrem Erdölverbrauch
Gleich dahinter folgen mit China und Indien zwei asiatische Riesen, deren Erdölhunger in den kommenden Jahren noch massiv wachsen wird. Auch Deutschland befindet sich mit 113 Millionen Tonnen immerhin noch in den Top-10. Insgesamt summiert sich der Weltverbrauch damit auf rund 4,4 Milliarden Tonnen auf. Eine Zahl, die wir uns merken sollten.

Erdölreserven sind dynamisch

Ginge es nach den Aussagen des Club of Rome aus den 1970er-Jahren, hätten wir bereits seit Jahren kein Erdöl mehr. Wie aber kann es sein, dass wir immer noch Öl haben? Und das, obwohl der Verbrauch jährlich steigt? Genau genommen haben sich unsere Ölreserven zwischen den betreffenden Aussagen in den 1970ern und heute sogar vervielfacht. Während die Reserven z.B. im Jahr 1940 noch sechs Milliarden Tonnen betrugen, erhöhten sie sich seitdem kontinuierlich: Auf 88 Mrd. Tonnen (1988), 140 Mrd. Tonnen (2000), 219 Mrd. Tonnen (2013) und ca. 241 Mrd. Tonnen (2017). Damit reichen die jetzigen Ölreserven in Bezug auf den aktuellen Weltverbrauch noch mindestens 50 Jahre. Aber auch das ist nur eine Momentaufnahme.

Der Unterschied zwischen Reserven und Ressourcen

Der Fehler von Katastrophenpropheten liegt darin, die Erdölreserven als statisch zu betrachten. Denn, wie groß die Reserven tatsächlich sind, hängt von einigen Faktoren ab. Darunter etwa die Entdeckung von Erdölvorkommen, wie dies zuletzt häufig in China, Kasachstan und Teilen des Südatlantiks geschehen ist. Hinzu kommt der Stand der Fördertechnik, die Art des Vorkommens und der Ölpreis, der eine wirtschaftliche Förderung ermöglicht. Geologen unterscheiden an dieser Stelle zwischen Reserven und Ressourcen.

  • Reserve:

  • Als Reserve bezeichnet man die Erdölmenge, die bereits entdeckt und mit heutiger Technologie wirtschaftlich gewinnbar ist.

  • Ressource:

  • Unter Ressourcen fasst man die Erdölmengen zusammen, die geologisch möglich oder bereits nachgewiesen sind. Im Gegensatz zu den „Reserven“ lassen sich diese Vorkommen mit aktueller Technik noch gar nicht oder zumindest nicht wirtschaftlich fördern.

Technik macht Ressourcen zu Reserven

Die Neuentdeckung von Lagerstätten erhöht das Ressourcenpotential stetig. Für den Hauptteil der Dynamik sorgen jedoch der technologische Fortschritt und der Ölpreis. Durch die Entwicklung neuer Fördertechnologien, z.B. in tieferen Gewässern, werden ehemals nicht verwertbare Vorkommen förderbar. Damit wandeln sich die ungleich größeren Erdölressourcen unseres Planeten in Erdölreserven. Allerdings funktioniert das Prinzip auch umgekehrt.
Fällt beispielsweise der Erdölpreis massiv, ist die Förderung von Erdöl z.B. in der Tiefsee oder aus Ölsänden zu teuer. Damit sind diese Reserven nicht mehr wirtschaftlich förderbar und fallen in den Bereich der Ressourcen zurück. Mit steigendem Ölpreis steigen auch die Ölreserven. Immerhin steckt ein großer Teil der bekannten Erdölressourcen in sogenannten „unkonventionellen Vorkommen“ wie Ölsänden, Ölschiefer und Tiefseeerdöl.

Wie groß sind die Ressourcen?

Das vermutete Ölvorkommen auf der Erde setzt sich aus den Reserven und den Ressourcen zusammen. Aktuell betragen die bereits bekannten bzw. geologisch möglichen und zukünftig gewinnbaren Ressourcen ca. 447,9 Mrd. Tonnen. Nach derzeitigem Stand beläuft sich das gesamte Erdölvorkommen demnach auf ca. 689 Mrd. Tonnen. Das wiederum entspricht bei einem aktuellen Jahresverbrauch von 4,4 Mrd. Tonnen einer potentiellen Reichweite von ca. 156 Jahren. In Anbetracht der Tatsache, dass sich die Technologie weiterhin entwickelt und wahrscheinlich neue Vorkommen entdeckt werden, ist die Ölversorgung gesichert.
Top 15 Länder Erdölressourcen

Aktuell verfügen die USA mit 117.768 Millionen Tonnen über die größten Ressourcen. Darauf folgt Kanada mit 57.117 Millionen Tonnen. Saudi-Arabien, das mit aktuell 36.600 Millionen Tonnen die derzeit zweitgrößte Reserve hat, ist mit 11.800 Millionen Tonnen hingegen weit abgeschlagen. Selbst Deutschland verfügt immerhin über 240 Millionen Tonnen an Erdölressourcen.

Das Erdölzeitalter geht nicht zu Ende, weil es kein Erdöl mehr gibt…

Dass die Steinzeit vor ein paar Jahrtausenden zu ende gegangen ist, liegt nicht daran, dass es keine Steine mehr gab. Es lag vielmehr daran, dass die Menschen etwas Besseres gefunden haben. Ähnlich wird es sich auch mit dem Erdöl verhalten. Und das hat gleich mehrere Gründe, wobei der Umweltaspekt nur einer unter vielen ist. Auch wenn uns das Öl gerade in Anbetracht der technologischen Entwicklung nicht ausgehen wird, wird der Verbrauch langfristig massiv sinken. Warum?
Weil wir bereits fieberhaft an Alternativen forschen, die umweltfreundlicher, nachhaltiger und bei entsprechender Verbreitung auch günstiger sind. Ganz gleich, ob Bio-Plastik, Algenkraftstoff oder regenerative Energien. All diese Optionen sind Erdöl und Erdölprodukten langfristig überlegen. Das wiederum hat zur Folge, dass sich die sogenannte Reichweite massiv erhöhen wird. Peak Oil haben wir mit Sicherheit also noch nicht erreicht. Wann genau das sein wird hängt aber von unseren persönlichen Entscheidungen und dem Wachstum der Weltbevölkerung ab.

Erdöl intelligent nutzen

Es sollte unser Ziel sein, Erdöl überall dort zu ersetzen, wo es besser geeignete Stoffe als Alternativen gibt. Im Gegenzug kann Erdöl damit die Versorgung mit Gütern sichern, die sich aktuell ohne Erdöl gar nicht herstellen lassen. Gerade im Bereich der Chemie, der Nanotechnologie und der Pharmazie ist Erdöl unverzichtbar. So manches Medikament gäbe es ohne das schwarze Gold gar nicht. Öl rettet demnach bereits jetzt Millionen Leben.
Und wer weiß, was wir mit einer Ressource wie Erdöl in 50, 100 oder gar 500 Jahren alles anstellen können? Gerade aus diesem Grund sollten wir es nicht unsinnigerweise einfach in Verbrennungsmotoren verfeuern, sondern sorgsam damit umgehen. In vielen Bereichen sind die Alternativen bereits da. Also sollten wir handeln.

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