Haushaltsstrom versus Wärmestrom – Strom ist nicht gleich Strom

Ja, der Strom, der aus unseren Steckdosen kommt, ist überall der gleiche. Und dennoch unterscheiden Stromversorger zwischen Haushaltsstrom und Wärmestrom bzw. Heizstrom.

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Bild: Narong Jongsirikul / stock.adobe.com
Wo aber genau liegt der Unterschied? Wofür wird Wärmestrom benötigt? Wo liegen die Vorteile? Und wie wird der Wärmestrom in der Praxis abgerechnet? Wir haben die Antworten auf die häufigsten Fragen.

Was ist Wärmestrom?

Haushaltsstrom kennen wir alle. Dabei handelt es sich um den Strom, der aus unseren Steckdosen fließt und mit dem wir Küchengeräte, Fernseher, Computer und Lampen betreiben. Heizstrom bzw. Wärmestrom hingegen ist Strom, der einzig und allein dazu eingesetzt wird, um Wärme zu erzeugen. Dieser Strom, der zum Heizen der Wohnräume herangezogen wird, findet also überall dort Verwendung, wo Elektroheizsysteme wie Nachtspeicherheizungen, Teilspeicherheizungen aber auch modernere Fußbodenheizungen verbaut sind. Auch Haushalte, die für die Wärmegewinnung auf eine Wärmepumpe setzen, werden zu diesem Zweck in der Regel mit Wärmestrom versorgt.

Welche Vorteile hat Heizstrom gegenüber normalem Haushaltsstrom?

Die Frage danach, warum wir nicht einfach „normalen“ Haushaltsstrom auch zum Heizen benutzen, lässt sich leicht beantworten. Das Geheimnis liegt nicht im Strom an sich, sondern in der Abrechnungsform. Während der Preis für konventionellen Haushaltsstrom im Jahr 2018 nämlich im Durchschnitt 28 Cent pro Kilowattstunde beträgt, rechnen die Energieversorger den Wärme- bzw. Heizstrom zu einem deutlich günstigeren Tarif ab. Dieser sogenannte Niedertarif liegt oftmals im Bereich von 20 Cent pro Kilowattstunde oder sogar noch darunter.

Warum ist Heizstrom günstiger als Haushaltsstrom?

Der Grund für den Preisunterschied hat zwei Komponenten. Zuallererst würde kaum jemand ernsthaft mit Strom heizen, wenn dafür der für Haushaltsstrom gültige Kilowattstundenpreis aufgerufen werden würde. Dies liegt schlicht daran, dass es sich bei elektrischem Strom um eine höherwertige Energieform handelt, die aus günstigen Primärenergieträgern wie Kohle, Gas oder erneuerbaren Energieträgern gewonnen wurde. Strom ist damit gegenüber alternativen Heizenergieträgern auf den Energieertrag gerechnet extrem teuer.

Die Preispolitik für den Niedertarifstrom hat aber noch einen weiteren Grund. Strom wird schließlich rund um die Uhr erzeugt, da sich Kraftwerke nicht einfach von jetzt auf gleich an- und abschalten lassen. Um die Netze stabil zu halten muss der produzierte Strom dennoch verbraucht bzw. gespeichert werden. An dieser Stelle kommen Elektroheizungen ins Spiel, die nach dem Speicherprinzip verfahren und über die Nachtstunden hinweg mit dem „überschüssigen“ Strom aufgeheizt werden. Diese Wärme geben sie schließlich über den Tag hinweg an die Wohnräume ab. Und da die Nachfrage nach Strom in der Nacht so gering ist, verkaufen die Stromanbieter den nachts produzierten Strom günstiger in Form von Heizstrom.

Wie wird Wärmestrom abgerechnet?

Damit der Stromverbrauch korrekt nach Haushaltsstrom und Wärmestrom abgerechnet werden kann, reicht ein einfacher Stromzähler nicht aus. Zu diesem Zweck bieten Stromanbieter ihren Kunden einen sogenannten Doppelzählertarif an und installieren einen speziellen Stromzähler mit zwei voneinander unabhängigen Zählwerken. Die Zähler unterscheiden dabei korrekt nach dem höherpreisigen Haushaltsstrom (Hochtarif bzw. HT) und dem günstigeren Heizstrom (Niedertarif bzw. NT). Je nachdem, welches Heizsystem verbaut ist, können Stromkunden einen Nachtstromvertrag bzw. einen Wärmepumpenstromvertrag abschließen. Wer einen solchen Doppelzähler hat, muss beim jährlichen Ablesen der Zählerstände allerdings besonders aufmerksam sein, um keine Abrechnungsfehler zu machen.

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