Heizungsleasing – Unsinn oder smarte Lösung für Immobilieneigentümer?

Heizungsleasing – Funktionsweise, Kosten und für wen es sich lohnt: Auto-Leasing ist für viele Menschen bereits Normalität. Auch Unternehmen leasen immer häufiger ihre Maschinen und Produktionsanlagen, um ihr Eigenkapital und ihre Liquidität zu schonen. Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis der Leasing-Trend auch den Heizungssektor erreichen würde.

Heizungsleasing
Quelle: stock.adobe.com/maryviolet
Mieten statt kaufen heißt es im Rahmen des sogenannten „Wärmecontractings“. Auf den ersten Blick scheint diese Option attraktiv, denn die Investition in eine neue Heizanlage kostet oft mehrere Tausend Euro. Wie aber funktioniert das? Was kostet Sie das Heizungs-Leasing? Und für wen lohnt sich das überhaupt?

1. So funktioniert das Leasing-Modell

Beim Leasing handelt es sich um eine Art Mietvertrag. Sie nehmen dabei die Rolle des Leasingnehmers ein und mieten sich eine Heizanlage vom sogenannten Leasinggeber. Dabei handelt es sich um Energiedienstleistungsunternehmen, die über Know-how rund um das Thema Heizung verfügen. Gegen die Zahlung einer monatlichen Rate erhalten Sie ein Heizsystem Ihrer Wahl als sogenanntes Leasingobjekt. Hinzu kommen ergänzende Dienstleistungen wie Reparaturen, Wartung, Austausch im Schadensfall und inbegriffene Schornsteinfegerkosten.
Auch der Einbau ist im Preis inbegriffen und wird von Fachbetrieben durchgeführt. Die meisten Anbieter übernehmen zudem die Kosten für die Entsorgung Ihrer Altanlage. Der Clou an der Sache ist, dass der Leasinggeber über die gesamte Vertragslaufzeit Eigentümer der Heizanlage ist und Sie diese lediglich mieten. Damit ist der Leasinggeber auch für die Instandhaltung, den Ersatz etc. verantwortlich, was Ihnen zusätzlichen Komfort verspricht. Solche Leasing-Verträge haben meist eine Grundlaufzeit von 10 bis 15 Jahren. Nach dem Ende der Vertragslaufzeit haben Sie mehrere Optionen.

2. Handlungsoptionen nach Ende der Vertragslaufzeit

  • Sie lassen das Vertragsverhältnis auslaufen und die verbaute Heizanlage ausbauen. Um die Beschaffung einer neuen Heizanlage müssen Sie sich allerdings selbst kümmern.
  • Sie übernehmen die aktuell verbaute Heizung. Dazu müssen Sie an den Leasinggeber den aktuellen Restwert der Anlage zahlen.
  • Sie lassen die Heizung durch den Leasinggeber ausbauen und schließen dort einen neuen Vertrag ab. Im Anschluss erhalten Sie eine neue Heizanlage. (Im Angesicht der langen Haltbarkeit von modernen Heizanlagen ist der Austausch nach nur 10 bis 15 Jahren allerdings nicht zu empfehlen.)

3. Was kostet das Heizungs-Leasing?

Nun kommen wir zum Knackpunkt der ganzen Sache, den Kosten. Unter dem Strich ist das Heizungsleasing in den meisten Fällen gegenüber dem Kauf nämlich die teurere Alternative. Der Preis selbst hängt sowohl von der Laufzeit als auch von der Art der verbauten Heizanlage ab. Neben Gasbrennwertthermen haben die Leasinganbieter auch regenerative Heizanlagen im Programm, die insgesamt deutlich teurer sind. Alternativ können Sie auch direkt eine Solaranlage von einem spezialisierten Anbieter mieten. Hier erfahren Sie mehr zum Thema Solaranlage mieten..

Ein Beispiel:
Angenommen, Sie wollen Ihr altes Heizsystem gegen eine moderne Gasbrennwerttherme austauschen. Eine durchschnittliche Therme für ein Einfamilienhaus kostet Sie in der Anschaffung inklusive Montage ca. 4.000 Euro. Hinzu kommen Schornsteinfeger- und Wartungskosten. Diese belaufen sich auf durchschnittlich 200 Euro pro Jahr. Bei einer angenommenen Nutzungsdauer von 15 Jahren zahlen Sie insgesamt 7.000 Euro (zzgl. Zinsen, sofern Sie die Heizungsanlage kreditfinanzieren). Nun stellen wir diese Kostenaufstellung einem typischen Leasing-Angebot mit einer Vertragsdauer von 15 Jahren gegenüber:
Eigenfinanzierung vs. Heizungs-Leasing

Unter dem Strich zeigt sich also, dass das Heizungs-Leasing hinsichtlich der Kosten langfristig die teurere Alternative ist. Günstiger ist das Leasing jedoch dann, wenn die Heizungsanlage während der Laufzeit kaputtgeht und ausgetauscht werden muss. Das ist bei modernen Anlagen allerdings nur selten der Fall.

4. Für wen lohnt sich das Heizungs-Leasing?

Wenn wir nur die Kosten betrachten, lohnt sich das Heizungs-Leasing in den meisten Fällen nicht. Dafür ist das Angebot aber auch gar nicht konzipiert. Vielmehr geht es um ein Komfortversprechen. Damit eignet sich das Heizungs-Leasing vor allem für Menschen, die auf der sicheren Seite sein und „nichts mit Ihrer Heizung zu tun haben wollen“. Ein gutes Praxisbeispiel ist eine Familie mit mehreren kleinen Kindern. Während der Mann häufig auf Geschäftsreise ist und die Frau mit ihrem Beruf und den Kindern zu tun hat, soll sie sich nicht auch noch um die Heizung sorgen machen müssen.
Wer diesen Komfort möchte, muss allerdings für die Dienstleistung zahlen. Lohnend kann das Leasing auch für ältere Immobilieneigentümer sein, die sich nicht mehr selbst um diese Angelegenheiten kümmern möchten. Ein Notnagel ist das Heizungs-Leasing auch für Eigentümer, die von ihrer Bank keinen Finanzierungskredit für eine neue Heizung bekommen. Aufgrund der langfristigen Mehrbelastung ist diese Variante allerdings nicht zu empfehlen.

5. Vertragsbedingungen genau prüfen

Wenn Sie sich für den Komfort entscheiden, sollten Sie die Anbieter dennoch eingehend vergleichen. Der Teufel steckt wie so oft im Detail. Prüfen Sie also die Vertragsbedingungen genau, um kein böses Erwachen zu erleben. Achten Sie vor allem auf folgende Punkte:

  • Bei günstigen Lockangeboten drohen während der Vertragslaufzeit deutliche Preiserhöhungen.
  • Ist der Leasinggeber ein Energieversorger, müssen Sie auf die Lieferbedingungen achten. In einem solchen Fall sind Sie oftmals an einen Energielieferanten bzw. Liefermengen gebunden. Solche Kombiverträge dürfen Sie lediglich zwei Jahre binden, da in Deutschland grundsätzlich die freie Wahl des Versorgers gilt.
  • Eine Ausnahme besteht bei Fernwärme. Clevere Anbieter hebeln diese Regelung jedoch aus, indem Sie die Wärmelieferung direkt in den Leasing-Vertrag integrieren. Damit wird diese Wärmelieferung juristisch wie Fernwärme behandelt, was Sie langfristig an den Anbieter bindet. Die Folge sind oft zu hohe Energiekosten, ohne dass Sie den Energieversorger kurzfristig wechseln können.

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