Hilfe – Was passiert, wenn der Stromanbieter pleite geht?

Die Insolvenz des eigenen Stromanbieters ist für viele Stromkunden ein wahres Schreckgespenst. Kein Wunder, immerhin kursieren noch immer Gerüchte, dass es dunkel wird, wenn der Stromanbieter pleite geht. Daher gleich eines vorweg: Vor dunklen Abenden und kalter Küche müssen Sie keine Angst haben, denn der Strom fließt weiter.

Hilfe – Was passiert, wenn der Stromanbieter pleite geht?
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Was aber passiert dann bei einer Stromanbieter-Pleite? Welche Risiken bestehen für Stromkunden? Und wie lassen sich Risiken gleich von vornherein minimieren?

Das wichtigste auf einen Blick

Was tun, wenn der Stromanbieter pleite geht?

Stromanbieter sind Unternehmen wie alle anderen Unternehmen auch

Auch wenn Energieunternehmen bisweilen ein gewisser Sonderstatus anhaftet, handelt es sich um ganz normale Unternehmen. Und wie jedes andere Unternehmen kann auch ein Stromanbieter pleite gehen. Die wohl bekanntesten Beispiele der vergangenen Jahrzehnte sind FlexStrom, TelDaFax, Care-Energy und kürzlich der Münchner Stromversorger BEV-Energie. Was in einer solchen Situation genau passiert, hängt von der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens ab. Also, ob der Stromversorger seine Versorgung komplett einstellt und abgewickelt wird, oder ob der Versorger von einem Konkurrenten übernommen wird. Insolvenz ist nämlich nicht gleich Insolvenz.

Oftmals ändert sich gar nichts

Auch wenn der Stromversorger pleite ist, bedeutet das noch lange nicht, dass sich für Sie etwas ändert. Liefert dieser beispielsweise zunächst gemäß den Vertragsbedingungen weiter Energie, bleibt alles beim Alten. Nur weil die Zahlungsunfähigkeit, wie gesetzlich vorgeschrieben, zur Anzeige gebracht wurde, heißt das nicht, dass ein Unternehmen seinen Betrieb einstellt.
Sie können schließlich immer noch Kleidung von Gerry Weber kaufen, obwohl das Unternehmen im Januar 2019 die Insolvenz beantragt hat. Solange der Stromanbieter seinen Verpflichtungen nachkommt, haben Sie daher auch kein Sonderkündigungsrecht, um vorzeitig aus dem Vertrag auszutreten. Die Kündigung ist nach wie vor nur unter Einhaltung der vertraglichen Kündigungsfristen möglich.

Was passiert, wenn der Versorger die Lieferung einstellt?

Für genau diesen Fall hat der Gesetzgeber im Rahmen der Liberalisierung des Strommarkts Vorkehrungen getroffen. Der örtliche Grundversorger ist dazu verpflichtet, die Versorgung zu übernehmen. Das funktioniert nahtlos, da Sie Ihren Strom ohnehin aus einem gemeinsamen Strompool beziehen und Sie der Stromversorger nicht einzeln beliefert. Mehr über die Funktionsweise unseres Stromnetzes erfahren Sie in unseren Beiträgen zu den Themen Strombörse und Smart Grid.
In einem solchen Fall wechseln Sie automatisch in die sogenannte Ersatzversorgung. Nach einer gewissen Zeit wechseln Sie anschließend in den Grundversorgertarif des Versorgers. Das Problem an der Sache ist, dass dieser Grundversorgertarif deutlich teurer ist, als andere Versorgertarife. Nicht selten sind hier Preise von 32 Cent oder mehr pro Kilowattstunde an der Tagesordnung.
Zum Vergleich: Andere Versorger und Tarife bieten Ihnen Strom für deutlich unter 30 Cent pro Kilowattstunde. Glücklicherweise können Sie dank kurzer Kündigungsfristen von 7 bis 14 Tagen schnell zu einem günstigen Stromanbieter wechseln.

Was passiert bei einer Übernahme?

Noch entspannter ist die Situation für Stromkunden, sofern ein Konkurrent oder Investor den insolventen Versorger übernehmen möchte. Der neue Eigentümer muss die Altverträge zunächst übernehmen. Das bedeutet, dass Sie den Strom zunächst einmal zum bisher gewohnten Preis beziehen. Zudem haben Sie jederzeit die Möglichkeit, im Rahmen der vertraglichen Kündigungsfrist den Stromanbieter zu wechseln. Sollte der neue Eigentümer kurzfristige Vertragsänderungen vornehmen, muss Ihnen dieser ein Sonderkündigungsrecht gewähren. Damit können Sie sofort zu einem günstigeren Stromversorger wechseln.

Risikofaktor Vorauszahlungen

Unter dem Strich geht die Stromanbieter-Pleite an Stromkunden also relativ spurlos vorbei. Eine Ausnahme sind jedoch Anbieter bzw. Tarife mit vereinbarten Vorauszahlungen oder gezahlten Kautionen. In vielen Fällen ist das Haftungskapital der insolventen Unternehmen nicht mehr ausreichend, um die geleisteten Vorauszahlungen an die Kunden zurückzuzahlen. Wer einen solchen Tarif abgeschlossen und etwa für zwölf Monate im Voraus gezahlt hat, der wird sein Geld oftmals nicht wiedersehen. In einigen Fällen wie zum Beispiel aktuell bei TelDaFax kann es auch Jahre dauern, bis zumindest ein Teil des Geldes zurückfließt.

So sichern Sie sich gegen eine Stromanbieter-Pleite ab

Eine Pleite kann grundsätzlich jedes Unternehmen treffen. Da der Strom dennoch weiter fließt, ist die ganze Situation auf dem Strommarkt für Verbraucher jedoch weniger dramatisch. Was Sie jedoch tun sollten, ist auf Angebote mit Vorauszahlungen oder Kautionen zu verzichten, auch wenn diese oft günstiger sind. Das Risiko auf einem Schaden von etlichen hundert Euro sitzen zu bleiben, ist im Insolvenzfall groß.
Deaktivieren Sie daher beispielsweise bei der Stromanbietersuche gleich die Optionen „Vorkasse“ und „Kaution“ in der Suche. Wer das Risiko eingehen möchte, kann natürlich auch auf die Mehrersparnis hoffen. Immerhin hält sich die Anzahl der Stromanbieter-Insolvenzen im Verhältnis zur Anzahl der Versorger sehr in Grenzen.

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