Ist eine Strompreisgarantie wirklich sinnvoll?

In Deutschland mag man es gerne sicher. Was bei der Rente und der klassischen Lebensversicherung anfängt, erstreckt sich bis hin zur Handy- und Internetflatrate. Die Beliebtheit von Flatrates ist auch kein Wunder, denn wenn die Kosten bereits im Vorhinein feststehen, warten keine bösen Überraschungen.

Ist eine Strompreisgarantie wirklich sinnvoll?
Bild: woottigon/Shutterstock.com
In eine ähnliche Kerbe schlagen die von vielen Versorgern angebotenen Strompreisgarantien. Aber ist eine Strompreisgarantie wirklich sinnvoll?

Wirkt die Strompreisfixierung?

Da der Strompreis seit Jahren nur eine Richtung kennt, scheint eine Strompreisgarantie eine sehr sinnvolle Angelegenheit zu sein. Und das ist sie für viele Verbraucher auch, insbesondere für solche, die einen langfristigen Versorgervertrag zu stabilen Konditionen abschließen möchten. Innerhalb der Vertragslaufzeit, die bei den meisten Anbietern zwischen drei Monaten und drei Jahren beträgt, müssen Stromkunden also keine Strompreiserhöhung seitens des Energieversorgers befürchten und können sich zurücklehnen. Soweit die Theorie. In der Praxis kommt es wie überall im Leben jedoch auf die Details an, denn die Preisgarantie bezieht sich nicht immer auf alle Preisbestandteile des Energieversorgers. So kann es beispielsweise sein, dass ausschließlich der Preis für die Erzeugungs- und Beschaffungskosten fixiert wird, nicht aber der Preisbestandteil, der auf die Netzentgelte entfällt.

Steuern und Abgabenlast explodieren

Darüber hinaus sind die meisten Strompreisgarantien ohne Steuern und Abgaben konzipiert. Das bedeutet im Klartext nichts anderes, als dass der Energieversorger nur die Stabilität der von ihm beeinflussbaren Preisbestandteile garantiert. Steuern und Abgaben bleiben jedoch außen vor. Was aus Sicht der Energieversorger verständlich ist, ist für den Verbraucher umso ärgerlicher, beträgt der Anteil, den der Staat am Strompreis kassiert, doch bereits rund 52 Prozent pro Kilowattstunde. Allein seit 1998 betrug die Steigerungsrate der Abgaben angefangen von der Stromsteuer über kommunale Konzessionsabgaben bis hin zur EEG-Umlage 263 Prozent. Im Vergleich dazu sind die Erzeugerkosten lediglich um sieben Prozent gestiegen und inflationsbedingt in den vergangenen 20 Jahren damit sogar zurückgegangen.

Zu einem günstigeren Anbieter wechseln

Jeder Verbraucher muss sich also darüber im Klaren sein, dass eine Strompreisgarantie in der Regel nicht den erhofft großen Effekt hat. Allerdings kann sich ein solcher Vertrag lohnen, sofern die Vertragsbedingungen genauestens studiert werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, sucht einen Anbieter, der den Strompreis zumindest seinerseits komplett garantiert. Einige wenige Anbieter offerieren sogar Strompreisgarantien, die Steuern und Abgaben für einen überschaubaren Zeitraum mit einschließen. Jedoch ist es in der Regel so, dass sich Verbraucher langfristige Strompreisgarantien mit einem erhöhten Preis pro Kilowattstunde oder einer erhöhten Grundgebühr erkaufen.
Es gibt aber auch eine gute Nachricht. Bei Preiserhöhungen des Stromanbieters besteht nämlich ein Sonderkündigungsrecht, das mit sofortiger Wirkung umgesetzt werden kann. Über diesen Mechanismus besteht also auch abseits von Preisgarantien die Möglichkeit, stets zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln und damit Einfluss auf die Energiekonzerne zu nehmen. Gegen steigende Steuern und Abgaben ist hingegen kein Kraut gewachsen, auch wenn die EEG-Umlage wohl 2018 leicht sinken wird.

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