Ist meine Stromrechnung korrekt? – 8 Tipps zum Prüfen und Nachrechnen

Verbraucher ärgern sich oft über den hohen Strompreis. Mit der Rechnung, die alljährlich am Ende der Abrechnungsperiode ins Haus flattert, steht nämlich oft eine saftige Nachzahlung an. Die meisten Stromkunden akzeptieren diese Nachzahlung kommentarlos.

Ist meine Stromrechnung korrekt? – 8 Tipps zum Prüfen und Nachrechnen
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Dabei ist es in vielen Fällen sehr lohnenswert, die Stromrechnung einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, denn viele Abrechnungen sind nicht korrekt. Die Ursachen sind vielfältig und können sowohl beim Energieversorger als auch beim Netzbetreiber sowie in den eigenen vier Wänden zu finden sein.

1. Jahresverbrauch vergleichen

Um einem ungewöhnlichen Mehrverbrauch auf die Schliche zu kommen, reicht ein Blick auf die absoluten Zahlen der Rechnung meist nicht aus. Viel aussagekräftiger ist die Betrachtung des relativen Stromverbrauchs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Gesetzgeber schreibt diesbezüglich bereits seit längerer Zeit vor, dass Energieversorger neben dem Verbrauch der gerade abgeschlossenen Verbrauchsperiode auch den Stromverbrauch der vorherigen Periode als Vergleichsmaßstab auf der Rechnung angeben müssen. Liegt der aktuelle Verbrauch deutlich über dem vorherigen Verbrauchsniveau, ist unter Umständen etwas faul.

2. Rechnung auf Ablesefehler kontrollieren

Oftmals schleichen sich beim Ablesen der Zählerstände kleine Fehler ein. Schließlich wird der Zählerstand in der Regel sowohl von einem Mitarbeiter des Netzbetreibers als auch von einem Angestellten des Energieversorgers abgelesen. In vielen Fällen übernehmen Stromverbraucher zumindest einen der beiden Ablesetermine aber selbst und senden den Zählerstand an den Energieversorger.

Da in allen Fällen Menschen am Werk sind, kann es zu Zahlenverwechslungen oder Zahlendrehern kommen. Je nachdem an welcher Stelle des Zählerstands ein solcher Fehler auftritt, kann es in der Jahresendabrechnung teuer werden. Ist ein Zahlendreher offensichtlich, genügt es meist, den Energieversorger zu kontaktieren und um Korrektur der Rechnung zu bitten. Hilfreich ist es natürlich, wenn Zählerstände jeweils am Ablesetag auf einem Foto mit Datumsstempel festgehalten werden.

3. Jahresverbrauch nachrechnen

Auch wenn technische Abrechnungsfehler selten sind, kann es vorkommen, dass zwar der Verbrauch gemessen in Kilowattstunden stimmt, nicht aber der Preis gemäß der auf der Rechnung angegebenen Berechnungsgrundlage. Dies lässt sich leicht überprüfen, indem der Zählerstand der vorherigen Abrechnungsperiode vom Zählerstand zum Abrechnungstag abgezogen wird. Um auf den korrekten Rechnungsbetrag zu kommen, wird nun das Ergebnis (Anzahl der übrigen Kilowattstunden) mit dem angegebenen Kilowattstundenpreis inklusive aller Steuern und Abgaben multipliziert. Kommt unter dem Strich das Gleiche heraus, ist die Rechnung korrekt.

4. Steuern beachten

Apropos Steuern. Viele Stromkunden gehen beim Nachrechnen fälschlicherweise davon aus, dass ihre Stromrechnung viel zu hoch ist. Grund ist meist, dass zur Berechnung der Nettoarbeitspreis herangezogen wird, in dem Steuern und Abgaben oft nicht enthalten sind. Viele Anbieter geben sowohl die Stromsteuer von aktuell 2,05 Cent pro kWh als auch die Mehrwertsteuer (19 Prozent) getrennt an.

5. Adresse und Zählernummer überprüfen

Oft sind Zählerstand und Rechnungsbetrag absolut korrekt. Was hingegen nicht korrekt ist, ist die auf der Rechnung angegebene Zählernummer. Auch wenn es komisch klingt, das kommt hierzulande häufiger vor, als man denkt. Gerade in größeren Mehrfamilienhäusern oder Wohnkomplexen mit mehreren hundert Wohneinheiten kann es trotz großer Aufmerksamkeit beim Ablesen zur falschen Zuordnung von Zählernummern kommen. Auch hier reicht ein Telefonat mit dem Energieversorger, um das Missverständnis aufzuklären.

6. Doppelzählertarife berücksichtigen

Wer einen Doppelzählertarif abgeschlossen hat, profitiert von günstigem Nachtstrom, mit dem entweder die Elektroheizung oder anderweitige Großverbraucher betrieben werden. Allerdings gibt es hier gleich zwei Fehlerquellen, da zwei Zählerstände abzulesen sind. Dementsprechend gelten hier die gleichen Berechnungsregeln wie in den Punkten 2 bis 5.

7. Korrektheit von Boni und Preisgarantien prüfen

Ein weiterer häufiger Grund für fehlerhafte Abrechnungen ist die Nichtberücksichtigung von Sofortboni, Bonuszahlungen oder Preisgarantien. Besteht dieser Verdacht und ist die Abrechnung ansonsten korrekt, sollten Verbraucher ihre Vertragsunterlagen zur Hand nehmen. Während manche Versorger Boni beispielsweise auf die Stromrechnung umlegen, zahlen andere auch in bar aus.

Vor diesem Hintergrund sollten auch die Bankauszüge kontrolliert werden, ob der Bonus auf diesem Weg ausgezahlt wurde. Auch Preisgarantien sind fehleranfällig. Hier sollte ebenfalls nachgerechnet werden, ob diese in der Abrechnung überhaupt und im richtigen Rahmen berücksichtigt wurden. Unstimmigkeiten lassen sich durch eine Rückfrage beim Versorger leicht aus der Welt schaffen.

8. Ursachen für den Mehrverbrauch suchen

Ist die Rechnung trotzdem nach objektiven Maßstäben korrekt, ist es ratsam, sich auf die Suche nach den Ursachen zu begeben. Meist liegt es an einer zusätzlichen Person im Haushalt, neuen Elektrogeräten wie einem Aquarium oder Terrarium oder schlicht einem veränderten Lebensstil. In seltenen Fällen, kann jedoch auch der Nachbar die Ursache sein. So mancher zapft nämlich mutwillig den Strom seines Nachbarn an.

Kann ein solcher Missbrauch nachgewiesen werden, haben Verbraucher gute Karten, da es sich um eine Straftat handelt und der Täter für den Schaden aufkommen muss. In Altbauhäusern, die vielleicht erst frisch in Mieteinheiten unterteilt wurden, kann es aber auch zu unfreiwilligem „Stromdiebstahl“ kommen. Häufig verläuft die jahrzehntealte Elektroinstallation nämlich relativ chaotisch, sodass nicht alle Leitungen beim Umbau korrekt zugeordnet werden konnten.

Es gibt durchaus Fälle, in denen der im gleichen Haus wohnende Vermieter ebenfalls nichts von dieser Tatsache wusste, sodass die Sauna im Keller oder die an der Gartensteckdose angeschlossene Barlandschaft auf Kosten des Mieters mit Strom versorgt wurde. Da die Abrechnung aus Sicht des Versorgers korrekt ist, hilft an dieser Stelle nur ein klärendes Gespräch mit dem Vermieter.