Mache Deinen persönlichen Ressourcenverbrauch messbar

Im Angesicht einer etwa noch bis 2050 wachsenden Weltbevölkerung und der Ausbreitung des modernen Lebensstils ist eine Frage berechtigt: Leben wir über unsere Verhältnisse bzw. reicht unser Planet für unseren Lebensstil aus?

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Quelle: stock.adobe.com/JenkoAtaman
Näherungsweisen und Berechnungen gibt es viele. Der Ökologische Fußabdruck ist eine Methode, mit der jeder diese Frage in Bezug auf seinen eigenen Lebensstil grob beantworten kann. Worum aber geht es genau? Und wie kann ich meinen eigenen Fußabdruck berechnen?

Was steckt hinter dem Ökologischen Fußabdruck?

Der in den 1990er-Jahren von William Rees und Mathis Wackernagel entwickelte Ökologische Fußabdruck ist eine Art Buchhaltungssystem für Umweltressourcen. Mit Hilfe dieses Systems lässt sich der Verbrauch von Umweltressourcen mit den vorhandenen Ressourcen unseres Planeten in ein Verhältnis setzen. Auf der Angebotsseite stehen die zur Verfügung stehenden Flächen. Diese werden in Meere, Wüsten, Seen, Wälder, Steppen, Weideflächen und Städte eingeteilt. Jede dieser Flächen trägt einen unterschiedlich großen Teil zur biologischen Ressourcenversorgung bei.
Die Summe der sogenannten „biologischen Produktivität“ dieser verschiedenen Flächen nennt man „Biokapazität“ der Erde. Diese wiederum wird auf der Nachfrageseite mit dem Verbrauch des Menschen für unterschiedlichste Dinge in ein Verhältnis gesetzt. Wichtige Verbrauchsfaktoren sind unter anderem die Viehzucht, die Energiegewinnung, der Fischfang in den Meeren oder die Nutzung von Bauland. Gemäß dem Wirtschaftsprinzip von Angebot und Nachfrage beantwortet dieses „Buchhaltungssystem“ beispielsweise folgende Fragen:

  • Wie hoch ist die biologische Produktivität der uns zur Verfügung stehenden Flächen?
  • Wie viel Fläche brauchen wir?
  • Wer nutzt wie viel Fläche?

Wie setzt sich der Ökologische Fußabdruck zusammen?

Der Ökologische Fußabdruck ähnelt einer Faustformel, die unseren Lebensstil grob bezüglich des Ressourcenverbrauchs analysiert. In die Gesamtberechnung gehen die vier Kategorien Ernährung, Wohnen, Mobilität und Konsum ein, da diese in der Endabrechnung einen Großteil der Ressourcen erfordern. Im Bereich Ernährung geht es beispielsweise um die Frage, wie viel Fleisch, Fisch und Milchprodukte Sie pro Woche essen. Auch Ihr Einkaufverhalten bezüglich regionaler Produkte bzw. Bio-Produkten spielt eine Rolle.
Der Bereich „Wohnen“ hingegen beschäftigt sich mit der Anzahl an Quadratmetern, die Sie bewohnen, oder auf welche Temperatur Sie Ihre Wohnung gerne aufheizen. Worum es im Bereich Mobilität geht, können Sie sich an dieser Stelle sicherlich schon denken? Richtig, darum welche Strecken Sie pro Jahr mit dem Fahrrad, dem Auto, der Bahn oder dem Flugzeug zurücklegen. In den spezifischen Bereichen sind alle Antworten mit einem gewissen Ressourcenverbrauch gekoppelt. Dieser Verbrauch summiert sich abhängig von den Antworten auf und ergibt den Ökologischen Fußabdruck.

Wie groß ist Ihr Ökologischer Fußabdruck?

Wenn Sie wissen möchten, wo Sie selbst in Sachen Ressourceneffizienz ansetzen können, sollten Sie Ihren Ökologischen Fußabdruck bestimmen. Dieser gibt zwar nur eine grobe Einschätzung, hilft aber dabei, die Bereiche mit großem Potential zur effizienteren Ressourcennutzung zu identifizieren. Berechnen Sie hier Ihren Fußabdruck und finden Sie heraus, ob Sie bereits zu den Effizienzkünstlern im Land gehören.

Die Welt ist nicht genug

Der in „globalen Hektar“ (gha) gemessene Ökologische Fußabdruck unterscheidet sich von Region zu Region auf dieser Erde stark. Das ist u.a. auf den unterschiedlich hohen Zivilisationsgrad zwischen den frühindustrialisierten Nationen und den Entwicklungsländern zurückzuführen. Da der Wohlstand glücklicherweise auch in den ärmsten Ländern dieser Welt stetig ansteigt, steigt auch hier der Fußabdruck jedes Einzelnen. Nichtsdestotrotz ist der Unterschied noch immer gewaltig. Während der Flächenverbrauch in den USA bei 9,3 gha liegt, beträgt er in Bangladesch nur 0,7 gha. Was aber sagt das aus? Ganz einfach: 1,7 gha entsprechen der langfristig verträglichen Biokapazität einer Erde.

Abbildung 1: Eigene Darstellung – Quelle: Global Footprint Network 2016. National Footprint Accounts, 2016 Edition./font size>

Würden alle Menschen auf dem Globus so leben wie der durchschnittliche US-Amerikaner, bräuchten wir ca. 4,8 Erden. Etwas „besser“ sieht es in Deutschland mit 3,1 Erden aus. Allerdings liegen wir damit hierzulande immer noch weit über dem globalen Durchschnitt von 1,6 Erden. Gerade im Angesicht der zunehmenden Weltbevölkerung ist das ein Zustand, den wir nicht akzeptieren können, da wir die Ressourcen der Erde bereits jetzt übernutzen. Da aber alle Menschen auf dieser Welt das gleiche Recht wie wir haben, in Wohlstand zu leben, sind Lösungen gefragt.

Den Ökologischen Fußabdruck mit Ressourceneffizienz verbessern

Wenn wir langfristig auf diesem Planeten leben möchten, müssen wir unseren Ressourcenverbrauch deutlich reduzieren. Das bedeutet aber nicht zwangsweise einen Rückschritt ins globale Mittelalter. Wissenschaft, neue technologische Entwicklungen und eine bewusste Lebensweise geben uns den Schlüssel zur effizienten Ressourcennutzung.
Nur so können wir uns künftig im Rahmen der globalen Biokapazität bewegen. Und das ist auch bitter nötig. Denn „noch“ haben wir keine zweite Erde im All gefunden, geschweige denn die Technologie, um dort hinzugelangen. Das Schöne am Konzept der Ressourceneffizienz ist, dass jeder Einzelne seinen Beitrag leisten kann.

Maßnahmen für die unmittelbare Verbesserung Ihres Ökologischen Fußabdrucks

Bereich Ernährung

  • Essen Sie nicht jeden Tag in der Woche Fleisch und Wurstwaren. Hier zählt Klasse statt Masse. Lieber zwei bis drei Mal pro Woche gutes Bio-Fleisch als jeden Tag konventionelles Fleisch.
  • Achten Sie beim Kauf von Fisch auf Nachhaltigkeitssiegel wie das MSC-Siegel.
  • Kaufen Sie möglichst viele saisonale Produkte aus der Region.
  • Werfen Sie möglichst wenige Lebensmittel weg, indem Sie maßvoll einkaufen.
  • Schauen Sie sich den Unterschied zwischen dem Mindesthaltbarkeitsdatum und dem Verfallsdatum an. Ein Großteil der hierzulande weggeworfenen Nahrungsmittel ist nämlich noch hervorragend genießbar. Foodsharing ist hier eine hervorragende Lösung.

Bereich Wohnen

  • Überlegen Sie sich, wie groß Ihre persönliche Wohnung wirklich sein muss. Eine kleinere Wohnung senkt die Heizkosten und den allgemeinen Ressourcenverbrauch.
  • Tauschen Sie Ihre alte Beleuchtung gegen moderne LED-Leuchtmittel aus.
  • Heizen Sie Ihre Wohnräume auch im Winter nur auf 18 bis 20 Grad Celsius auf. Jedes Grad mehr kostet sechs Prozent mehr Energie und erhöht damit nicht nur Ihren Fußabdruck, sondern auch Ihre Energierechnung.

Bereich Mobilität

  • Fahren Sie kurze Strecken nicht mit dem Auto, sondern gehen Sie zu Fuß.
  • Nutzen Sie häufiger das Fahrrad statt das Auto. Auch ein E-Bike ist insbesondere in Verbindung mit einem Ökostromtarif selbst für längere Strecken eine lohnende Alternative.
  • Verzichten Sie auf unnötige Inlandsflüge. Nutzen Sie stattdessen die Bahn. Das Flugzeug ist lediglich für längere Strecken die effizientere Alternative.

Bereich Konsum

  • Schonen Sie Ressourcen, indem Sie Ihren Müll penibel trennen und Wertstoffe wie Metalle, Glas, Batterien und Elektrogeräte entsprechend recyceln.
  • Kaufen Sie hochwertige und energieeffiziente Produkte, die lange halten und sich im Zweifelsfall reparieren lassen.
  • Schenken Sie alten Dingen via Up-Cycling ein neues Leben – seien Sie kreativ.
  • Hinterfragen Sie Ihren Konsum und ob Sie Dinge wirklich brauchen.
  • Kaufen Sie digitale Alternativen. Selbst wenn für viele Bücher bereits Recycling-Papier zum Einsatz kommt, sind holzfreie E-Books heute die nachhaltigere Variante. Das Gleiche gilt auch für andere digitale Güter wie Videospiele, Musik oder Filme mit Ihren Hüllen, Booklets und Datenträgern. Auch die zur Aufbewahrung dieser Güternotwendigen Regale verschlingen ebenfalls Ressourcen.
  • Wechseln Sie zu einem Ökostromanbieter, um auch Ihr digitales Unterhaltungsprogramm nachhaltiger zu machen.

Streitthema CO2 – Kompensation statt globaler Askese

Für ein Leben in Wohlstand für alle sind gewisse Verbräuche nach aktuellem Stand der Technik noch nicht zu vermeiden. Bis es soweit ist, heißt das Zauberwort Kompensation. Das gilt vor allem in Bezug auf den CO2-Ausstoß. Beispielsweise ist es mittlerweile möglich, den CO2-Ausstoß einer Flugreise mit Hilfe sogenannter Offsets zu kompensieren. Dabei handelt es sich um Ausgleichszahlungen, die von diversen Organisationen angeboten werden. Viele Fluglinien bieten ihren Passagieren diese freiwilligen Zahlungen schon bei der Buchung an.
Die eingesammelten Gelder dienen der Finanzierung von Umweltprojekten. Darunter die Aufforstung von Wäldern, die wiederum Sauerstoff produzieren und CO2 in Form von Kohlenstoff binden. Mittlerweile sind Kompensationslösungen aber auch in anderen Bereichen und in großem Stil möglich. Üblich sind auch Investitionen in regenerative Energie, den Ausbau der Elektromobilität, die Säuberung der Meere oder die Einrichtung nachhaltiger Fischfarmen. Damit das Geld aber wirklich in sinnvolle Projekte fließt, sollten Sie auf das Qualitätssiegel „Gold Standard“ achten.

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