Muss ich bei Gewitter den Stecker ziehen?

Jedes Jahr im Sommer ist es das Gleiche. Kaum erreichen die Temperaturen in Deutschland für einige Tage die 25-Grad-Marke, kündigen sich auch schon die ersten Gewitter an. Insbesondere im süddeutschen Raum ist die Frequenz, in der sich Blitz und Donner mit dem sommerlichen Kaiserwetter abwechseln, aufgrund der Nähe zu den Alpen, besonders hoch.

Bild: krungchingpixs/shutterstock.com
Wichtiger Hinweis

  1. Bei Gewitter alle Geräte vom Strom- und Telefonnetz trennen (Stecker ziehen / Nur Geräte ausschalten reicht nicht!). Auch Internet- und Antennenkabel sollten gezogen werden.
  2. Bei Mehrfachsteckdosen auf TÜV/GS-Siegel, VDE-Zeichen und eingebauten Überspannungsschutz achten!
  3. Nur unbedingt notwendige elektrische Geräte bei Gewitter betreiben.
  4. Kabelsalat vermeiden.
  5. Lassen Sie Elektrogeräte nicht unbeaufsichtigt laufen und schalten Sie möglichst alle Geräte aus, falls Sie die Wohnung bzw. das Haus verlassen.
Seit Großmutters Zeiten wissen wir, was zu tun ist, wenn um uns herum die Blitze zucken: Wir selbst suchen einen sicheren Innenraum auf und ziehen bei allen Elektrogeräten den Stecker aus der Steckdose. Aber hat Großmutter überhaupt recht? Oder gehört das Steckerziehen bei Gewitter ins Reich der Legenden? Wir klären auf!

Mehr als nur ein bisschen Donnergrollen

Was bei einem Gewitter grundlegend passiert, ist kein Geheimnis. Es donnert, es kracht, Blitze zucken umher – nichts Besonderes also. Was hingegen die Wenigsten wissen, ist, dass die durchschnittliche Stromstärke eines Blitzes rund 20.000 Ampere beträgt. Das ist eine ganze Menge Energie, die große Schäden anrichtet, wenn sie beispielsweise ein Haus direkt trifft.

Ein Blitz muss aber nicht direkt ins Haus einschlagen, um massive Schäden anzurichten, denn die Elektrizität kann sich auch über den Boden und darin befindliche Leitungssysteme verbreiten. Das ist sogar über die Entfernung mehrerer Kilometer möglich. Schließlich ist jedes Haus über das Stromnetz, die Wasserleitung und den Telefonanschluss mit der Umgebung verbunden. Trifft nun die Elektrizität eines Blitzeinschlags auf eines dieser Netze, können sich Millionen von Volt bis in weit entfernte Haushalte übertragen und dort für Überspannungsschäden bei Elektrogeräten sorgen.

Welche Geräte sind besonders gefährdet?

Grundsätzlich ist natürlich jedes Elektrogerät gefährdet, das direkt mit dem Stromnetz verbunden ist. Überspannungen können aber auch auf anderem Wege in das Gerät eindringen. Besonders gefährdet sind daher Computer, Fernseher und andere moderne Multimedia-Geräte, die nicht nur am Stromnetz hängen, sondern auch via Ethernet- und Antennenkabel mit der Außenwelt verbunden sind. Hier reicht es also nicht aus, nur den Stromstecker zu ziehen.

Ursächlich für diese Empfindlichkeit sind die vielen filigranen Chips und Prozessoren, die anders als es etwa bei vielen Haushaltsgeräten der Fall ist, sehr sensibel auf Überspannung reagieren. Während ein Blitzeinschlag in unmittelbarer Umgebung für viele Geräte den unmittelbaren elektronischen Tod bedeutet, führen geringere Überspannungen zu einem schleichenden Gerätesterben. Es kann also durchaus sein, dass sich ein Überspannungsschaden erst nach Wochen oder sogar Monaten bemerkbar macht.

Wie lassen sich empfindliche Elektrogeräte effektiv schützen?

Infolge von Überspannung entstehen jährlich Schäden in Millionenhöhe. Dies betrifft einerseits den Schaden an der teuren Hi-Fi-Anlage oder dem großen LED-Screen selbst, andererseits jedoch auch die Schäden eines potentiellen Datenverlusts auf dem Privat- oder gar Firmencomputer. Wer sich schützen möchte, sollte also den Stecker ziehen. Doch es gibt auch noch einen einfacheren Weg!

Dank der modernen Elektrotechnik müssen wir auch bei Gewitter nicht auf unsere Lieblingsserie auf Netflix oder die Fußballübertragung verzichten. Neben den Überspannungsschutzgeräten, die ohnehin an den meisten Gebäuden zum Schutz vor großen Sekundärströmen verbaut sind, lassen sich Elektrogeräte zusätzlich absichern. Zum Einsatz kommen hier sogenannte Typ3-SPD-Geräte, die das Risiko für Überspannungsschäden minimieren.

Erhältlich sind diese Geräte sowohl als Überspannungs-Steckdosen als auch in Form von Mehrfachsteckerleisten. Wer also dazu bereit ist, sein Haus gleich von Beginn an gegen Überspannung abzusichern oder für die wichtigsten Geräte Überspannungs-Steckerleisten nachzurüsten, kann sich bei Gewitter das panische Ausstecken seiner Elektrogeräte sparen. Ein gewisses Restrisiko im Promillebereich, das sich über eine entsprechende Versicherung abdecken lässt, bleibt allerdings trotzdem bestehen.

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Das aktuelle Gewitter Risiko in Deutschland und wie lange es wo andauert. Wann naht Entspannung, wann können die elektrischen Geräte wieder angeschlossen werden…