Reisen ohne Flugzeug

War das Fliegen vor wenigen Jahrzehnten noch den Wohlhabenden vorbehalten, ist der Trip mit dem Flieger heute fast wie Busfahren. Weltweit nimmt der Flugverkehr vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern massiv zu.

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Experten erwarten, dass das Passagieraufkommen bis 2034 allein in China auf 2,9 Milliarden Passagiere pro Jahr ansteigt.
Zum Vergleich: Im Jahr 2017 waren es auf der gesamten Welt „nur“ 4,1 Milliarden. Das stellt uns vor ein Problem, denn das Fliegen verursacht eine Menge CO2. Was also können wir tun? Wie können wir das Fliegen möglichst umweltverträglich gestalten? Und welche Alternativen gibt es?

Schadstoffausstoß der Mobilität ist ein Problem

Der Personenverkehr gehört in Deutschland zu den größten Erzeugern von Emissionen. Ganz gleich, ob Auto, Bus, Eisenbahnfernverkehr, S-Bahn oder Flugzeug. Alle diese Arten der Mobilität gehen mit einem Ausstoß von CO2, Feinstäuben, Stickoxiden, Kohlenmonoxid und flüchtigen Kohlenwasserstoffen einher. Ein Blick auf die folgende Tabelle zeigt eindeutig, dass das Fliegen noch vor dem Autofahren die größten Emissionen verursacht.


Wie wir uns auch bewegen: Schadstoffe entstehen überall. Und bis alternative Antriebe flächendeckend auch den Flugverkehr erreichen, wird dieser wohl der Spitzenreiter bleiben. Allerdings muss man dem Flugzeug zugutehalten, dass die durchschnittliche Auslastung gegenüber allen anderen Verkehrsmitteln deutlich besser ist. Das gilt vor allem auf längeren Flügen, die im Gegensatz zu Inlandsflügen zu weit über 90 Prozent ausgelastet sind.

Kein Fliegen ist auch keine Lösung

Ohne, dass wir uns an dieser Stelle mit den Vor- und Nachteilen einzelner Transportmittel beschäftigen möchten, steht eines fest: Bus und Bahn sind dem Auto in puncto Schadstoffausstoß überlegen, sofern die Auslastung stimmt. Häufig verkehren außerhalb der Stoßzeiten nämlich auch Züge mit weniger als zehn Prozent Auslastung. Das wiederum lässt auch hier den Schadstoffausstoß pro Personenkilometer (Pkm) in die Höhe schnellen. Während die öffentlichen Verkehrsmittel im urbanen Raum eine ideale Alternative zum Auto sind, ist das auf dem Land natürlich nicht der Fall.
Im inländischen Reiseverkehr, der global betrachtet Nahverkehr ist, sind Zug oder Bus ebenfalls die bessere Alternative zum Flieger. Auf den meisten Verbindungen ist die Bahn nicht nur schadstoffärmer, sondern auch schneller. Immerhin kommen zu der Flugzeit zusätzliche Abfertigungszeiten vor dem Start und nach der Landung hinzu. Wir sollten uns also wirklich überlegen, ob es wirklich ein Inlandsflug sein muss. Kein Fliegen ist aber auch keine Lösung.

Für längere Reisen gibt es selten sinnvolle Alternativen

Ganz auf das Fliegen zu verzichten ist nicht sinnvoll. Das wäre immerhin ein Rückschritt in das frühe 20. Jahrhundert. Gerade auf Fernreisen ist das Fliegen meist die einzig sinnvolle Variante. Wer will für einen Urlaub in Australien schon drei Wochen mit einem Schiff unterwegs sein? Und unter dem Strich sind Fernreisen auch gar nicht das Problem. Immerhin ist hier die Anzahl der Flüge deutlich geringer als bei Inlandsflügen, für die es emissionsärmere Verkehrsmittel als Alternative gibt. Darüber hinaus sind Fernflieger in der Regel nahezu zu 100 Prozent ausgelastet und bedingt durch ihre höhere Kapazität effizienter als Kurzstreckenflieger. Und einmal ganz ehrlich: Wie oft steht bei Ihnen eine Fernreise an?

CO2-Kompensation durch Ausgleichszahlungen

Wer doch einmal in die Ferne reisen möchte oder eine Geschäftsreise antritt, kann den Schadstoffausstoß jedoch kompensieren. Viele Airlines bieten zu diesem Zweck bereits bei der Buchung Ausgleichszahlungen an. Diese stehen in einem Verhältnis zur ausgestoßenen CO2-Menge der Reise. Die eingesammelten Gelder wandern anschließend in einen Topf, aus dem verschiedene Organisationen in Klima- und Umweltschutzprojekte investieren.
Dazu zählen etwa Schutzprojekte für den Regenwald, die Aufforstung von Wäldern oder der Ausbau erneuerbarer Energien in Schwellenländern, wo oftmals besonders schmutzige Kraftwerke in Betrieb sind. Auch wer allgemein etwas für die CO2-Kompensation seines Lebensstils tun möchte, kann sogenannte Kompensationszahlungen an diverse Organisationen leisten. Sie wollten schon immer einmal wissen, wie hoch Ihr persönlicher Ressourcenverbrauch ist? Dann testen Sie sich und lassen Sie Ihren Ökologischen Fußabdruck berechnen.

Weltreisen sind auch ohne Flugzeug möglich

Der Verzicht auf Flugreisen ist aus Umweltsicht die sinnvollste Maßnahme. Das bedeutet im Gegenzug aber nicht, dass Sie komplett auf Fernreisen verzichten müssen. Jedenfalls dann nicht, wenn Sie bereit sind, mehr Zeit einzuplanen und auf Komfort zu verzichten. Ein gutes Beispiel dafür, dass man auch ohne Flugzeug weit kommen kann, ist Ole Müller. Der Student aus Deutschland hat es geschafft, eine Weltreise ohne Flugzeug zu bewältigen.
Wie das gehen soll? Nun, Ole verriet gegenüber dem Magazin Vice einige Kniffe, mit denen es jeder schaffen kann. So nutzte er beispielsweise den Nachtzug für längere Strecken oder ein gemietetes Boot für die Erkundung der Inselwelt Südostasiens. Auch Trampen sei vor allem in Osteuropa eine Alternative, um von A nach B zu kommen. In Indien existiere hingegen ein gutes Busnetz, auf dem sich selbst entlegene Regionen erreichen lassen, so der Weltenbummler gegenüber Vice. Auch die Weltreise mit dem Fahrrad liegt zunehmend im Trend.

Kluges Reisen ist der effektivste Umweltschutz

Unter dem Strich zeigt sich, dass Fernreisen auch ohne Flugzeug möglich sind. Allerdings sind diese für die meisten arbeitenden Menschen zeitlich kaum zu realisieren. Auch für den wohlverdienten Jahresurlaub mit dem Nachwuchs ist das Modell nicht gerade prädestiniert. Immerhin gibt es ausreichend Reiseziele im Inland sowie im europäischen Ausland, die mit dem Zug oder dem Reisebus erreichbar sind.
Und wer zudem auf unnütze Kurzstreckenflüge verzichtet, den CO2-Ausstoß seiner Flüge kompensiert und auch an anderen Stellen Energie und Ressourcen spart, darf ab und an auch mit gutem Gewissen in den Flieger steigen. Schließlich gibt es auch deutlich emissionsreichere Reiseformen – Kreuzfahrten zum Beispiel.

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