Sind Elektrobusse die Zukunft des ÖPNV?

In Deutschlands ÖPNV-System sind derzeit rund 22.000 Dieselbusse unterwegs. Allein im Jahr 2017 wurden 6.700 neue Busse zugelassen – davon zu 99 Prozent Dieselfahrzeuge. Das ist der aktuelle Status-quo im öffentlichen Personennahverkehr. Eine Bilanz, die in Zukunft gehörig ins Wanken geraten könnte, denn die Elektromobilität steht auch im ÖPNV-Sektor in den Startlöchern.

Sind Elektrobusse die Zukunft des ÖPNV?
Bild: adobe.stock.com/Petair
Spätestens seit dem Dieselgipfel am 28. November 2017 und dem dort beschlossenen „Sofortprogramm Saubere Luft 2017-2020“ ist einiges in Bewegung geraten, um den ÖPNV nachhaltiger und die Luft sauberer zu machen. Sind also Elektrobusse die Zukunft des ÖPNV?

Welche Vorteile bieten Elektrobusse?

Die komplette Elektrifizierung des Busverkehrs in deutschen Städten hat enorme Vorteile. Immerhin legen die rund 22.000 Dieselbusse jeden Tag im Durchschnitt rund 300 Kilometer zurück. Das entspricht etwa 2,4 Milliarden Kilometern pro Jahr, die jeweils mit einem enormen fossilen Kraftstoffverbrauch sowie einem Ausstoß von CO2 und potentiell krebserregenden Feinstäuben verbunden sind. Damit gilt an dieser Stelle die gleiche Argumentation wie für die generelle Umstellung von Verbrennungs- auf Elektromotoren. In naher Zukunft könnte es also vorbei sein mit Bussen, die unter lautem Getöse mit einer grauen Rauchwolke an den Bushaltestellen der Republik anfahren.
Interessanterweise könnte der öffentliche Personennahverkehr somit auch der Treiber für die flächendeckende Elektromobilität sein. Ursächlich sind die für den ÖPNV notwendigen Investitionen in eine leistungsstarke Ladeinfrastruktur, die für einen überschaubaren Mehraufwand mit einem Ausbau der automobilen Ladeinfrastruktur kombiniert werden kann. Frei nach dem Motto „die Elektromobilität nährt die Elektromobilität auf allen Ebenen“, können die Akkukapazitäten der Busse gerade im Norden der Republik auch als nützlicher Speicher bzw. Verbraucher für überschüssigen Ökostrom genutzt werden. Möglich ist zudem der Einsatz von gasbetriebenen Bussen, die Gas tanken, das per Power-to-Gas-Verfahren aus überschüssigem Ökostrom gewonnen wurde.


Quelle: statista.com

Reichweite ist aktuell noch das größte Problem

So schön die Vision auch erscheint, so sind doch immer noch eine Menge Probleme zu lösen. Und das betrifft aktuell leider vor allem deutsche Hersteller. Sowohl MAN als auch der weltweit größte Busfabrikant Daimler sind in den vergangenen Jahrzehnten Opfer ihres Erfolges gewesen. Schließlich haben die Unternehmen den Dieselmotor bis zur Perfektion konstruiert und mit den Modellen der Euro-6-Norm auch erst neue Aggregate auf den Markt gebracht.
Nun ist allerdings Umdenken angesagt, denn große ausländische Hersteller wie Solaris aus Polen oder etwa die Chinesen von BYD, die in Ungarn bereits ein europäisches Werk für E-Busse errichtet haben, schlafen nicht. Glücklicherweise hat auch Mercedes-Benz seit einigen Jahren die Zeichen der Zeit erkannt und mit dem E-Citaro einen eigenen Elektrobus auf die Räder gestellt. Allerdings krankt dieser noch an der Reichweite.
Unter optimalen Bedingungen reicht der 243 kWh starke Akku nämlich gerade einmal für 150 Kilometer aus. Inklusive den Kapazitätsverlusten, die nach sechs bis acht Betriebsjahren bei 15 bis 20 Prozent liegen können, blieben damit lediglich gut 110 Kilometer Reichweite übrig. Das Problem ist dem größten Bushersteller der Welt allerdings bekannt. Und so soll die Akkukapazität bis zum Serienstart mit Hilfe neu entwickelter Akasol-Akkus um rund 35 Prozent steigen und somit eine Reichweite von mehr als 200 Kilometern ermöglichen. Schon Ende dieses Jahres möchte der Daimler-Konzern seinen E-Bus vorstellen.

Klimatisierung ist ein Schlüsselproblem

Niemand möchte im Sommer während einer Busfahrt durch die Stadt schwitzen oder bei Minusgraden im Winter frieren. Bei konventionellen Dieselbussen wird diese Aufgabe sehr effizient mit Hilfe des Dieselaggregats erledigt. Für die Elektrifizierung ist aber genau das ein großes Problem, denn die Klimatisierung saugt die Akkus leer. Aktuell werden bei Minusgraden gar bis zu 50 Prozent der Energie benötigt, um den Fahrgastraum zu heizen.

Die Niederlande als Vorbild

Dass E-Busse auch im Realbetrieb funktionieren, beweisen die Niederlande. Allein in Eindhoven sind bereits mehr als 40 E-Gelenkbusse des Herstellers VDL in Betrieb und leisten dort im Schnitt sogar mehr als 300 Kilometer pro Fahrzeug und Tag ab. Möglich wird das unter anderem durch ein ausgeklügeltes Ladesystem aus Schnelladern für den Tagesbetrieb und Langsamladern für das Aufladen in der Nacht. In Amsterdam ist man noch einen Schritt weiter und setzt schon 100 elektrische Gelenkbusse ein, die gar per Schnelladefunktion in der Spitze mit maximal 420 kW betankt werden. Das bedeutet nichts anderes, als dass eine vollkommen leere 170 kWh-Batterie in nicht einmal 20 Minuten vollständig wieder aufgeladen ist.

Die Zukunft ist elektrisch

Auch die 45 deutschen Städte, die bereits Elektrobusse testen, zeigen sich von den Resultaten angetan, wenngleich sich die Hersteller für einen flächendeckenden und wirtschaftlichen Betrieb noch etwas ins Zeug legen müssen. „Die Zukunft gehört zwar der Elektromobilität – auch beim Bus – aktuell sind die Fahrzeuge aber bezüglich der Wirtschaftlichkeit, der Reichweite und der Ladeinfrastruktur noch nicht für einen großflächigen Verbundbetrieb geeignet. Hier erwarten wir aber künftig von den Herstellern deutliche Verbesserungen. So etwas kann bei der Entwicklung der Fahrzeuge oder den Batterien im positiven Sinn durchaus auch mal disruptiv erfolgen“, so Alexander Freitag, der Geschäftsführer des Münchner Verkehrsverbundes. Die Zukunft ist also auch im ÖPNV elektrisch.

lifestrom - Dein günstiger Stromtarif
Wechsle jetzt einfach und kostenlos zu lifestrom und sichere Dir zu Deinem Stromtarif eine attraktive Prämie*!

Wie kann ich Ihnen helfen?×

lifestrom ChatBot starten