So können wir die Ozeane vom Plastik befreien

Wer sich im Supermarkt schon einmal darüber aufgeregt hat, dass Schokoriegel gleich doppelt in Folie verpackt sind, dass Bio-Gemüse in Plastikschalen angeboten wird und dass frisches Gebäck in klobigen Kunststoffkästchen zu kaufen ist, der hat das Problem erkannt.

Bild: stock.adobe.com/aryfahmed
Plastik!

Plastik richtet massiven Schaden an

Überall, wo wir hinsehen, werden Produkte in Unmengen an Plastik gehüllt, obwohl wir bessere Verpackungsmaterialien zur Verfügung haben und Kunststoffe an anderer Stelle ein wertvollerer Rohstoff sind. Das Problem an der Sache ist, dass große Mengen dieses Plastiks nicht im Recycling-System, sondern im Meer landen, da Müll vielerorts weder getrennt noch fachgerecht entsorgt wird. Und das hat erhebliche Folgen für unsere Meere. Verendete Seevögel, in deren Mägen Plastikfolie gefunden wird, und Schildkröten, deren Panzer in Form einer Acht rund um einen Getränkering wächst, sind nur zwei Beispiele.
Noch wesentlich gefährlicher wird es jedoch, wenn sich die großen Plastikteile in Mikroplastik zerlegen. Denn die oft nur einen Millimeter kleinen Teilchen werden von Fischen gefressen und gelangen so in großem Stil in die Nahrungskette und damit auch auf unsere Teller. Grund genug also, dass wir uns Gedanken darüber machen, wie wir die Meere vom Plastikmüll befreien können. Laut aktuellen Schätzungen treiben pro Mensch auf dem Globus nämlich bereits 700 Plastikteile im Meer. Glücklicherweise gibt es aber schon einige vielversprechende Projekte, die sich der Müllproblematik annehmen.

Kunststoffmüll produktiv nutzen

Man muss nicht immer gleich ein riesiges Projekt lostreten, um einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen. Nach diesem Motto verfährt beispielsweise die niederländische Initiative „Healthy Seas“. Der Zusammenschluss aus einer NGO und gleich zwei Textilunternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, die Küsten mit Hilfe von Tauchern von alten Fischernetzen, den sogenannten „Geisternetzen“ zu befreien. Diese werden je nach Material anschließend fachgerecht entsorgt oder im Rahmen eines Recyclingverfahrens zu Nylongarn verarbeitet. Aus diesem wiederum entstehen neue Produkte wie T-Shirts, Unterwäsche, Socken und Teppiche.

Verunreinigungen schon an der Quelle stoppen

Dieses Ziel haben sich zwei australische Surfer mit ihrem Projekt „Seabin“ gesetzt. Zu diesem Zweck haben sie einen „Meeres-Mülleimer“ entwickelt, der über eine Pumpe Plastikteile ansaugt und diese in Auffangbehälter befördert, sodass der Kunststoff recycelt werden kann. Das Einsatzgebiet soll sich auf die Häfen dieser Welt erstrecken, denn ein großer Teil des Plastikmülls, der am Ende in den großen Strömungsstrudeln der Ozeane landet, stammt direkt aus kleinen und großen Häfen.
Damit aber noch nicht genug, denn der „Seabin“ soll auch dazu fähig sein, Öl und andere schädliche Substanzen aus dem eingesaugten Wasser herauszufiltern. Bis der „Seabin“ im großen Stil eingesetzt werden kann, wird wohl aber noch einige Zeit vergehen, zumal die Produktion des per Crowdfunding finanzierten Projekts noch in der Pilotphase steckt.

Mit der „Seekuh“ gegen vermüllte Küstengewässert

Mit Ausnahme der großen Müllstrudel sammelt sich der meiste Unrat direkt vor den Küsten. Mit einem als Müllsammler konstruierten Katamaran möchte der Verein „One Earth – One Ocean“ dies ändern. Zwischen den beiden Rümpfen des solarbetriebenen Katamarans befinden sich engmaschige, bewegliche Fangnetze, mit deren Hilfe der an der Oberfläche treibende Müll eingesammelt wird. Dank der einfachen aber effektiven Konstruktion ist die „Seekuh“ günstig in der Herstellung und kann dementsprechend großflächig eingesetzt werden. Geht es nach dem Initiator Günther Bonin, sollen die bis zu zwei Tonnen Plastik, die pro Fahrt gesammelt werden können, in Zukunft an Bord von Öltankern gebracht und dort direkt recycelt werden. Das Ergebnis des Prozesses soll reines Erdöl sein.

Große Probleme mit großen Ansätzen lösen

Die Einbringung von neuem Plastik in die Ozeane frühzeitig zu verhindern ist wichtig, löst aber nicht das Problem von Abermillionen Tonnen Müll, die in den großen Strudeln der Ozeane treiben. Unter dem Namen „The Ocean Cleanup“ hat sich ein junger Niederländer vorgenommen, die wirklich großen Müllansammlungen wie den großen Pazifischen Müllstrudel („Great Pacific Garbage Patch“) zu beseitigen.
Die Idee ist so einfach wie genial. Im Rahmen des Projekts ist vorgesehen, aufblasbare Arme v-förmig mit Hilfe einer am Meeresboden verankerten Plattform zu installieren. Auf diese Weise soll die Strömung des Strudels den Müll in diese „Falle“ spülen, sodass das Plastik nur noch eingesammelt werden muss, um wiederverwertet zu werden. Nachdem das System bereits mehrfach erfolgreich getestet wurde, arbeitet man aktuell an mehreren dieser Systeme in verschiedenen Größen, sodass der Praxiseinsatz am Pazifischen Müllstrudel im Jahr 2020 beginnen kann.

Ein Problem bleibt ungelöst

So vielversprechend die vorgestellten Projekte auch sind, so bleibt ein zentrales Problem doch ungelöst. Kürzlich kursierte in einschlägigen Wissenschaftsmagazinen die Meldung, dass Forscher bei Tauchgängen in den pazifischen Tiefseegräben nicht etwa unbekannte Arten entdeckt haben, sondern Plastikmüll. Einige Kilometer unter dem Meeresspiegel trieb eine einsame Plastiktüte umgeben von Unmengen an Mikroplastik. Und genau das ist das Problem.
Aktuell verfügen wir zwar über die technologischen Möglichkeiten, um den an der Oberfläche treibenden Plastikmüll in Häfen, in Küstengewässern und in den Müllstrudeln der Ozeane zu beseitigen -eine Lösung für das Mikroplastik, das unaufhaltsam gen Meeresboden sinkt, haben wir aktuell jedoch noch nicht. Bis wir eine solche Lösung gefunden haben, sollten wir also zwei Dinge tun: Erstens den Plastikmüll von der Meeresoberfläche entfernen und zweitens verhindern, dass neuer Kunststoff in die Ozeane gelangt.
Und an dieser Stelle kann jeder seinen Beitrag leisten. Sei es durch den Verzicht auf unnötig stark verpackte Produkte oder eine strikte Mülltrennung. Immerhin befinden wir uns auf einem guten Weg. Das zunehmende Verschwinden von Plastiktüten aus unseren Innenstädten und das künftige EU-Verbot für Einweg-Strohhalme aus Plastik sind hier nur einige Maßnahmen.

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