Sonderkündigung – Wann darf ich meinen Vertrag kündigen?

Einer der größten Fallstricke bei Strom- und Gasverträgen ist die Vertragslaufzeit. Viele Verbraucherverträge werden nämlich in der Annahme geschlossen, dass eine möglichst lange Vertragsbindung an einen Anbieter die beste und günstigste Lösung ist.

Die Checkliste für den Stromanbieterwechsel
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Wer in dieser Situation zu einem günstigeren Anbieter wechseln möchte, hat oft ein Problem, da ebenfalls eine lange Kündigungsfrist einzuhalten ist. In vielen Fällen gibt es jedoch eine Hintertür, um das Vertragsverhältnis vorzeitig zu beenden.

Verbraucher mit Grundversorger-Tarif haben ein Ass im Ärmel

Glaubt man aktuellen Statistiken, haben rund 40 Prozent aller Haushalte im Bundesgebiet noch niemals ihren Stromanbieter gewechselt. Dementsprechend hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die betreffenden Haushalte über sogenannte Grundversorgertarife vom örtlichen Energieanbieter mit Strom bzw. Gas versorgt werden. Problematisch sind hier vor allem die Kosten, denn es ist keine Seltenheit, dass beispielsweise die Kilowattstunde Strom über 30 Cent kostet. Zum Vergleich: Bei günstigen Anbietern sind es nicht einmal 25 Cent pro Kilowattstunde.
Einen Vorteil hat der Grundversorgertarif jedoch: Die Kündigungsfrist für den Anbieterwechsel beträgt nicht mehrere Monate, sondern lediglich 7 bis 14 Tage. Hier reicht ein formloser Zweizeiler mit Anschrift, Zählernummer und Zählerstand aus, um das Vertragsverhältnis zu beenden. Noch einfacher ist es, den neuen Anbieter die Bürokratie übernehmen zu lassen. Wie das funktioniert haben wir bereits in mehreren Artikeln zum Thema Stromanbieterwechsel detailliert beschrieben.

Sonderkündigungsrecht bei Strompreiserhöhungen

Wenn der Stromversorger wieder einmal an der Preisschraube dreht, ist das eigentlich ein Grund zum Ärgern, denn schließlich wird damit erneut vieles teurer. Nicht selten kommt es vor, dass Anbieter aufgrund von Nachfrageschwankungen oder sonstigen externen Einflüssen den Preis erhöhen. Schlaue Gas- und Stromkunden nutzen diese Vorlage geschickt aus, um aus dem Vertrag auszusteigen.
In der Praxis wird der Anbieter durch die Erhöhung des vormals vertraglich zugesicherten Preises nämlich vertragsbrüchig, wodurch Verbrauchern ein Sonderkündigungsrecht eingeräumt wird. Dieses muss allerdings auch aktiv wahrgenommen werden, denn ansonsten gilt das Prinzip der „stillschweigenden Duldung“ der Preiserhöhung durch den Verbraucher. Sobald also die schriftliche Mitteilung über die Preiserhöhung im Briefkasten landet, kann der Vertrag jederzeit und mit sofortiger Wirkung einseitig gekündigt werden.
Verbraucherzentralen weisen im Übrigen auch darauf hin, dass auch die Erhöhung der EEG-Umlage und die damit verbundene Kostenweitergabe an den Kunden ein Fall für die Ausübung des Sonderkündigungsrechts sei. Dementsprechend raten Experten dazu, sich auch in einem solchen Fall auf das Sonderkündigungsrecht zu berufen und die Reaktion des Versorgers abzuwarten.

Sonderkündigung bei Aus- und Umzug

Umzüge gehören zum Leben dazu, wie die Luft zum Atmen. Wenige wissen allerdings, dass auch der Auszug- bzw. der Umzug eine willkommene Möglichkeit ist, sich von seinem teuren Stromversorger zu trennen. Hier gilt es allerdings ein paar Feinheiten zu beachten, denn nicht immer ist ein Sonderkündigungsrecht gegeben. Wie bereits beschrieben, können Verbraucher den Grundversorgertarif auch beim Umzug jederzeit ohne zusätzliche Bedingungen kündigen.
Wurde der Vertrag bei einem anderen Versorger geschlossen, besteht kein grundsätzliches Sonderkündigungsrecht. Aufgrund der hierzulande vorherrschenden Vertragsfreiheit zwischen zwei Parteien ist die Gewährung eines Sonderkündigungsrechts beim Um- oder Auszug ein freiwilliges Zugeständnis. Ein Zugeständnis jedoch, das die meisten Anbieter ihren Kunden gewähren. Welche Bedingungen dafür einzuhalten sind, ist jeweils in den allgemeinen Geschäftsbedingungen des Anbieters zu finden.

Form- und fristgerecht kündigen

Wer sein Sonderkündigungsrecht wahrnehmen möchte, muss die Kündigung aber auch korrekt einreichen. Damit eine Sonderkündigung wirksam wird, muss diese zwingend in Schriftform vorliegen, also per Mail oder Brief eingereicht werden. Zusätzliche Sicherheit verschafft hier ein Einschreiben, sodass der fristgerechte Eingang des Kündigungsschreibens beim Anbieter aktenkundig ist. Gerade bei der Ausübung des Sonderkündigungsrechts infolge einer Preiserhöhung ist auf die meist eng gesetzten Fristen zu achten. In der Regel haben Verbraucher hier nur 14 Tage Zeit. Um sicherzustellen, dass nach der ausgesprochenen Kündigung auch keine Abbuchungen mehr stattfinden, sollte zeitgleich auch die Einzugsermächtigung für das Girokonto entzogen werden.