Spart die Zeitumstellung wirklich Strom?

Jedes Jahr im März und Oktober stellen sich Millionen Bürger hierzulande die Frage: „Vor oder zurück?“ Dabei geht es natürlich um die Zeitumstellung, die erstmals bereits während des Ersten Weltkriegs eingeführt wurde, um Energie zu sparen.

Spart die Zeitumstellung wirklich Strom?
Bild: CatLane / istockphoto.com
An diesem Motiv hat sich bis heute auch nichts geändert. Und so stellen Millionen Bürger seit 1980 zweimal jährlich brav die Uhren um. Aber spart die Zeitumstellung wirklich Energie oder überwiegen sogar die negativen Folgen?

Energieersparnis erscheint logisch

Die seit dem Jahr 1996 in der gesamten EU verankerte Umstellung zwischen Sommer- und Winterzeit zielt darauf ab, durch die effizientere Nutzung des Tageslichts Strom zu sparen. Dies scheint auf den ersten Blick auch sinnvoll. Durch das Vorstellen der Uhr auf die Sommerzeit ist es schließlich länger hell, sodass weniger Strom für die künstliche Beleuchtung verbraucht wird. Soweit die Theorie.
In der Praxis zweifeln aber immer mehr Menschen am Sinn dieser Maßnahme. Laut einer repräsentativen Befragung der Krankenkasse DAK halten rund 73 Prozent der Befragten die Zeitumstellung für überflüssig. Das Gespür der Menschen ist richtig, denn sowohl das Umweltbundesamt als auch Energie- und Verkehrsverbände bestätigen die Wirkungslosigkeit und decken gar erschreckende Nachteile auf.

Sommerzeitumstellung spart keinen Strom

Bereits im Jahr 2005 legte die Bundesregierung auf Anfrage der FDP-Fraktion dar, dass die Sommerzeit hinsichtlich des Energieverbrauchs keinen Vorteil bietet. Ursächlich ist unter anderem, dass der eingesparte Strom durch die Vorverlegung der täglichen Heizperiode um eine Stunde ausgeglichen bzw. sogar überkompensiert wird. Seither hat sich natürlich auch am Energieverbrauch der Beleuchtungstechnik einiges getan.
Während zur Zeit der Einführung im Jahr 1980 vorwiegend energiefressende Glühlampen verbreitet waren, reduzieren moderne LED-Leuchtmittel den Stromverbrauch so deutlich, dass die Zeitumstellung heute keinen nennenswerten Einfluss auf den Stromverbrauch mehr hat. Eine Untersuchung des Büros für Technik-Abschätzung (TAB) aus dem Jahr 2016 beziffert die potentielle Einsparung ohne die Heizkostenkompensation gegenzurechnen auf 0,21 Prozent gemessen am jährlichen Gesamtstromverbrauch der Bundesrepublik.

Negative Folgen überwiegen

Im Rahmen der gleichen Untersuchung kamen die Wissenschaftler zu der Erkenntnis, dass auch die biologischen Folgen der Zeitumstellung weitaus größer sind, als man es vormals angenommen hatte. Es ist bei weitem nicht nur ein gefühlter Mini-Jetlag, der die biologische Uhr vieler Menschen noch Tage nach der Zeitumstellung durcheinanderbringt.
Die damit einhergehenden Schlafstörungen und Konzentrationsschwächen können sogar sehr ernsthafte Folgen haben. Das belegen sowohl Zahlen des europäischen Autoclubs (ACE) als auch Daten einer britischen Studie über die Unfallzahlen der Jahre 1996 bis 2006. Demnach steigt die Zahl von Verkehrsunfällen insbesondere in der Woche nach der Zeitumstellung um bis zu 30 Prozent an. Als Ursache werden Schlaf- und Konzentrationsprobleme genannt.

Kein Ende der Zeitumstellung in Sicht

Dass die Umstellung zu keinen nennenswerten Einsparungen führt, stellte allerdings schon der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft im Jahr 2010 ebenso heraus wie die Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) im Jahr 1994. Wenn also schon lange bekannt ist, dass die Zeitumstellung keine Energie einspart, sondern womöglich sogar einen negativen Gesamtsaldo erzeugt und den Menschen darüber hinaus noch zusätzliche Probleme bereitet: Warum wird die Zeitumstellung dann nicht einfach abgeschafft?
Das Problem liegt darin, dass es sich um EU-Recht handelt, das nicht durch nationale Parlamente umgangen werden kann. Und so werden die Menschen in Europa wohl noch warten müssen, bis sich das EU-Parlament zur Abschaffung der Zeitumstellung durchringt. Die Fakten sprechen jedenfalls gegen eine Unterscheidung von Sommer- und Winterzeit.