Strom- und Gasanbieter beim Umzug wechseln

Für einen Umzug gibt es viele Gründe. Bei manchen steht ein Berufswechsel an. Andere hingegen erwarten Nachwuchs und brauchen mehr Platz. Und für einige ist es sogar der Schritt aus dem Elternhaus in die erste eigene Wohnung.

Strom- und Gasanbieter beim Umzug wechseln
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Eines haben alle diese rund 8 Millionen Umzüge, die in Deutschland jährlich über die Bühne gehen, aber gemeinsam: den großen logistischen und bürokratischen Aufwand. Zugegeben, bei all den Dingen, die zu erledigen sind, fällt die Ummeldung von Gas und Strom oft unter den Tisch. Um nicht ungewollt in die teure Grundversorgung zu geraten, sollten sich Verbraucher allerdings frühzeitig um das Thema kümmern.

Stromversorger behalten oder wechseln?

Für alle, die nicht ohnehin ihre erste eigene Wohnung beziehen, ist der Umzug die ideale Gelegenheit, den Strom- und Gasversorger zu wechseln. Gerade Haushalte, die sich in einem Grundversorgertarif befinden, profitieren enorm von einem Wechsel. Da der Wechsel in einem solchen Fall besonders einfach ist, spricht auch nichts dagegen. Die einzig bindende Klausel ist in dieser Hinsicht die Kündigungsfrist von 7 bzw. 14 Tagen. Der Wechsel kann in einem solchen Fall also auch noch kurzfristig ohne finanzielle Nachteile erfolgen.

Wer hingegen bereits einen attraktiven Versorgervertrag abgeschlossen hat, kann diesen in der Regel auch behalten. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Versorger auch den neuen Wohnort beliefert. Gerade bei bundesweit vertretenen Energieunternehmen ist die Mitnahme wahrscheinlich möglich. Letzte Klarheit verschafft aber nur die Rücksprache mit dem Anbieter. Nichtsdestotrotz sollten einige Punkte bei der Mitnahme des Anbieters beachtet werden:

Checkliste: Mitnahme des Strom- und Gastarifs

  • Beim Vermieter die Zählernummern der neuen Wohnung erfragen
  • Anfrage beim Strom- bzw. Gasversorger bzgl. Mitnahmemöglichkeit
  • Ummeldung beim Strom- bzw. Gasversorger (6-8 Wochen vor dem Umzug)
  • Bei Wohnungsübergabe den Zählerstand der alten und der neuen Wohnung fotografieren
  • Den Zählerstand der neuen Wohnung zum Übernahmestichtag an den Versorger übermitteln
  • Abschlussrechnung kontrollieren
  • Vorsicht vor dem Kleingedruckten

    Wer seinen Stromanbieter bzw. Tarif nicht mitnehmen will, muss auf andere Dinge achten. Während der Ausstieg aus der Grundversorgung am alten Wohnort vergleichsweise leicht ist, kann sich dies bei einem individuellen Vertrag außerhalb der Grundversorgung anders darstellen. Anders als beim Grundversorgervertrag haben Verbraucher hier im Fall des Umzugs kein obligatorisches Sonderkündigungsrecht. Die Kündigungsmodalitäten hängen nämlich von der individuellen Vertragsgestaltung ab und besagen im „schlimmsten“ Fall, dass eine Kündigungsfrist von mehreren Wochen oder Monaten einzuhalten ist.

    Wer umzieht und seinen Anbieter wechseln will, sollte also möglichst früh einen Blick in die Vertragsunterlagen werfen und die Kuh vom Eis holen. Viele Verträge beinhalten im Rahmen der sogenannten „Umzugsklausel“ jedoch zwei Ausnahmen. Ein Sonderkündigungsrecht besteht beispielsweise dann, wenn der alte Versorger nicht im neuen Wohnort tätig ist.

    Aber auch wenn er dort tätig ist, besteht die Möglichkeit auf eine Sonderkündigung, sofern der Strompreis für den Verbraucher durch eine abweichende Tarifberechnung im neuen Versorgungsgebiet steigen würde. Dies entspricht dann sozusagen dem „Tatbestand“ der außerplanmäßigen Strom- bzw. Gaspreiserhöhung, die ohnehin mit einem gesetzlichen Sonderkündigungsrecht verbunden ist. Wer wechseln will, hat also Folgendes zu beachten:

    Checkliste für wechselwillige Eigenheimbesitzer und Mieter

  • Beim Vermieter die Zählernummern der neuen Wohnung erfragen (bzw. bei Eigenheimbezug vom Vorbesitzer erfragen)
  • Aktuellen Versorgungsvertrag bzgl. Kündigungsfrist prüfen
  • Vor Anbruch der Kündigungsfrist einen Anbietervergleich durchführen
  • Notwendige Daten wie neue Anschrift, Zählernummer, Kundennummer beim Altversorger und den geschätzten Jahresverbrauch bereithalten
  • Wechsel beim neuen Anbieter in die Wege leiten
  • Auf die schriftliche Vertragsbestätigung warten
  • Sich auf den Umzug konzentrieren
  • Zählerstände in alter und neuer Wohnung dokumentieren
  • Abschlussrechnung kontrollieren
  • Wichtig: Heute übernimmt der neue Strom- bzw. Gasversorger alle bürokratischen Formalitäten bei einem Anbieterwechsel inklusive der Abmeldung beim alten Versorger. Daher ist es nicht ratsam, den Versorgervertrag auf eigene Faust zu kündigen. Eine Ausnahme besteht nur bei der Inanspruchnahme des Sonderkündigungsrechts bei relativ langen Kündigungsfristen, sofern diese nicht eingehalten werden können.

    Hier macht es Sinn, dem Altanbieter schriftlich mit Hinweis auf das Sonderkündigungsrecht zu kündigen und gleichzeitig die Einzugsermächtigung für die Abbuchung der monatlichen Abschläge zu entziehen. Über die Kündigung muss auch der neue Versorger umgehend in Kenntnis gesetzt werden.

    Besonderheiten bei Mietern und Wohngemeinschaften

    Ausnahmen bestätigen die Regel. Und so ist es natürlich auch beim Stromanbieterwechsel im Fall eines Umzugs. Erfolgt die Abrechnung von Strom und Gas direkt über den Vermieter, ist der Umzug in der Regel problemlos, da der Vermieter der Vertragspartner des Versorgers ist. In einem solchen Fall ist die fristgerechte Kündigung des Mietvertrags ausreichend, um sich vom aktuellen Versorger loszueisen und einen neuen zu suchen.

    Wohngemeinschaften sind hingegen eine diffizile Angelegenheit, da hier oft ein Kommen und Gehen herrscht. In der Regel ist es so, dass ein Mitbewohner, meist der Hauptmieter, auch der Vertragspartner für den Energieversorger ist. In einem solchen Fall beteiligt sich jedes zusätzliche WG-Mitglied je nach Abmachung zu einem bestimmten Teil an den Energiekosten. Weder beim Einzug noch beim Auszug sind in der Regel große Hürden zu beachten. Für die Suche nach einem Anbieter für die neue Wohnung gelten die bereits genannten Kriterien.

    Wirklich problematisch wird es, wenn der Hauptmieter auszieht bzw. der Mieter die Wohngemeinschaft verlässt, der als Vertragspartner des Versorgers gilt. Hier gehen viele Wohngemeinschaften auf Nummer sicher und lassen gleich zwei Mieter als Vertragspartner auftreten. Zieht also einer aus, geht der Vertrag nach Rücksprache komplett auf den anderen Mieter über.

    Ist der Vertrag hingegen nur auf ein WG-Mitglied abgeschlossen, greifen die Bedingungen, die auch für Mieter und Eigenheimbesitzer gelten. Damit müssen sich die verbliebenen Mitglieder einen neuen Versorger suchen oder gehen automatisch in die Grundversorgung über. Ausgenommen ist auch hier wieder die Energiekostenabrechnung über den Vermieter.