Von der Quelle bis zur Therme – Der Weg des Erdgases

Erdgas ist einer der wichtigsten Energieträger der Menschheit. Allein die Erzeugung von Heizwärme in privaten Haushalten verschlingt enorme Mengen. Auch aktuell heizen noch rund 50 Prozent aller Bundeshaushalte mit Erdgas. Und das hat auch einige gute Gründe: Erdgas ist vergleichsweise einfach zu handhaben, verschlingt vor Ort keinen Lagerplatz und verursacht geringere CO2-Emissionen als beispielsweise Heizöl.

Von der Quelle bis zur Therme - Der Weg des Erdgases
Bild: adobe.stock.com/Michael Rosskothen
Bevor das Erdgas aber für wohlige Wärme in unseren Wohnungen sorgt, muss es eine lange Reise zurücklegen. Kommen Sie mit auf eine Reise von der Quelle bis zur Therme!

Wo wird Erdgas gefördert?

Hätten Sie gewusst, dass Erdgas auch bei unseren Nachbarn in den Niederlanden und sogar bei uns gefördert wird? Nein? Das ist kein Problem, denn die vor unserer Haustür geförderte Gasmenge macht nur einen Bruchteil der Gasversorgung Deutschlands aus. Der Großteil des weltweit geförderten Erdgases stammt nach wie vor aus anderen Ländern. Für viele durchaus überraschend: An der Spitze der Fördernationen steht nicht etwa Russland oder ein Staat aus dem Mittleren Osten, sondern die USA.
Im Jahr 2017 haben die Vereinigten Staaten 734,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert, was etwa 20 Prozent der Weltfördermenge entspricht. Auf Platz zwei folgt Russland mit 635,6 Milliarden Kubikmetern (17,3 Prozent) vor dem Iran mit 223,9 Milliarden Kubikmetern (6,1 Prozent). Ausgehend von diesen Förderländern begibt sich das Erdgas auf eine lange Reise zu uns. Damit, aus welchen Ländern unser Erdgas stammt und wie die Erdgasförderung funktioniert , haben wir uns bereits an anderer Stelle beschäftigt.

Von der Bohrung in die Aufbereitungsanlage

Nachdem das Erdgas aus der Förderanlage austritt, lässt sich dieses nicht einfach in Tanks speichern oder durch Rohre leiten. Am Beginn der Reise steht die Aufbereitung des Energieträgers. Ein wichtiger Schritt ist dabei die Entfernung sämtlicher Feststoffe wie Sand, Schmutz und anderer Korrosionspartikel. Auch Schwefelwasserstoff, Wasser und flüssige Kohlenwasserstoffe verschwinden im Rahmen der Aufbereitung aus dem Gas. Diese Stoffe würden Transport- und Verbrauchsanlagen beschädigen. Abschließend erhält das eigentlich geruchslose Erdgas durch Zugabe von Stoffen wie Ethylmercaptan seinen typischen Gasgeruch, der vor Lecks warnt.

Über die Pipeline nach Deutschland

Ein Großteil des Gases, das in Deutschland bzw. Europa verbraucht wird, gelangt über Pipelines zu uns. Bevor das Erdgas durch die oft mehr als einen Meter dicken Rohre strömen kann, wird es verdichtet. Nur so lässt sich das Erdgas effizient über mehrere tausend Kilometer quer über den Kontinent pumpen.
Abbildung 2: Quelle: Eigene Darstellung auf Datenbasis von statista.com
Abbildung 1: Quelle: Eigene Darstellung auf Datenbasis von statista.com


Einen Großteil der Strecke legt das Gas in sogenannten Fernleitungen zurück, die eine Nennweite von bis zu 1.400 Millimetern haben. Um den Gasdruck auch während des Transports aufrechtzuerhalten, befinden sich entlang des Pipelineverlaufs Verdichterstationen. Hinzu kommen Untergrundspeicher zur Zwischenspeicherung. Auf diese Weise lassen sich auch Druckunterschiede und Versorgungsengpässe ausgleichen.

Zu den wichtigsten Pipelines für die Erdgasversorgung in Deutschland gehören:

Das Ziel der Optimierung ist eine möglichst flache Heizkurve, da das System so am effizientesten läuft. Da der Verbrauch bei kühlen Temperaturen am höchsten ist, sollten Sie mit der Anpassung warten, bis die Temperaturen unter die 5 Grad-Marke gefallen sind. Anschließend nehmen Sie sich den kühlsten Raum Ihrer Wohnung vor und drehen die Thermostatventile voll auf. Protokollieren Sie die Raumtemperatur nun über mehrere Tage und zu unterschiedlichen Tageszeiten. Erfassen Sie jeweils auch die Außentemperatur.

  • Nord Stream: Verläuft vom russischen Vyborg unter der Ostsee hindurch bis nach Greifswald und transportiert Erdgas vom russischen Erdgasfeld Juschno-Russkoje.
  • Jamal: Pipeline, die Gas von der sibirischen Jamal-Halbinsel durch Russland, Weißrussland und Polen bis ins deutsche Mallnow transportiert.
  • Europipe I: 620 Kilometer lange Pipeline, die das Erdgas der norwegischen Draupner-Plattform bis nach Dornum transportiert.
  • Europipe II: Transportiert norwegisches Erdgas aus der Region Stavanger über 660 Kilometer bis nach Salzwedel.

Einspeisung in die Gasverteilernetze

Sobald das Erdgas am Ende der Fernleitungen angekommen ist, gelangt dieses in die lokalen Gasverteilernetze. Zuvor wird der Gasdruck an Verteiler- und Gasdruckreduzierstationen an den geringeren Rohrdurchmesser angepasst. In der Regel wir der Druck um das Neun- bis Zehnfache reduziert. Die Steuerung der Gasbestellung und Gaslieferung Europas erfolgt mit Hilfe sogenannter Dispatcherzentralen.
Gleichzeitig überwachen die Dispatcher den gesamten Prozess der Lieferabwicklung und stellen die Funktionstüchtigkeit des gesamten Leitungsnetzes sicher. Für die Regulierung des Gasdrucks durch Pumpen von der Bohrung bis zur Ankunft im Zielland wird Energie benötigt. Dieser Energieverbrauch kann bis zu zehn Prozent des Gasbrennwerts entsprechen

Über die Gasverteilernetze in die Therme

Sobald der Druck angepasst wurde, strömt das Erdgas nun mit rund 16 bar durch ein dichteres überregionales Hochdruck-Erdgasnetz. Über dieses Netz gelangt das Erdgas zu den regionalen Verteilernetzen der Kommunen. Dieses weist nur noch einen Druck von 1 bar auf und speist das Gas in ein Niederdrucknetz mit Hausanschlüssen ein.
Allein das Niederdrucknetz (20 Millibar) umfasst in Deutschland mehr als 400.000 Kilometer. Vom Hausanschluss ist der Weg bis zur heimischen Gastherme nun auch nicht mehr weit. Zwischen dem Brenner und dem Erdgas stehen lediglich noch einige Ventile und der Gaszähler. Und wer beim Heizen mit dem weitgereisten Erdgas auch noch sparen möchte, achtet zudem auf die richtige Einstellung der Heizung.

Erdgastransport geht auch ohne Pipeline

Erdgas kann den Bestimmungsort nicht nur gasförmig über Pipelines erreichen, sondern auch in flüssiger Form. Dazu wird das geförderte Erdgas nach der Aufbereitung auf -161,5 Grad Celsius abgekühlt und so verflüssigt. Das so entstehende Liquified Natural Gas (LNG) erreicht seinen Bestimmungsort anschließen per Schiff. Spezielle LNG-Tanker lagern das im Volumen auf ein Sechshundertstel geschrumpfte Gas in sogenannten kryogenen Behältern. Sobald das Gas wichtige Häfen wie beispielsweise Rotterdam erreicht, gelangt es in sogenannte Regasifizierungsanlagen.

Abbildung 2: Quelle: Eigene Darstellung auf Datenbasis von statista.com


Dort wird es in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt und gelangt über das bereits geschilderte Pipelinesystem bis in unsere Gasthermen. Allgemein erhalten LNG-Transporte einen Vorzug gegenüber Pipelines, wenn der Prozess günstiger ist als der Landtransport. In Fachkreisen gelten 4.000 km Seeweg bzw. 2.000 Kilometer Landweg als Schwelle, ab der der LNG-Transport ökonomisch günstiger ist. Aufgrund der Zunahme des globalen Erdgasbedarfs vor allem in Asien wird auch der Umfang der LNG-Transporte weiter zunehmen (siehe Tabelle).

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