Welche Auswirkungen hat die Energiewende auf den Strompreis?

Auch wenn die Energiewende bereits in den 1990er-Jahren beschlossen wurde, hat sie doch erst im Jahr 2011 durch den Atomausstieg richtig an Fahrt gewonnen. Seitdem ist viel passiert, denn neben Photovoltaikanlagen, die auf immer mehr Dächern installiert werden, sprießen auch Windparks wie Pilze aus dem Boden.

Welche Auswirkungen hat die Energiewende auf den Strompreis?
Bild: nopporn/shutterstock.com
Bebünstigtwird die Energiewende dabei unter anderem durch die Mittel aus der EEG-Umlage. Gerade vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welchen Einfluss die Energiewende tatsächlich auf den Strompreis hat und wie sich der Strompreis in den kommenden Jahren entwickeln wird.

Kostentreiber EEG-Umlage

Dass die Strompreise seit fast 20 Jahren jährlich steigen, ist natürlich auch auf die Energiewende zurückzuführen. Ursächlich sind vor allem die Investitionen in die Kraftwerk- und Netzinfrastruktur, die notwendig sind, um die Energieversorgung in Deutschland flächendeckend auf erneuerbare Energien umzustellen. Auch fallen Kosten in Form von Einspeisevergütungen an, die Erzeugern von Strom aus erneuerbaren Energien gezahlt werden, um die Kosten der Stromerzeugung zu decken. Dieser Kostenpunkt ist dem deutschen Stromkunden als EEG-Umlage bekannt, die seit 2003 von 0,41 Cent pro Kilowattstunde auf den Rekordwert von 6,88 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2017 gestiegen ist. Damit hat sich der prozentuale Anteil der EEG-Umlage am Strompreis zwischen 2003 (2,6 Prozent) und 2017 (23,6 Prozent) fast verzehnfacht.

Netzausbau belastet den Strompreis

Da die Erzeugung regenerativer Energie stark von äußeren Umständen wie den Jahreszeiten und dem Wetter abhängig ist, stellt dies eine zusätzliche Belastung für die zum Teil betagten Stromnetze in der Bundesrepublik dar. Laufen an einem sonnigen und sehr windigen Sommertag sowohl Photovoltaikanlagen als auch Windkraftwerke auf vollen Touren, stößt das Stromnetz häufig an seine Grenzen. Um die Energie allerdings bedarfsgerecht vom Ort der Erzeugung zu den Verbrauchern zu bringen, braucht es ein modernes und intelligentes Stromnetz. Auch für diesen Netzausbau fallen Kosten an, die in Form von Netzentgelten auf den Erzeugerpreis aufgeschlagen werden. Allein zwischen 2008 und 2017 sind die Netzentgelte durchschnittlich um 27 Prozent gestiegen.

Langfristig mit sinkendem Strompreis zu rechnen

Eines ist klar: Die Energiewende hat in jedem Fall einen negativen Einfluss auf den Strompreis. Das kann niemand leugnen. Allerdings ist dieser Einfluss genau betrachtet gar nicht so hoch, denn viele Investitionen, wie beispielsweise in moderne Netze oder in den Bau von Gaskraftwerken als Leistungsreserve, waren bereits von langer Hand geplant. Hinzu kommt natürlich, dass sich durch den Ausstieg aus der Kohle- und Atomenergie weitere Faktoren ergeben, die sich erst zukünftig positiv auswirken. Reduzierte Kosten für die Sicherheit und Lagerung zusätzlicher Atomabfälle, eine geringere Feinstaubbelastung sowie ein Zugewinn an Lebensqualität durch die Einstellung des Tagebaus sind ebenfalls in diese Rechnung miteinzubeziehen.
Mit der Verbreitung der erneuerbaren Energien sinken damit unter dem Strich sowohl die Erzeugerkosten selbst als auch diverse Nebenkosten. Energieexperten gehen daher sogar davon aus, dass der Strompreis trotz Energiewende in Zukunft wieder deutlich sinken wird. Annahmen zur Folge soll bis 2030 zumindest wieder das Niveau von 2010 mit durchschnittlich rund 23,6 Cent pro Kilowattstunde erreicht werden. Ein erster Lichtblick für Stromkunden ist bereits der leichte Rückgang der EEG-Umlage im Jahr 2018 auf 6,79 Cent pro Kilowattstunde.

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