Welcher Strom kommt denn nun aus der Steckdose?

Öko oder nicht Öko? Immer mehr Verbraucher machen sich Gedanken darüber, woher sie ihre Energie beziehen und woher der Strom aus ihrer Steckdose kommt. Zu Recht wechseln daher viele Haushalte zu einem Ökostromanbieter, der seinen Strom heute oft sogar günstiger anbieten kann als so mancher Versorger, der auf konventionellen Strom aus Atom- und Kohlekraftwerken setzt.

Strom_aus_der_Steckdose
Quelle: stock.adobe.com/estradaanton
Durch das Vorhandensein der vielen verschiedenen Energieträger fragen sich kritische Verbraucher aber ebenfalls zu Recht, ob denn wirklich Ökostrom aus ihren Steckdosen fließt oder nicht. Wir gehen der Frage auf den Grund.

1. Überall fließt der gleiche Strom

Wir wollen gleich zu Beginn mit dem Ammenmärchen aufräumen, dass Stromkunden mit dem Wechsel zu einem Ökostromanbieter dafür sorgen können, dass ausschließlich Ökostrom aus den eigenen Steckdosen fließt. Das wäre nur dann der Fall, wenn der betreffende Haushalt sich komplett autark mit Hilfe von Photovoltaik- und Windkraft selbst mit Strom versorgt und über keinen Netzanschluss verfügt. Alle anderen Haushalte in Deutschland beziehen exakt den gleichen Strom.
Und das ganz unabhängig davon, ob Sie einen konventionellen Stromtarif, einen Ökostromtarif oder einen speziellen Wasserkrafttarif abgeschlossen haben. Dann macht doch die ganze Ökostromgeschichte gar keinen Sinn, oder? Nicht so voreilig. Nur weil überall derselbe Strom fließt, heißt das nicht, dass der Wechsel zu einem Ökostromanbieter keinen Effekt hat. Im folgenden sind die Gründe dafür.

2. Wie funktioniert unser Stromnetz?

Es hat einen guten Grund, warum in einem Haushalt, der Ökostrom bezieht, kein reiner Ökostrom aus der Steckdose kommt – zumindest noch nicht. Das ist schlicht die Tatsache, dass hierzu eine Leitung von einem reinen Ökostromerzeuger direkt zum beziehenden Haushalt gelegt werden müsste. Dass eine solche Kabelwirtschaft völlig utopisch ist, brauchen wir nicht näher zu erläutern.
Statt jeden Haushalt einzeln in einer Peer-to-Peer-Verbindung mit Strom zu versorgen, funktioniert unser Stromnetz als Netz-Knoten-System. Das bedeutet, dass alle Verbraucher und Erzeuger am selben Netz hängen, wobei man sich konventionelle und alternative Kraftwerke wie die Verbindungsknoten in einem Spinnennetz vorstellen kann. Das hat den Vorteil kurzer Versorgungswege und einer hohen Netzstabilität.
Damit fließt der gesamte in Deutschland erzeugte Strom sozusagen in ein großes Sammelbecken, aus dem jeder Haushalt bei Bedarf in Echtzeit versorgt wird. Dieses Sammelbecken wird auch als Strommix bezeichnet. Dieser setzte sich im Jahr 2017 folgendermaßen zusammen:

Strommix in Deutschland (2017)
Wie wir sehen, machten die erneuerbaren Energien schon im Jahr 2017 33,3 Prozent des deutschen Strommixes aus. Jeder bundesdeutsche Haushalt bezog damit 33,3 Prozent Ökostrom. Das ist zunächst eine gute Nachricht. Warum aber für 100 Prozent Ökostrom zahlen und nur 33,3 Prozent Ökostrom bekommen?

3.Investitionen in regenerative Energien stützen deren Ausbau

Der Umbau von konventionellen Energiequellen auf nahezu 100 Prozent regenerativ erzeugten Strom funktioniert nicht von heute auf morgen. Vielmehr ist dies ein kapitalintensiver Prozess, der jahrelange Investitionen in Forschung, Kraftwerke und Netzinfrastruktur erfordert. Jeder Ökostromkunde fördert damit indirekt den Ausbau des Anteils der erneuerbaren Energien am Strommix in Deutschland und das ganz ohne Aktionismus oder Quoten der Politik.
Möglich macht dies das wohl mächtigste Gesetz der Wirtschaft: das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Je mehr Kunden nämlich Ökostrom beziehen möchten, desto mehr Anbieter sind dazu gezwungen in entsprechende Wind-, Solar- und Biogaskraftwerke zu investieren. Damit gewinnen diese Anbieter Marktanteile hinzu. Anbieter hingegen, die weiterhin nur konventionellen Strom erzeugen, verlieren nach und nach Kunden, da die Nachfrage nach konventionellem Strom sinkt.
So sind auch diese Anbieter dazu gezwungen, auf erneuerbare Energien zu setzen oder alternativ vom Markt zu verschwinden. Die massive Investition in immer größere und effizientere Anlagen hat darüber hinaus zur Folge, dass die Ökostromerzeugung zunehmend günstiger wird und damit auch der Strompreis sinkt. Unter dem Strich also eine „Win-Win-Win“-Situation für Stromkunden, die Umwelt und clevere Stromversorger.
Je mehr Haushalte auf den Ökostrom-Zug aufspringen, desto schneller schreitet die Energiewende in unserem Land voran. Damit ist es dann auch nicht unwahrscheinlich, das Ziel von 40 Prozent Ökostrom noch deutlich vor dem angepeilten Jahr 2025 zu erreichen. Das Gleiche gilt für das große Ziel von 60 Prozent Ökostrom im Jahr 2035.

4. Mit günstigem Ökostrom das Klima schützen

Bereits heute spricht rein gar nichts mehr gegen den Stromanbieterwechsel, denn gute Ökostromversorger bieten schon jetzt Tarife mit weniger als 25 Cent pro Kilowattstunde an. Alleine gegenüber dem durchschnittlichen Strompreis von aktuell rund 29 Cent pro Kilowattstunde ist das eine Ersparnis von fast 14 Prozent. Oder anders gesagt: Eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh spart mit einem solchen Ökostrom-Tarif im Durchschnitt rund 160 Euro und tut zudem noch etwas Gutes für unser Klima.

Wie kann ich Ihnen helfen?×

lifestrom ChatBot starten