Wie der Streetscooter die Energiewende langfristig vorantreibt

Wer regelmäßig im Internet bestellt und in einer der größeren deutschen Städte wohnt, hat den Streetscooter der Deutschen Post bereits in Aktion gesehen. Was aber ist an dem futuristischen E-Auto, das die Meisten nur von Bildern kennen, so besonders? Und warum kann gerade ein unscheinbares Lieferfahrzeug dabei helfen, die Energiewende in Deutschland nachhaltig voranzutreiben? Wir liefern die Antworten.

Zugegeben, wirklich stylisch ist der knallgelbe Streetscooter nicht. Aber das soll er auch gar nicht sein, denn es handelt sich schließlich um das erste völlig CO2-neutrale Lieferfahrzeug und nicht etwa um die erste CO2-neutrale Familienkutsche. Dass das vollelektrisch betriebene Zustellfahrzeug einen so nachhaltigen Erfolg haben würde, konnten die Verantwortlichen bei der aus einer Forschungsinitiative der RWTH Aachen hervorgegangenen Gründung der Streetscooter GmbH im Jahr 2010 noch nicht ahnen. Viele haben sich schließlich an der Entwicklung von Elektrofahrzeugen für den Massenmarkt versucht und sind daran gescheitert. Der Streetscooter hingegen wurde ursprünglich für den Lieferverkehr im Nahbereich optimiert und wird bereits seit dem Jahr 2016 von der Deutschen Post als Auslieferfahrzeug in urbanen Regionen eingesetzt.

1. So fördert der Streetscooter die Mobilitäts- und Energiewende

Das in seiner Grundversion bis zu 85 km/h schnelle und mit einer Reichweite von 80 Kilometern ausgestattete Fahrzeug ist zwar unscheinbar, trägt jedoch einen wichtigen Teil zur Energiewende und zum Umweltschutz bei. Da Zustellfahrzeuge in großer Zahl unterwegs sind, muss auch eine entsprechende Ladeinfrastruktur geschaffen werden, die wiederum dem privaten E-Verkehr zugutekommen wird. Durch die hohen Investitionen in die E-Mobilität ergeben sich ferner Synergieeffekte zwischen etablierten Autoherstellern und erfolgreichen Start-ups wie der Streetscooter GmbH, wobei letztere bereits seit 2014 ein Tochterunternehmen der Deutschen Post ist.
Die gemeinsame Forschung an besseren Akkus und schnelleren Ladesystemen sowie der durch die schiere Masse an Lieferfahrzeugen nötige Ausbau der Ladeinfrastruktur ist aber nur ein Aspekt. Spätestens wenn die Post ihre gesamte Flotte elektrifiziert hat, kann der Streetscooter einen gehörigen Anteil zur Lösung des derzeit größten Problems der Energiewende beitragen. Es geht natürlich um das Thema der Speicherung von überschüssigem Ökostrom. Jedes zusätzliche Elektrofahrzeug wird durch seinen Akku somit zu einem kleinen Energiespeicher, der diesen Überschussstrom aufnimmt.

2. Massiver Ausbau der Produktion

Geht es nach der Deutschen Post soll die Produktion des mit dem Deutschen Solarpreis 2017 ausgezeichneten Fahrzeugs massiv ausgebaut werden. Neben dem Werk in Aachen soll es in Zukunft auch ein zweites Werk in Düren geben, sodass allein bis Ende 2018 rund 20.000 Streetscooter vom Band rollen können. Allerdings soll das Fahrzeug, von dem mehrere Ableger mit größeren Akkus und höherer Geschwindigkeit in Planung sind, nicht nur bei der Post zum Einsatz kommen. Vielmehr plant man die Elektrifizierung eines großen Teils der Logistikbranche.
Hinzu kommen viele Unternehmen und Handwerksbetriebe, die ihre Verbrenner perspektivisch durch maßgeschneiderte Elektrotransporter ersetzen möchten. Es ist also davon auszugehen, dass die Produktionskapazität in Zukunft noch weiter erhöht werden wird, um den Streetscooter im In- und Ausland zu etablieren. Wenn wir nun zusammenzählen, wie groß die Akkukapazität von hunderttausenden Elektrolieferfahrzeugen ist, dann wird klar, warum der Streetscooter einen nennenswerten Teil der Speicherproblematik lösen kann.

3. Auch Modelle mit Brennstoffzellen-Antrieb in der Pipeline

Bevor es aber soweit kommt und der Streetscooter auch die allgemeine Elektromobilität voranbringt, ist noch einiges zu tun. Berichten zufolge hat das Fahrzeug nämlich noch mit Herausforderungen wie einer deutlich geringeren Reichweite in den Wintermonaten sowie einer zu geringen Akkukapazität zu kämpfen. Insbesondere für das Reichweitenproblem hat die Deutsche Post bereits einen Plan in der Hinterhand. Demnach soll der mit 200 Kilometern Reichweite ausgestattete Streetscooter „Work XL“ in einer deutlich größeren Serie gebaut werden.
Zudem sind unter dem Projektnamen „Streetscooter Work-LL“ Varianten mit Brennstoffzellen-Antrieb in der Mache, die mit ihren 500 Kilometern Reichweite gänzlich neue Nutzungsmöglichkeiten eröffnen. Unabhängig davon, wie groß Akkus ausfallen oder wie schnell die Fahrzeuge sind: Jedes Elektrofahrzeug, das einen Verbrenner ersetzt, schützt langfristig die Umwelt und macht unsere Luft ein gutes Stück sauberer.

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