Wie steht es um die Elektromobilität im Jahr 2018?

Dass die Energiewende mit großen Schritten voranschreitet, merken wir nicht nur anhand der EEG-Umlage auf unseren Stromrechnungen, sondern auch an der stetig steigenden Anzahl an Photovoltaikanlagen und Windkraftwerken.

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Immer schneller bahnt sich jedoch eine weitere energetische Revolution ihren Weg – die Wende zur Elektromobilität.

Anzahl der zugelassenen Elektrofahrzeuge explodiert

Wie rasant das Tempo allein in den letzten Jahren zugenommen hat, zeigt ein Blick auf die weltweite Bestandsentwicklung von Elektroautos. Waren auf den globalen Straßen im Jahr 2012 lediglich 205.380 Elektrofahrzeuge unterwegs, stieg diese Zahl über 1.299.090 Fahrzeuge im Jahr 2015 auf satte 3.216.760 Fahrzeuge Ende 2017. Und die Tendenz zeigt in diesem Fall in nur eine Richtung – nach oben. Keine Beachtung in dieser Statistik finden Hybrid-Modelle, die nochmals hinzukommen. Diese Entwicklung gilt auch für Deutschland.
Grund genug also, einen Blick auf den aktuellen Stand und die Entwicklung der E-Mobilität im Jahr 2018 und darüber hinaus zu werfen. Lag der Bestand der rein elektrisch betriebenen Fahrzeuge hierzulande im Januar 2013 nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes noch bei 7.114, betrug sie Anfang 2018 schon 53.861 und hat sich dabei mehr als versiebenfacht. Zeitgleich kletterte die Anzahl der Hybrid-Fahrzeuge auf deutschen Straßen von 64.995 auf 236.710. Auch hier hat sich der Bestand binnen fünf Jahren also fast vervierfacht.
Ein Blick auf China zeigt, wohin die Reise in Sachen E-Mobilität künftig gehen wird. Sieht man sich nämlich in den Straßen der großen Metropolen um, fällt auf, dass die unzähligen knatternden Motorroller bereits größtenteils von E-Rollern ersetzt worden sind. Wann es auch hier soweit ist, wird die Zukunft zeigen. Sicher ist allerdings, dass das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel von einer Million E-Autos bis zum Jahr 2020 mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erreicht werden wird.

Das Ladenetz wächst

Einer der größten Vorteile der Elektromobilität ist, dass die Fahrzeuge bequem über Nacht vor der eigenen Haustür „getankt“ werden können. Nichtsdestotrotz braucht es für den flächendeckenden Ausbau der Elektromobilität ein funktionierendes Ladenetz in den Städten und entlang der großen Verkehrsadern. Aktuell liegt der Bestand der öffentlichen Ladestationen laut dem Verband der deutschen Autoindustrie (VDA) bei rund 10.800, darunter befinden sich auch rund 600 Schnellladestationen. Nicht erfasst sind in dieser Statistik Ladestationen an privaten Standorten wie in Tiefgaragen, auf Hotelparkplätzen und Firmengeländen sowie die aktuell 67 Supercharger der US-Firma Tesla.
Ab diesem Jahr soll eine neue Ausbaustufe der Ladeinfrastruktur initiiert werden. Geht es nach den Plänen von Ionity, einem Gemeinschaftsprojekt einiger deutscher Automobilbauer, soll beispielsweise das Schnellladenetz entlang der Hauptverkehrsachsen deutlich ausgebaut werden, sodass spätestens alle 120 Kilometer Hochleistungsladestationen zu finden sind. Diese sollen Elektrofahrzeuge mit bis zu 350 kW laden. Zum Vergleich: Die aktuellen Schnelllader erreichen Maximalwerte im Bereich von 145 kW. Damit lassen sich die Ladezeiten je nach Akku drastisch reduzieren.
Ein Dosenöffner für den Ausbau der Ladeinfrastruktur könnte das chinesische Unternehmen XCharge sein. Dieses stellt hochwertige Ladesäulen her und möchte diese zu einem Stückpreis von 5.000 Euro auf den deutschen Markt bringen. Die günstigsten Ladesäulen, die hierzulande aktuell für öffentliche Ladepunkte verbaut werden, kosten etwa das Doppelte.

Wachsendes Angebot und sinkende Preise

Waren selbst kleine Elektroautos lange Zeit eine kostspielige Angelegenheit, setzen die Preise seit einiger Zeit zu einem Sinkflug an. Neben dem generell steigenden Angebot unterschiedlichster Hersteller lassen sich die sinkenden Preise auf die stark gefallenden Produktionskosten für die verwendeten Batterien zurückführen. Schließlich ist die Batterie derzeit noch das teuerste Bauteil von Elektrofahrzeugen. Laut einer von „Bloomberg New Energy Finance“ durchgeführten Studie sanken die Kosten bei Lithium-Ionen-Akkus pro Kilowattstunde Speicherkapazität binnen Jahresfrist auf durchschnittlich 209 US-Dollar.
Das entspricht gegenüber dem Preisniveau des Vorjahres einer Preissenkung von fast 25 Prozent. Damit kommt die Batterietechnik in großen Schritten der Marke von 100 US-Dollar näher, ab der Elektrofahrzeuge einen deutlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor erhalten. Insgesamt betrachtet hat das durchschnittliche Elektroauto aktuell bereits das durchschnittliche Preisniveau von Dieselfahrzeugen erreicht. Fairerweise sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass sich unter den Dieselfahrzeugen zahlreiche hochpreisige Limousinen und SUVs befinden, während die Elektrofahrzeuge größtenteils zu den Klein- und Mittelklassewagen gerechnet werden.
Ab 2018 soll das Marktangebot noch weiter zunehmen. Dies liegt aber nicht nur daran, dass Ende des Jahres die ersten Modelle des Tesla Model 3 für rund 40.000 Euro auf dem deutschen Markt aufschlagen, sondern auch an der Entwicklung der deutschen Automobilhersteller. Bis 2020 wollen diese laut VDA nicht nur weitere 40 Milliarden in die Forschung investieren, sondern auch über 100 eigene Serienmodelle auf den Markt bringen.

Anschub der gewerblichen Nutzung durch Dieselfahrverbote

Die unlängst in einigen deutschen Städten durchgesetzten Dieselfahrverbote sind auf den ersten Blick ein Ärgernis für den Privatverkehr und ein echtes Problem für den gewerblichen Verkehr. Betroffen sind insbesondere Zusteller und Handwerker. Die Dieselfahrverbote bieten jedoch eine große Chance für das Vorankommen der Elektromobilität. Vorreiter ist hier ausgerechnet die Deutsche Post mit ihrer Tochtergesellschaft Streetscooter.
Unter dem gleichen Namen stellt das Unternehmen eine ganze Palette an elektrischen Lieferfahrzeugen her, die von der Post und der DHL bereits eingesetzt werden. Mit der Eröffnung eines weiteren Produktionsstandorts am 30. Mai 2018 in Düren erhöhte das Unternehmen seine Produktionskapazität auf 20.000 elektrische Lieferwagen pro Jahr. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass über Kurz oder Lang zahlreiche Logistikunternehmen und Handwerksbetriebe ihre Flotte auf Streetscooter umrüsten und damit weitere Dynamik in den Markt bringen. Denn getreu dem etwas martialischen Sprichwort „der Krieg ernährt den Krieg“, nährt die Elektromobilität den Ausbau der Elektromobilität.
Der Grund ist einfach: Je mehr Elektrofahrzeuge auf der Straße sind, desto größer wird der Bedarf nach dem Ausbau der Ladeinfrastruktur. Je besser die Ladeinfrastruktur, desto höher die Nachfrage an Elektroautos. Je höher die Nachfrage, desto höher das Angebot. Und je höher das Angebot, desto weiter sinkt der Preis durch die Konkurrenz der Hersteller, was Elektrofahrzeuge wiederum für weitere Menschen attraktiv macht.