Wie weit ist das selbstfahrende Auto wirklich?

Morgens ganz entspannt mit dem Laptop unter dem Arm das Haus verlassen. Mit einem Lächeln ins Auto steigen. Kurz „Hallo Siri, bring mich zur Arbeit“ sagen. Den Fahrersitz nach hinten drehen, die Füße hochlegen und auf dem Notebook die neueste Folge der Lieblingsserie ansehen, während das Auto die eineinhalbstündige Pendeltour ganz stressfrei von alleine zurücklegt.

Wie weit ist das selbstfahrende Auto wirklich?
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Dieses Traumszenario könnte bereits im Jahr 2030 ganz real sein. Jedenfalls, wenn es nach den Prognosen der großen Automobilhersteller geht. Gar nicht so unrealistisch, denn die Technologie wird jeden Tag ein Stück besser. Grund genug also, einmal einen Blick auf den Status quo zu werfen. Wie weit ist die Technik für selbstfahrende Autos heute? Wo liegen ihre Grenzen? Und was ist in Zukunft zu erwarten?

Selbstfahrende Autos sind die Zukunft

Die umfangreichen Assistenzsysteme von Mercedes, BMW und Tesla zeigen bereits, dass sich viele Bereiche des Autofahrens schon jetzt leicht automatisieren lassen. Sei es das automatische Einparken in enge Lücken oder das Aufrechterhalten von Tempo und Abstand auf der Autobahn. Künftig soll der Fahrer gar ganz „arbeitslos“ werden.
Auch wenn das so manchem Autoenthusiasten nicht wirklich schmecken wird, hat das selbstfahrende Auto in der Theorie einige entscheidende Vorteile. Und dabei geht es bei weitem nicht nur um den Komfort. Vielmehr schaltet ein Gesamtsystem aus autonom fahrenden Fahrzeugen, die untereinander vernetzt sind, die Fehlerquelle Mensch aus. Das Resultat? Die Reduktion der Unfallzahlen auf nahezu null, denn so gut wie jeder Unfall führt auf bewusste oder unbewusste Fehler bzw. Probleme mit dem Fahrer zurück. Der Anteil der Unfälle, an denen Defekte die Schuld tragen, lag schon im Jahr 2000 bei nur fünf Prozent. Ganz zu schweigen davon, dass es künftig möglich sein wird, mit der Familie auf dem Weg in den Urlaub gemeinsam eine Runde Monopoly zu spielen, anstatt genervt Meter für Meter im Stau zu rollen. Eine verlockende Vorstellung oder?

Die „Fünf Level des autonomen Fahrens“

Um die Entwicklung bzw. den Autonomiegrad von Fahrzeugen zu verdeutlichen, hat man in der Automobilwirtschaft die „Fünf Level des autonomen Fahrens“ definiert. Einblick auf diese Stufen zeigt uns nicht nur, wo es hingegen wird, sondern auch, wo wir bereits stehen.

  • Level 0 – Das Fahrzeug hat keine technischen Einrichtungen, die in das Fahrgeschehen eingreifen. Dementsprechend ist der Fahrer für das Lenken, die Geschwindigkeitswahl, das Bremsen und die Umgebungsbeobachtung selbst verantwortlich.
  • Level 1 – Das Fahrzeug unterstütz den Fahrer mit einigen Assistenzsystemen. Darunter etwa eine Berganfahrhilfe, ein Spurhalte-Warner oder ein Totwinkelwarner.
  • Level 2 – Das Fahrzeug unterstützt den Fahrer nicht nur beim Fahren, sondern übernimmt einzelne Aufgaben auch komplett selbst. Hierzu zählt neben der Spurhaltefunktion und dem automatischen Einparken auch ein Stauassistent, der ohne aktiven Eingriff des Fahrers dem vorausfahrenden Kraftfahrzeug folgt, den Abstand hält, bremst und behutsam beschleunigt.
  • Level 3 – Auf Stufe drei ist der Wagen ein ganzes Stück autonomer, weshalb man diesen Level auch als teilautonomes oder hochautomatisiertes Fahren bezeichnet. Das Fahrzeug ist nun in der Lage, die Geschwindigkeit dem fließenden Verkehr anzupassen oder die Spur zu wechseln. Da die Fahrzeuge aber bei weitem noch nicht allen Situationen im Straßenverkehr gewachsen sind, übergibt der „Autopilot“ häufig wieder an den Fahrer. Dieser muss also dennoch die Hände immer im Bereich des Lenkrads haben.
  • Level 4 – Hier beginnt die Vollautomatisierung. Prinzipiell sind Fahrzeuge dieser Stufe dazu geeignet, nahezu alle Funktionen vollständig und automatisch zu übernehmen. Nur in wenigen Situationen, die das System nicht selbst bewerkstelligen kann, ist das Eingreifen des Fahrers gefragt.
  • Level 5 – Stufe fünf ist das Ziel des autonomen Fahrens. Ein Fahrzeug, das nicht mehr als eine Zieleingabe und die Aufforderung zum Losfahren braucht, während die Insassen arbeiten, sich eine Runde aufs Ohr legen oder sich anderweitig mit Filmen, Büchern oder Videospielen beschäftigen.

Wo befinden wir uns?

Preisfrage: Auf welchem Level befindet sich das selbstfahrende Auto aktuell? Bei vielen Autofahrern sicherlich noch auf Level 0 ganz ohne Assistenzsysteme. Wer aber in den letzten Jahren einen Neuwagen gekauft hat, der befindet sich höchstwahrscheinlich schon im Bereich von Level 1. Denn selbst viele Kleinwagen haben heute beispielsweise schon eine Berganfahrhilfe und einen Spurhalte-Warner.
Auch das automatische Einparken oder eine Spurhaltefunktion sind auf deutschen Straßen schon seit längerem nichts Ungewöhnliches mehr. Level 2 ist der Punkt, wo sich ein großer Teil der aktuellen Neuwagen gerade bewegt. Wenn wir einen Blick in die Oberklasse werfen, sehen wir aber auch schon vereinzelte Fahrzeuge, die sich auf Level 3 befinden. Allem voran steht hier das Model S des US-Elektroautomobilbauers Tesla.
Hier ist der Stauassistent mehr oder minder Standard und auch die Elektronik ist bereits für die Vollautomatisierung auf Level 4 vorbereitet. In den Entwicklungsabteilungen deutscher, chinesischer, japanischer und französischer Automobilbauer sieht es nicht anders aus. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis Level 3 flächendeckend erreicht wird und die ersten Serienfahrzeuge auf Level 4 unterwegs sind.

Es gilt noch einige Probleme zu lösen

Während Google, Facebook und Co. bereits seit vielen Jahren mit Fahrzeugen experimentieren, die mit GPS-Navigation völlig autonom durch das Silicon Valley fahren, sind auch deutsche Wissenschaftler und Unternehmen nicht untätig. Eines der interessantesten Projekte ist hier wohl das Projekt „UNICARagil“. Unter der Führung der RWTH Aachen entwickeln sieben deutsche Universitäten gemeinsam mit führenden Technologieunternehmen ein vollautonomes Elektrofahrzeug.
Das Besondere: Laut dem Projektkoordinator Lutz Eckstein soll das Fahrzeug nicht nur bis 2022 bereit für die Straße, sondern auch so entwickelt sein, dass es vollständig ohne menschliche Hilfe auskommen muss. Sprich: Es hat nicht einmal mehr ein Lenkrad. Ähnliche Projekte sind auch am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und bei der Deutschen Bahn im Gange.

Wie steht es in Deutschland um die Forschung am selbstfahrenden Auto?

In der Theorie ist das autonome Fahren ein perfektes System. Alle Fahrzeuge werden via Computer und Satellit koordiniert. Staus, Unfälle und Regelübertretungen sind damit Vergangenheit. In der Praxis wird die Einführung selbstfahrender Fahrzeuge aber über Jahrzehnte ablaufen und auch Radfahrer und Fußgänger, die sich den Verkehrsraum mit den Hightech-Autos teilen, lassen sich leider nicht per GPS steuern und von Regelübertretungen abhalten.
Dementsprechend ist genau das die größte Hürde: Selbstfahrende Fahrzeuge müssen lernen, mit unvorhergesehenen Situationen umzugehen und richtig zu handeln. Und das auch noch, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden. Das ist die große Aufgabe. Wie sie gelöst werden wird, muss allerdings die Zukunft zeigen.
Sicher ist in jedem Fall, dass die so geleistete Grundlagenarbeit von den großen Automobilbauern adaptiert werden wird und wir so über kurz oder lang das vollständig selbstfahrende Auto sehen werden. Bis dahin haben wir aber noch genug Zeit, um uns an die zahlreichen Assistenten und das teilautonome Fahren im Stau zu gewöhnen.

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