Wie weit ist ein Gewitter entfernt?

Wer sich öfter im Freien aufhält, um dort Sport zu treiben oder anderen Outdoor-Aktivitäten nachzugehen, der wird früher oder später auch einmal von einem Gewitter überrascht. Was aber ist zu tun, wenn sich der Himmel zuzieht, es bedrohlich zu grollen beginnt und erste Blitze in der Entfernung über den Himmel zucken?

Bild: stock.adobe.com/Christian Schwier
Wichtig ist hier vor allem die Frage, wie weit das Gewitter noch entfernt ist, und wie schnell es sich bewegt. Um das herauszufinden, braucht es aber weder ein Physikstudium, noch eine Ausbildung als Meteorologe – denn mit ein paar einfachen Tricks lässt sich die Entfernung zu einem Gewitter kinderleicht bestimmen.

Lichtgeschwindigkeit versus Schallgeschwindigkeit

Bei einem Gewitter treten Blitz und Donner immer gemeinsam auf. Der entscheidende Faktor zur Bestimmung, wie weit ein Gewitter noch entfernt ist, ist der Abstand beider Phänomene. Blitze sind elektrische Entladungen, die die Luft schlagartig auf bis zu 30.000 Grad Celsius erhitzen und durch die massive Ausdehnung der Luftmassen einen Donnerschlag erzeugen.
Das Licht des Blitzes selbst bewegt sich mit Lichtgeschwindigkeit, also 299.792.458 Metern pro Sekunde. Das entspricht in etwa dem siebeneinhalbfachen Erdumfang. Einen Blitz nimmt unser Auge also direkt ohne Verzögerung wahr. Der Donnerschlag hingegen bewegt sich lediglich mit Schallgeschwindigkeit. Diese liegt bei lediglich 333 Metern pro Sekunde. Durch diesen Gegensatz lässt sich leicht berechnen, wie weit das Gewitter noch vom eigenen Standort entfernt ist.

Die Entfernung zu einem Gewitter per Faustformel bestimmen

Aus den physikalischen Eigenschaften von Blitz und Donner, also Licht und Schall leitet sich eine vereinfachte Faustformel ab. Der Blitz dient hier als Ausgangspunkt. Je länger es dauert, bis der Donner nach dem Lichtblitz zu hören ist, desto weiter weg ist das Gewitter. Im Gegenzug gilt aber auch: Je kürzer der Abstand zwischen Blitz und Donner, desto näher ist die Gewitterzelle.

Faustformel
Gewitterentfernung (in km) =
Abstand zwischen Blitz und Donner (in s) x 333 / 1.000

Beispiel:

  • Nach dem Blitzeinschlag dauert es 6 Sekunden, bis der Donner zu hören ist.
  • Um 333 Meter zurückzulegen, benötigt der Schall des Donners eine Sekunde.
  • Multipliziert man die Dauer, bis der Donner zu hören ist, mit der Schallgeschwindigkeit, erhält man einen Wert von 1.998 Metern.
  • Dieser Wert wird nun durch 1.000 geteilt, um die Entfernung in Kilometern zu erhalten.
  • Das Gewitter ist also noch etwa zwei Kilometer vom aktuellen Standort entfernt.
Vereinfacht gesagt:
3 Sekunden, die zwischen Blitz und Donner liegen, entsprechen einem Kilometer Entfernung. Auch wenn die Schallgeschwindigkeit durch die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit ein wenig variieren kann, lässt sich die Entfernung eines Gewitters mit dieser Faustformel sehr präzise ermitteln.

Wie soll ich den Abstand unterwegs messen?

Die einfachste Möglichkeit, um die „3 Sekunden gleich 1 Kilometer“-Regel zu nutzen, ist die Verwendung einer Uhr mit Sekundenzeiger oder digitaler Sekundenanzeige. Sobald ein Blitz am Horizont erscheint, gilt es, die Sekunden bis zum Donner zu zählen. Das Ergebnis wird anschließend mit 333 multipliziert und schon ist die Entfernung zum Gewitter berechnet. Alternativ kann die Anzahl der Sekunden auch durch 3 geteilt werden, um gleich das Ergebnis in Kilometern zu erhalten.
Da einzelne Blitze schon einmal aus einer Gewitterfront ausbrechen oder dieser vorweglaufen können, sind verlässliche Ergebnisse nur mit mehreren Messungen möglich. Drei bis vier Messungen sollten es schon sein, um den Abstand verlässlich zu berechnen. Wer keine Uhr hat, erinnert sich an die gute alte „Stopp-Schild“-Regel aus der Fahrschule, mit der die ausreichende Haltezeit an Stopp-Schildern sichergestellt werden soll. Sobald der Blitz am Himmel erscheint, wird ab zwanzig hochgezählt. Durch die vielen Silben entspricht die Nennung einer Zahl hier nämlich in etwa einer Sekunde.

Wohin bewegt sich die Gewitterfront?

Ebenso wichtig wie die aktuelle Entfernung ist die Richtung, in die sich ein Gewitter bewegt. Gerade, wer in den Bergen oder auf offenem Feld beim Radfahren oder Wandern ist, muss schließlich wissen, wohin er ausweichen muss, um sich in Sicherheit zu bringen. Auch hier hilft die Regelmäßige Nutzung der Faustformel weiter. Wird der Abstand zwischen Blitz und Donner kürzer, nähert sich das Gewitter. Bleibt der Abstand gleich, bewegt sich die Gewitterzelle parallel. Wird der Abstand hingegen größer, entfernt sich das Gewitter.

Wann wird es gefährlich?

Wer denkt, dass ihm nichts passieren kann, solange das Gewitter noch zwei bis drei Kilometer entfernt ist, der irrt sich. Blitze können der Hauptgewitterzelle auch bis zu 15 Kilometer vorauslaufen und urplötzlich hervorbrechen. Das kommt zwar äußerst selten vor, ist aber möglich. Zudem kann auch ein mehrere Kilometer entfernter Blitzeinschlag gefährlich für Menschen sein, da sich die Spannung über etliche Kilometer hinweg durch den Boden übertragen kann.
Meteorologen raten daher dazu, spätestens dann Schutz zu suchen, wenn der Abstand zwischen Blitz und Donner unter die 20-Sekunden-Marke fällt. Ist hingegen trotz am Horizont sichtbarer Blitze kein Donner zu hören, ist das Gewitter noch über 18 Kilometer entfernt und stellt keine akute Gefahr dar.

Tipps für richtiges Verhalten bei Gewitter

  • In Häusern oder im Auto Schutz suchen.
  • Bevorstehende Blitze können sich über Phänomene wie ein Knistern in der Luft, sich aufstellende Haare oder Metall, das zu Surren beginnt, ankündigen.
  • Exponierte Stellen wie Hügelkuppen meiden.
  • Bei Gewitter in den Bergen mindestens 100 Höhenmeter vom Gipfel entfernen.
  • Bächen, Flüssen und Seen aus dem Weg gehen.
  • Mindestens zehn Meter Abstand von einzelnstehenden Bäumen halten.
  • Niemals unter einem Baum unterstellen.
  • Ist auf freiem Feld kein Schutz verfügbar, mit beiden Füßen dicht nebeneinander auf den Boden kauern.
  • Wer in Gruppen unterwegs ist, sollte dafür sorgen, dass sich die Gruppe über eine größere Fläche verteilt hinkauert.
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