Worauf ist beim Kauf eines gebrauchten E-Autos zu achten?

In den vergangenen Jahren hat die Elektromobilität einen enormen Sprung gemacht. Das gilt nicht nur für die Qualität der angebotenen Fahrzeuge, sondern auch für die sinkenden Preise. Entsprechend dieser Entwicklung liebäugeln immer mehr Menschen mit der Anschaffung eines E-Autos.

Worauf ist beim Kauf eines gebrauchten E-Autos zu achten?
Quelle: stock.adobe.com/slavun
Da neue Fahrzeuge in vielen Fällen aber noch immer mehrere tausend Euro teurer als vergleichbare Verbrenner sind, sind Gebrauchtfahrzeuge gefragt. Allerdings müssen Sie auch beim Kauf eines gebrauchten Elektrofahrzeugs auf einige Punkte achten.

Explodierende Zahl an Neuzulassungen belebt den Gebrauchtwagenmarkt

Waren Elektrofahrzeuge vor zehn Jahren noch die absolute Ausnahme, ist die Anzahl der Neuzulassungen in den vergangenen Jahren explodiert. Allein zwischen 2003 und Anfang November 2018 hat sich die Anzahl der jährlichen Neuzulassungen mehr als vertausendfacht.

Worauf ist beim Kauf eines gebrauchten E-Autos zu achten?
Anfang November 2018 Quelle: Eigene Darstellung auf Datenbasis von statista.com

Den Spitzenplatz nimmt dabei der Renault Zoe ein, der allein 2017 4.322 Mal verkauft wurde. Kein Wunder, denn der kleine Franzose überzeugt mit rund 400 Kilometern NEFZ-Reichweite und einem Preis von 21.700 Euro zzgl. Batteriemiete. Auf Platz zwei folgt mit dem E-Golf von Volkswagen gleich ein deutsches Modell. Das umfangreiche Infotainment-System spricht ebenso für den Wolfsburger wie 300 Kilometer NEFZ-Reichweite. Allerdings ist der Stromer von Volkswagen mit 36.000 Euro auch deutlich teurer. Modelle von BMW, Nissan und Co. sowie die Oberklassemodelle des US-Autobauers Tesla belegen die folgenden Plätze.

Die Top-10 der Neuzulassungen 2017

RangHerstellerModellNeuzulassungen 2017
1
RenaultZoe4.322
2VolkswageGolf3.026
3SmartFortwo2.987
4KiaSoul2.933
5BMWi32.791
6TeslaModel S2.036
7TeslaModel X1.090
8VolkswagenUp1.078
9HyundaiInniq881
10NissanLeaf841
Gemäß der ansteigenden Zahl der Neuzulassungen wird das Angebot an Gebrauchtwagen in den kommenden Jahren nochmals deutlich steigen. Ein großer Treiber sind hier die zahlreichen E-Auto-Modelle, die im Jahr 2019 und 2020 flächendeckend auf den Markt kommen. Darunter etwa das Mittelklassemodell aus dem Hause Tesla, das Model 3.

E-Motoren machen kaum Probleme

Die gute Nachricht zuerst: Der Kauf eines gebrauchten Elektroautos ist aus technischer Sicht mit weniger unangenehmen Überraschungen behaftet als der Kauf eines Verbrenners. Das liegt am einfachen Aufbau des Elektromotors, in dem kaum bewegliche Teile verbaut sind. Dementsprechend ist der Verschleiß minimal, sodass die Laufleistung in Bezug auf den Motor nahezu irrelevant ist.

Die Batterie ist der wichtigste Faktor

Beim Elektroauto ist die Batterie das zentrale Verschleißteil. Vor dem Kauf ist es daher ratsam, einen prüfenden Blick auf die Batterietechnik zu haben. Immerhin beeinflussen die Laufleistung und das Ladeverhalten die Batteriekapazität und damit die Reichweite. Üblicherweise baut die Reichweite auch bei aktuellen Batterien mit zunehmender Laufleistung ab. Nach etwa 80.000 Kilometern ist eine Reichweitenabnahme von rund zehn Prozent durchaus üblich.
Gerade bei Modellen mit einer hohen Reichweite ist der Reichweitenverlust insgesamt weniger problematisch als bei Modellen mit geringer Reichweite. Sicherheit gibt eine Analyse des Batteriestatus bzgl. des Ladestatus (State of Charge). Diesen können Sie im Display ablesen. Zudem empfehlen wir Ihnen, die Batteriedaten vor dem Kauf in einer Fachwerkstatt auslesen zu lassen. Zusätzliche Sicherheit über die Güte der Batterie verschaffen Batteriezertifikate, die Sie auch beim Gebrauchtwagenkauf vom Hersteller anfordern können.

Auf die richtige Reichweite und Ladegeschwindigkeit kommt es an

Ob Gebraucht- oder Neuwagen: beim Kauf eines Elektroautos kommt es immer auf die Reichweite an. Nichts ist schlimmer, als im Nachhinein festzustellen, dass die Reichweite nicht ausreichend ist. Je mehr Kilometer Sie am Tag am Stück zurücklegen, desto höher muss die Grundreichweite sein. Sind Sie hingegen nur wenige Kilometer am Tag zum Beispiel in der Stadt unterwegs, reicht ein Modell mit geringerer Kapazität. Beachten Sie in diesem Zusammenhang aber immer den bereits angesprochenen Reichweitenverlust.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Ladegeschwindigkeit, also mit wie viel kW Sie Ihr Fahrzeug laden können. Schneller ist prinzipiell besser. Ebenso wichtig ist der Typ des Ladesteckers, denn nicht alle Ladesäulen sind für alle Stecker und Ladegeschwindigkeiten ausgelegt. Am weitesten verbreitet ist aktuell der sogenannte „Typ 2 Ladestecker“. Für viele Ladestecker gibt es jedoch auch Adapter. Wenn Sie mehr über das Thema „Laden und Ladeinfrastruktur“ erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen unseren Beitrag zu diesem Thema .

Achten Sie bei japanischen Modellen auf den Jahrgang

Allgemein gilt die Faustregel: je neuer das Modell, desto effizienter ist das Fahrzeug in der Regel. Das gilt vor allem in Bezug auf die Reichweite und den Reichweitenverlust. Grundsätzlich weisen alle aktuellen Elektrofahrzeuge unabhängig von ihrer Herkunft eine sehr hohe Qualität auf. Nichtsdestotrotz sollten Sie bei japanischen Herstellern wie Nissan und Mitsubishi ganz besonders auf das Baujahr achten. Hier hat sich die verbaute Motoren- und Batterietechnik in den letzten Jahren nochmals deutlich verbessert.

Aktuelle HU und seriöse Anbieter

Wenn Sie generell auf der sicheren Seite sein möchten, ist wie bei jedem Gebrauchtwagenkauf eine möglichst aktuelle HU-Plakette entscheidend. So ist immerhin von Experten des TÜV oder der Dekra sichergestellt, dass das Elektrofahrzeug technisch in einem einwandfreien Zustand ist. Zusätzliche Sicherheit verspricht zudem der Kauf eines gebrauchten Elektrofahrzeugs von einem Händler. Im Gegensatz zu einem Privatverkauf profitieren Sie hier von einer einjährigen Gebrauchtwagengarantie.

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