Zukunftsvisionen – Woher unser Strom künftig kommt

Die Ära der klassischen fossilen Energieträger neigt sich dem Ende entgegen. Verantwortlich dafür ist neben dem steigenden Umweltbewusstsein auch der Drang des Menschen danach, immer effizientere Lösungen zu finden. Auch wenn sich Photovoltaik, Biogas und Windenergie gerade erst als Stützpfeiler einer modernen und nachhaltigen Stromerzeugung etablieren, ist dies noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.

Zukunftsvisionen – Woher unser Strom künftig kommt
Bild: Kuttelvaserova Stuchelova/shutterstock.com
Die Entwicklung zu immer effizienteren, günstigeren und in Summe vielleicht auch noch umweltfreundlicheren Energiequellen geht weiter. Abseits aktuell zukunftsträchtiger Lösungen werfen wir einen Blick auf mögliche Energiequellen, die heute noch kaum jemand auf dem Radar hat.

Fliegende Windturbinen

Trotz steigender Energieeffizienz und technologischer Verbesserungen nahezu aller technischen Anlagen wird der globale Stromhunger auch künftig weiterwachsen. Warum also sollten wir die Kräfte von Mutter Natur nicht noch effizienter für die Stromerzeugung nutzen? Ähnliches dachte sich Ben Glass, der nach seinem Abschluss am MIT das Energieunternehmen „Altaeros Energies“ gründete. Seine Entwicklung könnte in Zukunft zumindest in abgelegenen Regionen sowie Krisengebieten für eine unkomplizierte, nachhaltige und netzunabhängige Strombelieferung sorgen. Die von ihm entwickelte Windkraftanlage „Impeller“ steht nämlich nicht am Boden, sondern schwebt in 600 Metern Höhe wie ein Luftschiff. Da die Winde in dieser Höhenregion stetiger und stärker wehen, kann die Anlage mit ihrem Windrad für eine deutlich konstantere Energiegewinnung sorgen. Befestigt wird die fliegende Windturbine an einer langen Leine, die gleichzeitig als Stromkabel fungiert.

Die Kraft des Meeres nutzbar machen

Wellen und Gezeiten gehören zu den stärksten Kräften, die wir auf unserem Planeten kennen. Da diese Erkenntnis nicht neu ist, sind vielerorts bereits Gezeiten- und Wellenkraftwerke in Betrieb. Gezeitenkraftwerke, wie sie sich beispielsweise in Frankreich und Südkorea befinden, erreichen schon aktuell einen herausragenden Wirkungsgrad von bis zu 90 Prozent. Die Tatsache, dass der Großteil der Erde mit Meeren bedeckt ist und zahlreiche Länder über raue Küsten mit starken Gezeiten und kräftigem Wellengang verfügen, legt den Schluss nahe, dass Küstenregionen künftig immer mehr Strom direkt aus dem Meer gewinnen werden. Bis derartige Anlagen auch in großem Stil errichtet werden, wird allerdings noch Zeit ins Land gehen. Schließlich muss zuvor noch erforscht werden, ob und wie stark Wellen und Gezeitenkraftwerke Strömungen und damit auch die betroffenen Ökosysteme beeinflussen.

Anzapfen einer Sonne im Miniaturformat

Seit Jahrzehnten träumen Wissenschaftler überall auf der Welt von der Kernfusion. Während des Prozesses, der auch in unserer Sonne abläuft, verschmelzen zwei Wasserstoffatome zu einem Heliumatom. Eigentlich ganz einfach, wenn da nicht die Physik im Weg wäre. Damit sich diese beiden Atome verbinden und die frei werdende Energie aufgefangen werden kann, sind nämlich schlappe 100 Millionen Grad Celsius im Fusionsreaktor nötig. Derzeit befindet sich nahe der französischen Stadt St. Paul Lès Durance der größte Fusionsreaktor der Welt im Bau. Wenn die Anlage im Jahr 2018 in Betrieb geht, wird sich zeigen, ob sich die Investition von 15 Milliarden Euro für das globale Gemeinschaftsprojekt gelohnt hat.

Warum sich der Aufwand lohnen könnte, ist einfach erklärt: Aus dem billigen und auf der Erde in großen Mengen vorhandenen Brennstoff „Schwerer Wasserstoff“ kann zehnmal so viel Energie gewonnen werden, wie für die Kernfusion hineingesteckt werden muss. Bei der Kernfusion werden zudem weder Treibhausgase freigesetzt, noch kann es zu einem nuklearen Super-GAU kommen. Selbst die Menge der radioaktiven Abfälle fällt deutlich geringer aus und auch deren Strahlung hat zusätzlich eine deutlich geringere Halbwertszeit als die Abfälle der konventionellen Kernspaltung. Wir sprechen also nur von Jahrzehnten und nicht mehr von Jahrmillionen.

Im Angesicht der unzähligen Technologien, die derzeit überall auf der Welt erforscht werden, ist zwar nicht sicher, woher im Detail unser Strom in 30, 40 oder 50 Jahren kommt – eines ist jedoch sehr sicher: Wir werden unsere Energie aus anderen Quellen beziehen, als wir es heute tun.